Anhang 2000 - 3000

2004 Da muss man erstmal schauen, ob man alles noch hat (Schlüssel, Notizbuch, Geld, Feuerzeug..) hab ich wirklich noch alles, und falls nicht, dann kann ich guten Gewissens sagen: I lost it at the movies.
2005 Was da eine Zeit reingeht. Das ist doch fürchterlich. und doch: ich kann es nicht gut sein lassen. Da machste was mit, und: how much longer. How much longer. Entspann dich, meine Liebe. (Der Wahnsinn der Entspannung…)
2006 Wer hält mich denn im Plural - wer hält uns? Wer nimmt das auf sich? Wir nehmen das auf uns. Da fragt sie: Was soll das denn sein? Grammatik?
2008 Alexandriner, sagte sie, als sie den Hörer auflegte. Unsere Einbildungskraft war zu diesem Zeitpunkt bereits derart gelockert, ja manisch unterscheidungslos, dass sie den semantischen Filter einfach überrannte und mit einem "jambischen Intim-Tattoo" zurückkam, das zwar das Versmaß in jeder Hinsicht bediente, nicht aber den Sinn. Übersetzung: in der Tat eine unendliche Aufgabe.
2011 Auch das ein Eintrag aus der Reimhölle, ich kann allerdings im Nachhinein nicht mehr zurückverfolgen, wie der zustande kam. Nur die Vorstellung, dass ein vorsichtiges Winken, von weither, eine destruktive Gewalt haben könnte, scheint ungeheuerlich - wenn sich mir nur der dazugehörige Kontext erschlösse. Später saßen wir im tschechischen Speisewagen, und kaum glaubhaft: H. winkte einem Bahnwärter zu, der aus der Höhe seines Türmchens auf den vorbeifahrenden Zug herunterblickte und ich schwöre (ich habe zeugen): Er winkte zurück. Das traf in die Übermüdung hinein wie ein Blitz.
2012 Und ich gab ihr den Brief zu lesen und sie las ihn und zitierte die Worte einer ungarischen Wahrsagerin, die ich hier nicht wiederholen kann. Aber du hast ja überall Netze eingezogen. Ja, sagte ich, das hab ich. und sie sagte: Geradezu maßlos eingerüstet, das ganze, und gab mir den Brief zurück und sagte abschließend: hemmungslos schüchtern. Mehr muss man dazu nicht sagen.
2015 Dann hab ich einen weiteren Brief geschrieben, einen Brief, von der Restbeschleunigung aus der Reimhölle herausgehetzt. Zu ausführlich, zu lang, und mit der Präzision einer Schrotflinte abgefasst. Und das, obwohl in der ersten Antwort bereits die Enttäuschung tickte, ganz taktvoll, ganz richtig. Aber es war offenbar nicht anders zu machen. Zur Strafe herrscht seither eine seidige Stille.
2016 Anwendungsbeispiel: Nachdem diese durchgeknallte Schnalle auf mich losgegangen war, um mich mit allen Mitteln zu demontieren, wurde ich von den anwesenden Funktionären gründlich durchgefürsorgt. Aber da war es schon zu spät.
2017 Matte sagt, wir haben ein Problem: In Kölle heißt das "Schlonze". Daraufhin antwortet Mattezwei: Aber das ist doch kein Problem. Das sind doch einfach nur Schwundstufen von Schlanze. Das ficht doch die Schlanze nicht.
2022 So stehen sie dann am Hang, in ihrer neuen Konstitution, etwas säuerlich will mir scheinen und leichthin erbärmlich. Aber das kommt immer auf die Temperatur an.
2023 Und im Bus fiel mir der Originaltitel nicht mehr ein, und ich musste die dämmernde Matte wecken, wie heißt das denn, auf deutsch heißt es: Traum von mehr bis minder schönen Frauen. Und der Bus zockelte über die Insel. Das erste ist "fair" - wie ist das zweite? Es fiel uns nicht ein, da blieb am nächsten Tag nur der Gang ins nächste Dorf, wo in einem Vodafone-shop ein Rechner stand. Komischerweise ist das wiederwissen dann nie der Triumph, den man sich ausgemalt hat, während man nach dem fehlenden Wort fahndete: middling also, genau. Dann wieder den Weg zurück, ungeschützt auf dem Seitenstreifen der Landstraße in gleißendem Licht. Und keine Sonnenbrille dabei.
2024 Noch als der Morgen graute, standen sich die beiden Rechner gegenüber. und weiter im Text, weiter, weiter in dieser verblockten Schlucht, ein Felssturz, der stürzende Sinn des ganzen ging über uns nieder. Pass auf deinen Kopf auf. Oder ich passe auf deinen Kopf auf, und du indes auf meinen.
2026 schmerzfuggel, schnurzfeggel, schneuznuckel, schluckfeudel, heuschnuckel, scherzhuggel, versschmuggel.
2028 Ach, was für ein armes, korruptes, instinktloses Pelztier, Wälder und Käffer durchwandernd, und auch die kreuz und quer geführte Aas-spur des Vier-pfoten-team hat ihm nicht den richtigen weg gewiesen. - was macht ihr denn hier? Wir sind das Vierpfoten-Team und wir machen eine Aas-spur. (Red Herring)
2030 Wenn wir auch nur mit einem Ohr hingehört haben, waren wir doch ganz da. Das möchte ich gerne im Nachhinein zu Protokoll geben.
2037 Am Telefon: Was willst du heut noch machen? Die Bad-Anstreichungen in die Tasten haun und dann schick ich sie dir. Was? Das Angestrichene halt, die besten Stellen. was? Im Bad? Nein, die Anstreichungen in dem Barthes-Buch. Ach Barthes, nicht Bad. Genau. Barthes.
2038 Da musste der Herr Reporter aber noch mal schnell, ja schnappend schon nachfragen - Weltfriede? Ja, wir die wir Hengste wie Weltfriede haben.. ging es weiter..
2039 Ich weiß nicht mehr, wo ich das gelesen habe. Und es stört mich. Es stört mich sehr.
2040 Ich weiß auch nicht mehr, wo ich das gelesen habe. mir fallen ganze Passagen ein, und ich weiß partout nicht mehr, wo ich sie gelesen habe. ich will nicht darüber nachdenken, was das heißt. wenn mir jemand sagen könnte, wo ich gelesen habe, dass alle immer nur eines wollen, nämlich in einem fremden Bewusstsein getragen zu werden, für Momente. Es handelte sich um ein hermeneutisches Modell von gelesen und geliebt zu werden. Und dann in diesem Wissen wieder lesen, wieder lieben. Wo hab ich das gelesen? Vielleicht im netz. Dann finde ich es nie wieder. Aber wenn ich es doch wiederfände, dann bin ich sicher, es machte mich glücklich. ganz anders als die sache mit middling. gewiss.
2042 Und ich richtig bockig: "Hörense mal, wegen den vier zeilen Nostradamus lauf ich doch nicht in die Bibliothek!!", dann aber die zu recht gescholtene und nun sehr artige Übersetzerin, also rüber zu Dussmann: Äh, wenn ich den Nostradamus suchen würde, wo würde ich ihn finden? Buchhändlerin: das wäre dann wohl im zweiten stock. Ich: und wo da? Und die ironiebegabte Buchhändlerin mit unsichtbarem Zwinkern: Das würde dann vielleicht das Esoterik-Regal sein?!? Später eilte mir eine weitere Buchhändlerin zur Hilfe: Sie schauen ja gerade unter Mantras, Sie müssen doch im Prophezeiungsregal schauen!
2043 Mir wurde berichtet, das sei genauso gefallen. Das Ohr hats gemacht. Das Ohr. (Du musst doch nicht immer am ende alles zweimal schreiben. Ja, aber woher wollen Sie denn wissen, was ich nicht alles muss, und sei es nur am ende alles zweimal zu schreiben. Ja, am ende schreibt man ja doch alles zweimal. Oder hat es schon. Hat was? Es schon geschrieben.)
2044 Ja, das ist so ein Dämmerungslidl. Man kommt mit Tüten heraus und schon wird es dunkel, nachtbereit. Und wenn sich nun, das ist die saison, neue Dunkelheiten ankündigen, der Sommer wird ja dunkler sobald er beginnt, dann ist das aber fein erdacht. Gegen den Übermut. Das Haltmachen vor der fast herzlos ausgeleuchteten Vollkommenheit. Oder auch mal zudecken. Ja zudecken. Lakengröße unbenommen. Und dann aber neben mir, diese ungeheure Präsenz, dunkelnd.
2045 Mit dem Rad, immer wieder diese Straße queren. halt machen und so tun. dann weiter queren. die stadt als verweissystem auf eine abwesenheit, in die ein zufall gepackt ist, ich muss die sache nur aufschnüren. aber wie? die stadt ist schließlich groß. aber es hat doch einmal schon funktioniert, und O. sagte am telefon: du hexe.
2048 ja, und nichts mehr als das. die westen seien ja nur gegen das dangling, und keine geste in bonhommie. nein, die erotische eleganz, die der münsteraner darin sah, konnte der brite nicht nachvollziehen.
2049 und gab mir mein bruder den in sandstein geschlagenen ponykopf, mit ohren wie kleine hörner. there's a devilish look to it, dachte ich noch, und schon brüllte mir der kopf entgegen: bring mich sofort in ein ponybordell, und ich sach noch: he, ditte iss berlin, ich kenn hier kein ponybordell, und du komms jetz ersma mit hier, uffen schreibtisch und kanns mir beim tippen zusehn. die enttäuschung war enorm, ich konnte aber nicht anders als weiterhin darauf zu insistiern: it jibbt hier keen ponybordell, aber wennsch ma eins finde, dann be the first to know. so freundeten wir uns an und verleben seither einen stolzen honeymoon slash ponymoon, voller freude, raserei und prägnanz. und ditt, ditt muss uns ersma einer nachmachen. schlag ein.
2050 um die ecke biegen, und die da warten sehen: in unfroher erwartung, schlecht zurechtgemacht, ein paar übellaunige als transvestiten verkleidete animateure, angeführt von einem sportlehrer. let's get out of here.
2056 "Expression used by Bishop George Berkeley (1685 - 1753), in his ironical criticism of Newton's presentation of the differential calculus, published in 1734 under the suggestive name of: 'The Analyst, A Discourse addressed To An Infidel Mathematician'. He said: 'And what are these fluxions? The verlocities of evanescent increments. And what are these same evanescent increments? They are neither finite quantities, nor quantities infinitely small, nor yet nothing. May we not call them ghosts of departet quantities?" From: Rafeal E. Lòpez-Corvo: The dictionary of the work of W.R. Bion.
2057 und sollte nicht immer alles nur bis auf weiteres unverzeihlich sein? was anderes geht ja gar nicht. und ich sage mir: vergiss das nie wieder. behalte das immer im blick.
2060 ...als würde man mir wie einem kind sagen: du musst jetzt sehr tapfer sein, aber es weiß noch nicht, worauf sich diese tapferkeit beziehen soll, welchem schmerz, welcher erschütterung diese tapferkeit zuvorkommen soll. wie soll dann da ein rechtes maß von tapferkeit gefunden werden? und doch muss das maß gefunden werden. denn eine maßlose tapferkeit, das wäre ja gar keine, das wäre ja mutwill oder eine finstere, gedankenlose kühnheit, die so tut, als wüsste sie gar nicht, was auf dem spiel steht. wie aber soll ich diese tapferkeit denn austarieren? und muss ich denn überhaupt tapfer sein? wäre es nicht ausreichend DA zu sein, oder mehr als das: da zu sein mit einer ebenso unangemessenen hingabe, die ja auch noch nicht weiß, worauf sie sich wirklich bezieht. vielleicht müsste es etwas sein wie tapfere hingabe.
2062 "Im Gegensatz zu seinem Vater, einem bedeutenden Physiologen, war Haldane Atheist, maß dem aber offenbar keine besondere Bedeutung bei. Einmal wurde er bei einer öffentlichen Diskussion gefragt, was man denn aus der Schöpfung über den Schöpfer schließen könne. Haldane dachte kurz nach und antwortete dann: >>An inordinate fondness for beetles<< - eine außergewöhnliche Vorliebe für Käfer."
Aus B. Müller: Die Tränen des Xerxes. Von der Geschichte der Lebendigen un der Toten.
2063 genau. verdammtnochmal. genau.
2100 was vögel angeht, ist die welt allerdings enorm strukturiert, wenn auch uns kaum einsichtiger weise. fragte jüngst der falb: wenn die strukturen auf die straße gehen, was ist dann die straße? gute frage, und wo wird heute noch genistet? das muss der betreffende ast sein, ich bin jetzt ganz sicher (sacht ein eichelhäher zum andern).
2103 "der eichelhäher (gárrulus glandárius; 34 cm; körper rötlich braun, bürzel weiß, flügeldecken blauschwarz gebändert, mit auffallend weißem fleck, aufrichtbare 'holle' aus längsgetreiften federn; nesthocker; teilzieher) gehört zur familie der rabenvögel. er ist in ganz deutschland zuhause und kommt bis auf den äußersten norden auch in ganz europa vor, wo er laub- und nadelwälder bewohnt und meist in dichtem laubwerk nistet. oft versammeln sich eichelhäher in kleinen lärmenden gesellschaften." harry garms: pflanzen und tiere europas.
2106 wir entreißen der wand noch die kabel (kupferadern). doch was ist nur unter der lupe des bambis sichtbar? geriffelte stiele, ein pflanzliches netz, beinah bestrickend am erekteten stiel von zoophyten. chappi an bambi: "haben denn zoophyten.. ?" bambi an chappi: "was hier als zoophyt zu gelten hat, das kommt nicht ohne stiel." ach, der gute zoophyt. er wollte uns alle verknüpfen, als bote oder als bus. hätten wir ihm doch alle freiheit gelassen. haben wir ihm aber nicht. stimmt. und bambi + chappi wiegen versonnen die geröteten köpfe in so etwas wie westwind.
2111 "Denn Zerstören verjüngt, weil es die Spuren unseres eigenen Alters aus dem Weg räumt; es heitert auf, weil jedes Wegschaffen dem Zerstörenden eine vollkommene Reduktion, ja Radizierung seines eignen Zustands bedeutet. Zu solchem apollinischen Zerstörungsbilde führt erst recht die Einsicht, wie ungeheuer sich die Welt vereinfacht, wenn sie auf ihre Zerstörungswürdigkeit geprüft wird." walter benjamin: der destruktive charakter.
2113 "In einer anderen Nacht: Ich unterhielt mich mit meiner Freundin X über die erotischen Künste, deren ich sie für mächtig hielt. Dabei fragte ich sie, ob sie es par le cul könnte. Sie begegnete der Frage mit viel Verständnis und antwortete, an manchen Tagen könne sie es, an anderen nicht. Heute gerade sei es unmöglich. Mir schien das ganz plausibel, doch dachte ich darüber nach, ob es die Wahrheit oder ein Vorwand sei, nach Dirnenart sich mir zu entziehen. Da erklärte sie, sie könne andere, weit schönere, ungarische Dinge, von denen ich gewiss noch nie gehört hätte. Auf meine begierige Frage antwortete sie: nun, zum Beispiel Babamüll. Sie begann mir das auseinanderzusetzen. Es stellte sich aber bald heraus, dass es bei der vermeintlichen Perversität um eine höchst komplizierte, mir ganz undurchdsichtige, aber offenbar illegale Finanzoperation sich handelte, etwas wie eine gefahrlose Methode, ungedeckte Checks auszugeben. Ich machte sie darauf aufmerksam, dass das mit den versprochenen Liebesdingen doch gar nichts zu tun habe. Doch überlegen und unnachgiebig bedeutete sie mir, ich müsse scharf aufmerken und Geduld haben, das andere komme schon. Da ich aber den Zusammenhang längst nicht mehr begriff, so verzweifelte ich daran, je zu erfahren, was Babamüll sei." theodor w. adorno: traumprotokolle.
2114 "Manche aber traten einfach hinaus aus dem eigenen Leben, verloren sich undramatisch in anderen Lebensräumen, tauchten ab in ferne Freundschaftszusammenhänge. Und die, die man selbst inzwischen geworden ist, möchte gar nicht so genau wissen, was sie, riefe sie jemand zur Zeugenschaft auf, zu berichten hätten, von dem menschen, der man aus ihrer Gedächtnisperspektive einmal vor zwanzig Jahren gewesen sein soll. Solche Erinnerungen sind erfahrungsbeliebig." silvia bovenschen: älter werden.
2115 heute werden wieder die tiere des jahres bekanntgegeben. das sind eigentlich immer die schönsten tage des jahres, die tage, die sich der bekanntgabe der tiere des jahres widmen. ich glaube, an diesen tagen ist mir noch nie etwas böses zugestoßen.
2119 und dachte, hihi, schau mal, ich laufe durch die begiergasse, sah dann aber, dass es sich um die belgiergasse handelte. auch gut.
2120 "Bei solchen zu Unrecht Leidlosen entdeckt der Träger des Zorns seine überzeugendsten Ziele. Nie wird er sich damit abfinden, dass der Schmerz bis zur Unerträglichkeit ungleich verteilt ist. Von diesem Zuviel, das sich bei ihm selbst angehäuft hat, will er einen fairen Anteil an den unbestraften Verursacher zurückgeben. Er ist durchdrungen von der Gewissheit, die Schmerzlosen existierten in einem Zustand akuter Mangelhaftigkeit - zu ihrer Vollständigkeit fehlt ihnen das Leiden." peter sloterdijk: zorn und zeit.
2129 das handwörterbuch des deutschen aberglaubens gibt an, dass die niederschläge aus den wolken mit der drehung der mühle wechselten. die gewitterwolke werde als handmühle vorgestellt, die ein stößel laut stampfe. auch die sonne werde als feurige mühle gedacht.
2137 ich wurde geweckt, um nie wieder zu schlafen. / wehe, wer war das. ich merkte, auf schienen: / das ist die kritik meiner kraft. ungeachtet / seiner inneren zufälligkeit, hat das schöne / eine sittliche neigung nach außen. jedoch: / meine hungernde einbildungskraft hohl, insolviert, / wiederholt listlosen einsatz, kultus kann wegfalln, / denn die lippen wurden entfernt. alles von kant! / so lange. und länger. wird es dauern, bis wieder ansteht / natürlicherweise wie lieblicher hausbau auf lichtung: / zweckmäßigkeit plus lust im verhältnis von gunst.
2138 Oh minze, oh flieder und minze. sie haben mich mit meiner verzweiflung faustweise verballt und stehenlassen, aufgegeben im fliedrigen zentrum der minze, schon kommen die dealer. die schwirren wie wespen.
2152 und ich stand da, die hand auf etwas flachem, grünem, das war dann wohl ein billardtisch? oder ein flacher grüner flügel? vielleicht auch ein klavier? und ich sagte: you know, there is this dylan pommes toem… ich stand so schräg, glaub ich, halb links, als hätte ich drei arme, von denen einer immer im weg war, und musste ich nicht auch eigentlich gehen, weil irgendwo jemand anderes gewartet hat, aber womöglich nicht mehr länger, nur noch kurz wird warten werden…. pommes. dylan pommes.
2153 2 Geborn werden / Sterben / Pflantzen / Ausrotten das gepflantzt ist / 3 Würgen / Heilen / Brechen / Bawen 4 Weinen / Lachen / Klagen /Tantzen 5 Stein zestrewen / Stein samlen / Hertzen / Fernen von hertzen 6 Suchen / Verlieren / Behalten /Wegwerffen 7 Zureissen / Zuneen / Schweigen / Reden 8 Lieben / Hassen / Streit / Fried / hat seine zeit.
2161 beleidigt? erleichtert? beschwert? - wählen sie selbst. (alles muss man selber machen.) (ja, ja, nicht ja).
2164 "To be sure, Billy's action was a terrible breach of naval decorum. But in that decorum he had never been instructed; in consideration of which the Lieutenant would hardly have been so energetic in reproof but for the concluding farewell to the ship. This he rather took as meant to convey a covert sally on the new recruit's part, a sly slur at impressment in general, and that of himself in especial. And yet, more likely, if satire it was in effect, it was hardly so by intention, for Billy, tho' happily endowed with the gayety of high health, youth, and a free heart, was yet by no means of a satirical turn. The will to it and the sinister dexterity were alike wanting. To deal in double meanings and insinuations of any sort was quite foreign to his nature." Melville: Billy Budd
2165 dann erzählte das paar weiter von den betrunkenen, von den geretteten, von denen, die man zum kiosk habe hinstützen müssen, denen, die in der kälte auf der treppe lagen, sodass man jemanden habe rufen müssen, und da das nicht aufhörte und am nächsten tag weitergegangen sei, habe man dann eben wieder jemanden gerufen, und dann wieder, das ginge schließlich, dass man mehrfach rufe, verirrte wesen ohne fell.
2170 "Something in him, it seems, has faded out. Younger women's eyes flick past him. Privately, he closely monitors the superior preservation of certain of his friends; for if like Tennyson's woods, the friends decay, the friends decay and fall, some manage to do so with horrible grace." Denise Riley: "What I Want Back Is What I Was": Consolation's Retrospect
2173 ich war so überaus angestrengt. immerzu wollte ich heulen, aber metallisch, eigentlich rosten, so angestrengt bin ich immerzu gewesen. wovon denn der vortrag handeln solle, wollte meine mutter wissen. ich sagte es ihr. pause. "fischeanalyse und film?" - nein, psychoanalyse, psychoanalyse. dann ging es wieder.
2176 die definition von DEBRIS, wie schlüssig, klug und knapp - die entstellte sammlung. eine anmassung in drift, trümmer von objekten, davontreibend. die chaosangst ist eine funktion des akkumulierens. darin fällt die zeit, steine zu sammeln mit der zeit, steine zu zerstreuen in eins. drifting accumulatio - weder das eine noch das andere, aber von beiden, was am je einzelnen gerade nicht gut ist.
2177 liege / lüge / kühle schatten, aber nicht das gestell ist mitgemeint, liegen, erschöpft wie man in einer lüge liegen würde, und was klingt nach, die liege, die lüge, ein i oder ein ü.
2178 so ist worble, wenn er den zankenden männern im feurigen ofen als schneemann vorsteht - im anhang wird uns das so erklärt: "anspielung auf die so genannte 'grotta del cane' bei neapel, die durch ihre unerklärliche luftleere seit dem altertum berühmt war. hunde, die man in die grotte warf, erstickten nach wenigen augenblicken." Jean Paul: Komet
2179 first time CAKE IN YOUR FACE: have you ever had cake thrown in your face? oh! so it s your first time! hey! or alle cakes are arranged über dem publikum. they won't like it. nein, nur dir. nur dir den cake. zum ersten mal, danach werden wir es dann nicht mehr mit dir machen. dann haben wir es nämlich schon gemacht. vorher, so betrachtet, stets über dir zu denken: die damokles-tart.
2180 under guidance ebenso wie unter einfluss - diese wabernden gestalten und wie ihre feinmotorik stockt. wie sie ihre schultern, gegen meine richten, schwankend, wie sie sich endlich einfinden, in stumpfer präsenz, an den ohren angeschleppt und innen blind - - - - -sodass sie die konkurrenz vor dem bild nicht einmal denken, sondern nur als masse bekräftigen, nichts als masse - fremdkörpernd in der community of viewers: "The Canadian photographer Jeff Wall once said that one of the reasons he made large photographs was so that a number of people could look at a single photograph at the same time. His large photographs, needless to say, are horizontal. Rothko's paintings, in the main, are vertical, which makes it difficult for more than one or two people to look at a painting at the same time." Elderfield: Transformations.
2181 "Wenn Meta-, so muß es auch Hypotheorie geben. Es muß etwas mit Erfahrung zu tun haben. Es fragt sich, welche Erfahrung gerät unter das Gebiet der Theorie? Aber wie - 'purloined', 'verdrängt', 'zu sublimieren'? Jetzt, am Tage, fällt mir ein Krustentier dazu ein, mit orange-roten Gelenken und rot glühenden Augen. Ist es etwas wie ein Pol, der nur, wenn er immer übersehen wird, zur Orientierung dienen kann? Die Hypotenuse des Denkens; jetzt sehe ich wenigstens, wie schön d i e s Wort ist." So Lorenz Wilkens.
2183 wie in: ach, dieses untermangelte terrain, wo immer man bohrt, nichts als mangel.
2184 "He (Bion) also uses the theorem of 'Pons Ansinorum' about the isosceles triangle, and an ancient description of this triangle as "the three-kneed thing with equal legs". Plutarch had stated that the triangle rectangle can be equated to the triangulation made by both parents represented by the sides of the right angle and the child by the hypotenuse." dictionary of the work of w.r.bion
2187 ZEHNTES KAPITEL, worin beschenkt und ausgeprügelt wird - nebst der Schlacht bei Rom
Schleifenheimer nahm bald den charakter eines 'pauvre honteux' an und ankerte in der vorstadt in einer dachkammer und ohne einen andern treu gebliebenenen gast als seinen hunger; das hemde war sein sommerkleid, das bett sein winterpelz, den er selten ablegte; sein bratenrock und galakleid war ein grünseidener schlafrock, welchen er anlegte, sooft er von seinem dachfenster heraus der gasse unten mit seiner büste gleichsam einen besuch abstattete.
jean paul, aus der komet.
2189 lange nicht mehr an sie gedacht, an die trakehner pferde, beim bauer oswald auf der weide. ich kenne ihre farben. ich erinnere mich noch gut, vor allem erinnere ich mich sehr an ihre größe. wie groß sie waren, sie waren über mir, wenn ich auf der weide lag. es waren auch sehr junge pferde. eine junge herde. sie kümmerte sich nicht, junge herden haben anderes zu tun. wie lange hab ich nicht an sie gedacht.
2191 dieser apfel: intensives himbeer-rosen-aroma. hŠufig durch fleischnase eingeengte stielgrube. fein gestrichelte kerne. verwechslersorte: 'schšner aus herrnhut'.
2192 beteerter ruf? jedenfalls beschädigt. und ich dachte noch, mach das nicht, das wirst du bereuen. aber da ich sowieso alles bereue, was ich tue, macht es beinah keinen unterschied. so schnell war das ding also verschickt, so schnell war es zu spät. und etwas in mir, das eingestandenermaßen nicht ich war, war böse und belustigt, es war beides, beides war nicht ich. ich würde sowieso am liebsten gar nichts tun, aber dafür ist es leider schon zu spät. das nichts hat keine zeit. und ich habe keine zeit für nichts. für nichts ist es zu spät. (teer hat übrigens überhaupt nichts damit zu tun.)
2194 ich wurde eingedämmert. ich schaute noch, die augen restlos offen und grün wie sie wohl immer sind, nicht restlos grün, so hab ich noch geschaut, da war es drei. dann wurd ich eingedämmert. die steinige stirn, ich wollte sie legen, wohin will ich sie legen, die steinige stirn. dahin will ich sie legen. du großer großer kiesel. du großes großes kissen. (ich war so mutig, ich hätte ihn so gerne gehabt.)
2195 ja, wir packen die ganze onlineredaktion in dunkelgraue arbeitskittel (aber shiny! shiny, sagt m.) - in dunkelgraue shiny arbeitskittel, mit asymmetrischen applikationen, (mit sinnlosen asymmetrischen applikationen, sagt a.) das wird klasse. das wird endlich gut.
2197 hellebore: ancient name of various plants supposed to cure madness - they bored the hell out of me - so wird es funktionieren. sie haben einen ereignislosen exorzismus an mir vollzogen. sie haben mich in die normalität zurück gelangweilt.
2198 so Niko, im (warholschen improvisations-)schrank zu einem jungen mann, der ihr die hippie-robe, die den film lang über ihren köpfen baumelt, runterreichen möchte. nein, sie wolle das kleid nicht, das sei "a dress of evil spirit", sofort versteht man, was gemeint ist. niko, im weißen hosenanzug und halbhohen, schmalen stiefeln ist auf sehr allgemeine weise amüsiert, so als würde ihr amüsement sehr in die fläche gehen, eine sicher und gemessen vor sich hin wildernde fläche. sie spricht so pudrig und mit leicht verspannten muskeln um die lippen, nein, nicht schleppend, aber doch wie eine die beim sprechen stets die muskeln um die lippen mitbedenkt
2203 was von zauner zu halten sei, was denn? die gemüter erhitzten sich. klassischerweise. aber auch andres iss dreck. iss so. noch schlimmer. hier. das kann doch nur in österreich, sich selbst beschädigende, nachgedruckte avantgarde, nein, in keinster weise, besser ist das auf jeden fall als zum beispiel.. so. so nämlich. und dazwischen immer wieder der ruf: uffguss! und draufhin ein wedeln über dem kopf markieren und schnell anfangen zu keuchen, mit winkeligem steiß nackt und wie beschämt den tisch verlassen, als wenns die saunakammer wär, und wieder zurückkommen in die zauner-debatte mit dem neuen ruf "uffguss" - wie hat mir das eine freude gemacht, dabei war ich doch komplett nüchtern an diesem tag. wie ich überhaupt seither fast immer komplett nüchtern war. es ist wohl doch meine persönlichkeit, was andres hätt ich ja nicht, nebenbei ins feld zu führn. die zauner-debatte von anderer seite beleuchtet ann cotten in ihrem essay: "Etwas mehr. Über die Prämissen und den Sinn von dem, was wir mit Wörtern anzustellen imstande sind", worin es heißt: "Was ist los, wenn etwa Florian Voss Hansjörg Zauner liest und des einen Lebenswerk für den anderen blanker Unsinn ist, der ihn ärgert? Ich glaube, es ist das Wort Zumutung gefallen, und vielleicht würde das Zauner sogar gefallen. Es ist zum Teil einfach Punk-Haltung, die Freude an der Provokation. Aber die Provokation wird nicht nur aus bösartiger Lebensfreude für gut und wichtig befunden. Ich würde behaupten, Zauner provoziert mit seinen Texten immer auch sich selber. Ich weiß nicht, wie sie produziert werden, ob sie etwas mit écriture automatique zu tun haben oder unter akribisch bewusster Kontrolle kalkuliert sind, wobei ich mir eher zweiteres vorstelle. Fest steht, dass mit ihnen eine Überfülle an Bildern von einer Buntheit und Heterogenität auf die Lesende eintrifft, dass das, was gemeinhin Interpretation oder Verständnis genannt wird, ganz schnell unmöglich wird. Keine Hypothesen darüber, was diese Texte aussagen sollen, sind möglich, auch kann man nicht, wie man es gerne tut, Figuren, Stimmen, Handlungen, Emotionen herauslesen. Dabei ist nichts Hermetisches an ihnen, sondern alles liegt off en da. Florian Voss hat - unterstelle ich - eine bestimmte Vorstellung davon, was ein gutes Gedicht ist. Mit einer nicht zu leugnenden Vernünftigkeit geht er davon aus, dass Literatur über Verständnis, welcher Art auch immer, läuft, also dass ein Text in irgendeinem Teil von mir irgendwie funktionieren, also ankommen und sein Ding machen muss, damit ich ihn überhaupt als Text wahrnehmen kann. Offensichtlich geht es um zwei ganz unterschiedliche Definitionen von Literatur. Als Versuchsobjekt - wir befinden uns ja in der Tradition der experimentellen Literatur - als Denksparren verstanden funktionieren die Texte. Sie erfüllen nicht Kriterien eines Funktionierens in einem engeren Sinn von Kommunikation, oder von Kunst in einem - man könnte es spitz neokonservativ nennen - Sinn von Aufwühlen und emotiver Schönheit. Ich kann mir vorstellen, dass Zauner darauf antwortet: Erfüllen? Leck mich!" zitatende. so in: BELLA triste: sonderausgabe zur deutschsprachigen gegenwartslyrik. nummer 17. frühjahr 2007. mit € 8 sehr preiswert.
2205 scheint mir also, schrieb ich, dass die welt auf null beruht. die eichel schleift. weswegen ich die hohen schuhe trag. das ist der einzige grund, nicht anmut ist grund oder optische verlängerung der beine, nein, es ist die schleifende eichel. sieben zentimeter minimum. ich spreche: absatz. aufgebockt aufgrund bestückung, so der terminus der krankenkasse.
2207 ehrlich. ich lauf mit meinen wanderschuhn und dann schau ich und dann lauf ich. es ist sehr gut so allein zu sein. und mit den schuhen laufen und schauen - und dann am langen end gehts mit der seilbahn wieder zurück, das heißt hinab. ein zahnloser alter fragte mich heut: AUFFA? sach ich: Jaha. saGt der zahnlose alte, mit tirolerhut, schürze und hoch aufgewachsen wie der übrigens gewesen ist und ledern, wie ich jetzt auch werde, doch noch immer aber zahnlos, ein zweites mal: AUFFA? sach ich nochma: JAHA. und dann ging ich auch auffa. das war lange, lange das einzige was ich heute sagte, bis jemand anrief und die ganze schöne reduktion zur nichte macht.
2208 irre, das dachten viele, ausgehen in moabit. im cafe arema saßen wir am großen tisch. wie hatte ich mich empört, ja ein gitarrensolo aus kritik, mutwill und empörung, über die aus albernem, so dreist-wie-dumm intensivistischem anlass in den text hineinragenden best-of-folterszenen, anlässlich einer hausversteigerung im berlin des jahrs 2000 - hallo? wie meinen, wohnnnunggssmmmarrkkt isse enttespanntee inne 2000? zeig mir einer doch bittschön davon den sinn und ich will gern und klein beigebn, keiner konnt es, der ganze tisch konnt es nicht. entgeisterungszapfen für den effekt. so geht das nicht. ich warf das buch weg, weg, weggeworfen und ging so weit zu schwörn, dass ich - -- werde alles tun, seine chancen zu vermasseln. basta. (über diesen abend ließe sich im übrigen weiteres sagen, was ich hiermit nicht tue, gut so, kommentiert der verantwortliche redakteur an der nachrichteninsel.)
2210 oh so ein höhnischer regenschauer. oh on the frontporch oh schauerhohn sleep tide. oh lonely lovely in between my dörty hutt, aint that jang anymore, so show a little faith study your pain throw irgendwas in the rain, roll down the window lett the wind spieln mit deim haar und mach es, letzte chance, mach es real. oh come take my händ, ein korb, drinn iss ein versprochnes land, oh schauerhohn, schauerhohn, vielleicht wenn wir rennen täten, sit tide, nimm alles schauerhohn.- und ich hab das ding und hab ihm sprechen beigebracht… frontporch frontseat - lohnly hier für worte, die ich aint spoken, ausgebrannt a straßenschrei, oh nach wann? thunderroad, schauerhohn. schauerhohn. schauer hohn. schau er hohn. schau. schau. schau. schau. er. hohn. sleep tide.
2217 zum kubismus, zum rhythmus der dinge: "Das herausstellen und verkanten unterschiedlicher blickwinkel als fläche auf einer fläche, die so vervielfacht, als bildraum zu einer vielzahl räume entfaltet, verflacht wid (difference is spreading), schafft bewegtheit, übersetzt bewegungen des malers, bewegung im/in raum, die dem bild eine dimension zufügt: zeit. übersetzt bewegung als rhythmus: dem objekt steht kein objektiv gegenüber, kein mechanischer takt für den allein zählbarkeit zählt: ein subjekt, bewegt und teil der bildwelt, schafft variationen eines sujets. (Braque zum beispiel, mit dem ihm eigenen humor, zerlegte gerne metronome.)" so barbara köhler in ihrem nachwort zu ihren stein-übersetzungen: zarte knöpft. und kurz drauf, das stein-zitat: ACT SO THAT THERE IS NO USE IN A CENTER. und ich denke hinterher, weil eben noch darin geblättert, in: wie zusammen leben: auch das ein fall von idiorrhthmie, und stelle mir die einzelteile vor. eine andere frage: das noch funktionsfähige metronom: tickt es oder tackt es? es macht auf jeden fall nur eines davon.
2219 2219 die innere gesprächigkeit der fixation
sollte denn nicht das Gehen mich retten, so war es gedacht. denn nach langen stunden des voreinandersetzens, auf wegen, die immer bergan gehen, auf federnden böden, bei lichtwechseln über kaum begehbaren pfade, sollte sich etwas ergeben, ergeben, von alleine, wie eine hand, die sich mir öffnet ohne befehl. ich denke: hin zur gradlinigkeit. die wirrnis werde linear in der erschöpfung, das denken finde dann eine andre frequenz, senkte sich ins tiefe, dunkle, weiße. mit fast farblosen augen käme ich wieder ins tal, im spiegel daheim schaute mir gleich ein ganz anderer mensch entgegen. die weichen augen liegen auf der luft ohne gewicht, sie sind aber am kopf noch befestigt mithilfe eines in sich geschlungenen bandes, ovale innenlegung, nicht faltung. (folie: die schematische darstellung von blutkörperchen, verstehen Sie jetzt, was gemeint ist und wie?) es kam anders. denn, das ist leider zu festzuhalten, verstummte nicht: die innere gesprächigkeit der fixation, womöglich weil sie zu ersticken als geste dem gehen konträr wär. auf mich selbst angesprochen, wollte ich mir diese reflektierende mühle verbieten. laut sagte ich es mir vor und hörte meine stimme, eine kinderstimme, "lass das" sagen. oder: "hör auf darüber nachzudenken". folgende gedanken (banale komplexe nein banane komplexe) wurden im lauf langer wege verboten: der stiefelgedanke: wenn die weißen stiefel, diese weiße, lose spätform eines cowboystiefels in meiner größe da wären, wenn also diese stiefel passten, welche neuen kombinationen von kleidungsstücken würden sie mir ermöglichen? wann trüge ich sie, auf festivals, wie käme ich damit in ein foyer, in dem andere bereits warteten oder frühstückten? wer wären die anderen? würde ich geliebt? berührt? regnete es und sähe ich später aus dem fenster eines zimmers, das nicht meines wäre, in der nacht in den regen hinaus, und wendete ich mich dann wieder jemandem zu, der ausgebreitet, handwarm mit mir in diesem fremden zimmer wäre, läge, da wo decken wären, letzter lichtschein? schließ die fenster, komm zurück? was aber wenn die stiefel nicht in meiner größe (verboten) der betreffende personengedanke: wenn ich auf der messe diese betreffende person träfe, die, berührt von meinem schwärmen eine sehnsucht in die berge sich erfände, nein, sie einfach wiederfände und mit mir. wir, flucht vor freunden, lachend, an ecken versuchsweise angepackt, dann später innig und voll mut, einfach und verwegen, dann noch später, in den zug mit mir, ich mich aber vorher informieren müsste, ob das ginge, diese zweite person mitzubringen, in mein zimmer, müsste telefonieren, mich erkundigen, dann müsste das zweite bett bezogen werden, könnten sie das zweite bett herrichten, würd ich fragen, ich hätte im folgenden wein da, und dann gleich am tag darauf, das wäre der sonntag, würde die betreffende person mit mir auf diesen wegen gehen, würde höher gehen, und ich versicherte ihr, ich wolle ja nichts, alles sei leicht, sonnengetrocknetes holz aus dem innern des stammes, so leicht, in meiner tasche. doch immer wieder durchquert von (ein stumpfes schwert) dem gedanken, dass ich ja nicht wissen könne, ob ich die betreffende person auf der messe träfe, und wenn ich sie träfe, ob die person nicht vielleicht inzwischen vater oder verheiratet oder beides oder nicht alleine oder unter terminen oder einfach aus anderen gründen nicht gewillt mir zu folgen, und warum ich damals nicht von der nummer der betreffenden person gebrauch machte und mir zu antworten, dass damals ich eine andere und wie umstellt von trauer, eine palisadensiedlung.. dennoch so hoch und wuchtig der gedanke und der wunsch, nachdem all dies bedacht mit der person nun hier zu gehn auf diesen wegen und einfach zu sein wie ihre verse und älter zu sein, so alt wie sie, die person, wie ich innerlich, so gehend, dann würde, wenn aber (verboten) wirre grundgedanken / divers-einsam: welcher art sind die inneren beziehungen der familie, die mich hier betreut. wie ist die stärke verteilt und wer leidet? ich kann es nicht wissen. oder: bin ich noch ein guter mensch? wo steht meine gier und wie? oder: warum habe ich nur damals dings darauf hingewiesen, dass ich währenddessen mit dem haar im unrat lag? warum? oder: sind meine schuhe zu klein? stoße ich mit den zehen an? oder: wenn mein überbein am rechten fuß verhinderte, dass ich immer weiter gehen könnte so wie ich eben gehe und es schmerzt schon, dann verhinderte mein überbein eine identität, die ich gerade erst entwerfe, waldgängerin, mit der ich, auch wenn ich allein und für immer ohne kinder blieb, mein leben mir betrachten könnt und sagen: gut, aufrecht und die haut im gesicht werde ledrig, ich ginge auch noch mit weit über sechzig so wie ich jetzt gehe, ich habe nun den plan anderer schenkel begonnen, aber wenn das überbein, dann das überbein, was ist mit operieren, ist das überbein... was aber, wenn ich, auf der messe, was ich nicht wissen kann, und nicht mit mir kommen will, oder wollte, doch nicht könnte, weil so wenig zeitgemäß mein antrag, oder ist auch gar nicht da, oder ist da und ich kann ihn nicht treffen, werde nicht anrufen, anrufen? mich melden, woher ich denn wisse, die nummer, wie konntest du nur damals am tisch und da warst du ja sogar so nüchtern, was war nur mit allen in diesem moment, die mit ihren handys, im austausch, was war nur da in gedanken mit mir und - hör auf darüber nachzudenken, wenn aber die weißen stiefel nicht passen, was heißt das für foyer oder frühstück, oder dass es mit sicherheit nicht richtig ist, eine andere person so über ihre funktion hinaus zu vermissen, würde ich das nächste mal, wenn ich wieder da bin, vielleicht weitere stücke ablegen, wäre das, bin ich noch ein guter mensch, ich sehe ein lächeln, schräggestellt wie ein dia in einem raum geleeartiger bindung, dass die funktion übererfüllt wird, also korrupte funktionsbeziehungen zu meinen gunsten, stammkundenschaft, das ist also das, was ich gerade noch kann, gute behandlung und bereit sein, etwas dafür zu geben, geld, ganz leichte überbietung des nötigen, ja, das ist was ich gerade noch kann, wenn aber, und die stiefel nicht in meiner größe, der bund des rocks mit den weißen streifen, und ich die betreffende person vielleicht gar nicht, das würde mich retten, mitnehmen könnte, außerdem sein hals als marker des alters, den ich, rot, ja rotblau, also lila? etwas dünn, doch, doch, es wäre innig, aber warum immer diese schlecht getimeten attraktionen? warum nicht attrahiert, als man mir seine nummer, warum jetzt, warum überhaupt, und bald nicht hier alleine hier (wenn, jedoch, nur wenn) wäre es nicht möglich, den text noch zu schreiben. das heißt, ich käme dann auch nicht mehr dazu, den schwab fertigzulesen, den agamben, und gedichte der schmidt wollt ich doch noch bestellen, das alles wäre dann vielleicht unmöglich, es sind ja nur noch wie viele tage sind es denn, und die angstminiaturen, die müssen gemacht sein. und zu schreiben wäre etwas für die miete, die miete eines neuen hauses, oder wie es heißt bei brecht: zu verachten seien die, deren kopf es nicht gelänge für den körper aufzukommen, damit er es warm habe, dass er satt sei und trocken. warum aber bin ich so nicht ernstzunehmen? warum habe ich versäumt als, dachte es sei monolithisch, hätte damals der dramatiker, was hab ich nur gedacht, als ich ihm (verboten). warum denn denkst du nicht das licht? den wald? die markierung? die wege? denke die wege. denke nichts als die wege. denke das licht. denke nichts als das licht. nichts als das licht. denke die wege. denke die wege. denke das laub. denke strukturen. denk den ast. denk alle äste. kastanien. esskastanien. mein bruder. frau halter? nicht frau halter. wenn aber. (verboten). jemand sagte noch am telefon, man müsse schneller gehen, dann ließe die gesprächigkeit ab, von mir ließe sie ab, würde durch erkältungen, durch keuchen oder dergleichen ersetzt. wie ist der tausch? der tausch ist gut slash schlecht.
2221 "Es ist freilich eine schöne Landschaft mit Kanten an der richtigen Stelle, mit Vertiefungen, die nicht an offene Gräber erinnern, und mit sanften Erhebungen, die keine Grabhügel in den Menschen wachrufen. Es ist ein von den Menschen befreites Land, es ist ein ausgestorbener Landstrich ohne Leichen. Baumriesen erzeugen einen herrlich sinnlosen Schatten. Wahrscheinlich gibt es Tiere im Land, aber es gibt keine einzelnen Kreaturen für das Auge, nur wie Rinnsale sich bewegende Herdenverdunkelungen in einem steppenförmigen Abschnitt. Der Tod ist tatsächlich ausgewandert wie ein Mensch, der sein Glück machen will in Amerika." Werner Schwab, aus: ÜBERGEWICHT, unwichtig: UNFORM.
2222 das war so, irgendwie brechtisch. was passiert in der erschütterung mit dem poetischen vermögen, was ist dann der therapeutische anteil, der so deutlich und nicht immer zu begrüßen auf den stil zugreift. da denkt man schon, man sei radikal, wenn man etwas weglässt. wohl weil man gelernt hat, wie schmerzhaft das ist, sachen wegzulassen, oder weggelassen zu werden, wie schmerzhaft, deswegen denkt man sich das radikal. wie aber kommt es dann noch zum reim? (glück und unglück der wiederholung? ein dumpfes spiel, aber das erste spiel nach dem weggelassenen. das wäre auch das unbetrauert tödliche, also ein erstes spiel mit der übereinstimmung immerhin? daher also der reim? ich verstehe es, nur kann ich s noch nicht sagen.) das kann einem äußerlichen sich so nie mitteilen. ich aber sehe es genau, weil es mich so erinnert an die dinge, die ich schrieb, damals, alleine gelassen in den bergen im letzten spätsommer, als ich vorübergehend invalid vor liebe war.
2234 und stieg an der alm empor und wusste plötzlich, was es noch brauchte, das gedicht von orpheus, eurydike, bambi und chappi - es brauchte unterirdische berge! es brauchte riesenhafte, stockfinstere einkaufsbeutel, gigantische! es brauchte den tiefen schlund der reisetasche, den stockschwarzen innen hohlen, bepackbaren, kosmisch beutelnden sog. ho ho ho.
2235 jemand sagte: primaten und L. antwortete: bremer stadtmusikanten? wer mit nicht mal vier jahren so dicht hört, so schnell denkt, das im wort verborgene wieder hervorruft und breitet - der wird sicherlich wieder und wieder auf kleinstem raum versteckte fülle finden.
2236 im zoo trabten diese worte heran, gemeinsam, das eine dem andren ein luftiger käfig und dann wieder umgekehrt. puschelhufer! du puschelhufer frühgeblüht! schrie ich dem tier entgegen, das tier aber war schwer, das tier war mit sicherheit schwerer als ich, schon allein von der masse seiner puscheln und den oberschenkeln her, aber dem tier den puschelhufer entgegenzurufen, das war wie mit beiden händen in seinen puscheln zu sein. mit frühgeblüht wurde ich dann wieder zum ausgang geleitet, frühblühend aus einer sehr massiven fixierung hinaus.
2237 in der tür, stand- und spielbein, leicht eingeknickte eleganz, die lässigkeit von hüfte und taille gegeneinander gekippt, einen morgendliches imbiss in der hand, quadratisch, ein stückchen brot darauf butter, und unten der hart hechelnde mops, der schwarze, zu dem sie sagte, mit so fedrigem spott, so süß, so voller morgen so hell, so also sagte sie zum schwarzen mops: du siehst hier wohl ein hypothetischen häppchen. das war so schön. so leicht. das war leichter als luft. das war in der schwebensten schwebe, das schwebte.
2238 das lob das uns traf, traf aber nicht unsere vordringlichsten eigenschaften. da regte sich keins stolz nicht. sockenschusslorbeer, so brachte es A. auf den punkt.
2241 halluzina rinck und schwanzluigi kösters auf dem oberdeck des oceanliners mandy. nein falstaff. nein mandy. nein falstaff, nein mandy. nein nein nein nein (albern) und sagte, du ich hab dir ein pferdchen gekauft, liebes. es ist eine traute plauderei, in der so lau der wind geht und kecke kellner cruisen. in den mägen aber gärt das obst. mein blick ruht zärtlich auf der szenerie, durch ein objektiv besehn. ich hätte sie wie junge birken fällen sollen, so schön warn sie, mit ihrer weißen haut und ihrem schwarzen haar. halluzina. o halluzina, hilfsmittel brauch ich nicht. ich bin ganz da. schwanzluigi aber reibt sich dotter versehentlich ins tshirt. es war nämlich so ein früher, überfrüher aufgeblühter morgen, es war frühstückszeit. das geht nie mehr raus. königsmöwen hießen diese großen dinger, kommt schwanzluigi aus der deckung. er tut dies um abzulenken. lass uns in die kabine gehn. doch die schuhe waren eng, so eng, dass es im mund metallisch aufstieß. wie in einer eisenhandlung. oder auf einem jazzkonzert in polen.
2243 langsamer intensivismus, der nicht zum ziel kommt und auch nicht zum ziel kommen will - da denk ich sogleich: wir wollen sie legen, die therapeutische sprengung. wir wollen sie in betrieb setzen. wir wollen sie starten. und zwar sofort. (der rest kann weg.) (und das bolero-jäckchen weht als fähnchen über dem bombodrom).
2247 vom übersetzen. das ging natürlich nicht. es ging ebenso wenig wie die abenteurerin den abenteurer, wie wilde frau den wilden mann, wie räuberin und gatte. und die antipoden? hesiteur und hesiteuse. das leuchtet ein.
2254 mir träumte, mir träumte, es hatte mit vergebung zu tun und mit falschen wimpern. es war wie eine weite gerätschaft. es ging über die ganze fläche. es hätte aber auch etwas anderes sein können. aber es war etwas mit wimpern. es waren aber soweit ich weiß keine polnischen wimpern. mir fehlt ein teilstück. mir fehlt ein maßgebliches teilstück zur decodierung der gerätschaftsweite. vergebung. wimpern. will ich näher heran, sehe ich nur mein bett vor mir, als ort des gedankens. das ist natürlich eine sehr wirksame form der verstellung. da hab ich gleich das bett davorgestellt, der schrank allerdings wäre als einziges möbel noch schwerer zu verrücken gewesen, doch im schrank fand dieser gedanke nicht statt. daher das bett, das ihn verstellt. ich werde nicht zur wimprigen vergebungsgerätschaft gelangen, weil das bett davor steht. aye. aye. aye.
2255 ein haarriss durch den verkommenheit eindringt. kaum spürbar. minimal. aber verkommenheit ist es doch. die liebenswürdigkeit ist geblieben, sie rammelt jetzt nur, irgendwie ohne ansehung der person.
2265 ich hatte solange nicht salinen an gedacht, bis mir freundlicherweise dieser verleser eines worterkennungsprogramms - saline für sühne - übermittelt wurde. salinen. die salinen in bad kreuznach. dort fanden kanuwettkämpfe statt, an denen ich teilnahm. und finden womöglich immer noch statt, nur dass ich daran nicht mehr teilnehme. und zwar auf der nahe, die floss durch den dortigen kurpark. anbei standen die salinen. gute luft. salzige ablagerungen. darum ging es doch. vor wenigen monaten sind sie abgebrannt. (oder hab ich das nur geträumt? ich finde keine belege.) saline, sühne, man wandelte auf halbhohen galerien an künstlichen wänden entlang, kulissen, nur dass im unklaren blieb, wozu sie dienen sollten, so klipp und klar in die landschaft gestellt. sie dienten der luft. das salz künstlich in die luft verbracht, die saline von oben berieselt, der hochgestöckelte reisig darin, in diesen provisorischen mauern - denn das salzige wasser rieselt von oben über reisigbündel, um zu verdunsten, das salz freizusetzen. dann denke ich an die strafe am ende vieler märchen: und wurde auf hundert reisigbündeln verbrannt. wobei ich als kind immer verstand: und wurde auf hundertdreißig bündeln verbrannt. was ich ohne weiteres hingenommen habe. saline und sühne. die tatsache der salzigen tränen, sie rieseln, die sühne, die saline. und das alles noch im bier und jetzt? was soll man dazu sagen.
2266 gewinnerbegriffe beim scrabble? zur abwehr eines fluchs schiebe man den unterkiefer nach vorne, unter zuhilfename der halsmuskulatur, rücke also die gesamte kinngegend dem gegenüber entgegen, wobei man, wenn man diese bewegung korrekt ausführt, ein wenig an größe verliert und stoße dann zwischen den zähnen die atemluft so hervor, dass sich ein geräusch ergibt, das nicht leicht zu transkribieren ist: khhkhchuhhhhhhhh.
2269 selbstverständlich ist das flugzeug dennoch plangemäß in stuttgart gelandet. und ich stocherte in gemischter erschütterung zum zielort, geleitet von systematischer wegweisung, good graphics, man kann sich dort wirklich nicht verlaufen. doch nebenbei erzeugten alle werbekampagnen, die meine wahrnehmung streiften, unwirklichkeit. ich hätte die ganze welt notieren können, denn die welt war so überaus seltsam. die welt, zu diesem zeitpunkt, war allerdings stuttgart. umso erstaunlicher also der oben beschriebene effekt.
2275 wie diese sucht ermüdet, wie diese sucht, so hochgerüstet wie es die steigerungslogik der sucht erfordert, noch die ermüdung ermüdet. wie die ermüdete ermüdung letztendlich in einen depressiven minnedienst an der welt mündet. wie die darein gemündete ermüdung sich schleppend und überschusslos verausgabt, das heißt, sich auskippt in eine noch müdere ermüdung. wie diese ermüdung eine fiese, wie amputierte und hilflose dankbarkeit hochspült, die ohne arme, die sie nämlich nicht hat, rudert und sich doch bedanken will, sich bedanken will und nur einen kanon aus schuld und aus dank hervorbringt, der sich stets wiederholt und auf der subdominante endet, um wieder zu beginnen.
2278 über fremdsprachige speisekarten gebeugt war dies die übersetzung von nummer 2277. und presste mit beiden händen den rindermuskel auf die möbel, um die garzeit zu verringern? eine art mechanisches garen, wie man es auch andernorts beschrieben findet.
2279 es war warm, es war sehr hell. lindenduft hatte sich über das viertel gesenkt, die linden dominierten die nacht, sie dominierten einen der sinne, freilich dämpften sie nicht die tonspur dieser stadt. es war, als wollten die geräusche sich selber, in dieser atmosphäre aus lindenduft, zu ihrem recht verhelfen, durchaus konkurrent. es war warm, es war sehr hell und eigentümlich, dass ich mich in bukarest nicht einmal verlief - der schritt dieser stadt moderat - andante ma non tanto. ich weiß allerdings nicht genau, ob das stimmt. es wurde mir nur kurzfristig, im gehen, so übermittelt.
2281 eine traubensaftschorle, bitte. nein, das ginge nicht. aber Sie haben doch traubensaft? ja. haben Sie auch mineralwasser? ja. aber das schmeckte doch nicht. und sie sagte: bringen Sie einfach beides, ich werde sehen, was ich daraus machen kann. ja, in deinem teuflichen chemielabor, sagte ich. eine freundliche schweizerin am nebentisch erklärte, dass die schorlen ja erst mit den deutschen einzug in die schweiz gehalten hätten, und eine apfelsaftschorle sei ja noch vorstellbar, aber traubensaftschorle? man müsse verständnis haben. worauf wir etwas aufgekratzt das baldige eintreten der gulasch- und käsefondueschorle ankündigten, was die schweizerin mit leichtem lachen, ihr begleitender schweizer eher gequält zur kenntnis nahmen. und in meinem kopf regte sich noch eine weitere steigerung, die ich natürlich verschwieg, die ich ohne jede frage verschwieg, die aber, da sie noch immer lebendig ist, nein. das ist ganz falsch, aber etwas hat humor. nein.
2285 ein problem zu lösen. der in "metaphors we live by" zitierte koreaner, war es einer?, der den begriff der problemlösung für eine starke metapher hielt, eine metapher aus der chemie: ich habe in diesem behältnis eine lösung, in der die probleme umherschwappen. finde nun also die ausreichend saure oder sonstige atmosphäre, in der sie sich lösen. dann kippe den sud ab. to solve sei aber auch die befreiung eines schiffes vom land. so kamen wir zur sintflut. der regen, er steigt, eine flut, in der die probleme sich lösen sollen - es reut mich, dass ich den menschen gemacht habe, denn das gebild der planungen seines herzens ist böse von grund auf, alle zeit. das dichten der gedanken seines herzens ist böse. all sein dichten und trachten ist böse. muss der mensch nun entfernt werden, weil er ein schlechter dichter ist? cogitatio des herzens, angespannt zum bösen, dem bösen eingespannt? ausgespannt dem bösen? et cuncta cogitatio cordis eorum non intenta esset nisi ad malum omni tempore, nicht das herz, nicht die planungen, sondern das gebild der planungen sei böse. festdrücken, ab- und ausprägen, formen bilden - das ist das wort. dasselbe wort wie im ebenbild, im ebenbild gottes. problem der neurasthenischen ähnlichkeit? anxiety of influence? bilden heißt es, doch wo ist der rohstoff ihres bildens? haben wir es mit fehlverknüpfungen des gedankens zu tun? die sanfte art, wie ein ding ein anders bestätigt, wird sie durcheinander gebracht? und was ist die strafe dafür? ertrinken oder erzwungene klassifikation ist die strafe für das falsche bilden des herzens. gegen die paranoide mischung, die der gleiche horror ist wie der zwang zur kategorisierung. also wurde auch noah bestraft. seine strafe war der zwang zur kategorisierung und selektion aller tiere. die strafe ist also auf beiden seiten. zur versöhnung: wann gewölk - ich wölke. in meinem wölken geschieht wolke. oder: und wenn es kommt, dass ich wetterwolken über die erde führe, so soll man meinen bogen sehen, in den wolken. wenn ich ein gewölk über die erde führe und dieser bogen im gewölk sichtbar wird, so denke ich an den bund zwischen mir und euch und allem lebendigen, das seele im fleisch hat, und lasse die wasser nicht mehr zur sintflut werden, um alles fleisch zu verderben. and it shall come to pass, when i bring a cloud over the earth, that the bow shall be seen in the cloud. oder: Chaque fois que j'accumulerai des nuages au-dessus de la terre et que l'arc-en-ciel apparaîtra. oder: Lorsque j'assemblerai les nuées sur la terre et que l'arc apparaîtra dans la nuée. oder: et il arrivera que quand je ferai venir des nuages sur la terre, alors l'arc apparaîtra dans la nuée, die wolke, die an die katastrophe noch erinnert und dennoch ausgang aus ihr ist, sie bleibt mimesis der katastrophe. halten wir fest: das gebilde seiner herzensgedanken war böse - der outrierte falsche eifer. zu diesem zusammenhang eine weitere anmerkung von lorenz wilkens, mit dem gemeinsam all diese gedanken eines abends entwicklung fanden: "Übrigens noch zu dem Gewölk (Gen 9, 14): Ich habe im hebräischen Lexikon nachgesehen und gefunden: Die Wolke heißt anan; das Wort geht auf ein Verbum zurück, dessen Grundbedeutung ist: entgegentreten. Jetzt zitiere ich das Lexikon: "und, da aus dem Begriff des Entgegentretens sich der des Zurückhaltens, Hemmens ergiebt, anah II eig. zurück-, niederhalten." Die Verbform, die Buber und Rosenzweig mit "Wölken" wiedergeben, nennt man "Pi-el", d. i. ein intensivum. Mechanisch würde man übersetzen: "in meinem Begegnen- und sich Zurückhalten-Lassen der Wolke (des Begegnenden) über die Erde hin."
2291 verfahren - als der bezug gekippt ist, dastehen wie ein kind, das sagt: ich mach jetzt nicht mehr mit. dabei wars doch so ein schönes spiel gewesen. was ist denn passiert, mein liebes, süchtiges bisschen liebe, mein süßes, süchtiges bisschen. so süchtig, so süß. wenn das nicht gut ist, müssen wir eben die sprache dehnen, damit es doch noch geht. wie groß die fläche ist, die ich brauche, wenn ich die sachen an den angeln nehmen, heben will? brauch ich einen hebel, einen helm? sollen verben helme tragen? wir könnten was am körper aktivieren, indem wir unsre muskeln reizten. jedes einzelne gelenk ward (ward mit Helm) so ausgelöst: karkasse. ich bräuchte ein noch kleineres messer. komm wir lesen nach und sehen wies die andern machen. ich hab nachgesehn. sie machens mal so und mal so. sie klappern grenzsüchtig mit ihren gefühlen.
2292 ja, das sind gedichte, wie wir sie hören wollen. ich sehe das breite kreuz des dichters, ich sehe die unzerbrechlichen handgelenke, ach, ebenso schmal wie stabil, der dichterin. um uns krankzumelden, hatten wir sie einst auf die kante gelegt, doch wie wir uns auch bemühten, ein bruch gelang uns nicht. leicht beschämt, sowohl wie nicht unwesentlich erleichtert (ich) haben wir dann doch dem sportunterricht beigewohnt: seilkür. da mussten alle mädels durch. und das war weitaus schmerzhafter als das, was wir uns antaten, um als unpässlich zu gelten: for your eyes only, heulte das abspielgerät in der turnhalle, während wir das seil in bewegung setzten und uns in grazie übten. "ihr kommt zu hart auf, ihr kommt alle zu hart auf, das gibt abzug", bemängelte frau soundso. "das vollkontakt-jahrzehnt der literatur, die wehtut", so ulf stolterfoht. hör zu, liebs blümelein, anmut sei dein wedeln, beherrsche auch das seil mit leichtigkeit, mach es dir zum gliedmaß, naturalisiere es, geh ohne es nicht mehr aus dem haus. "und nutzt die ganze halle, bitte." mais, mais, mais: der quatsch, den du machst, ist einfach nicht existenziell. da regt sich widerspruch. dass alles sich im schmerz erweist? und tauscht den blick und tauscht die klinge? rausch der dinge? zwillingsfinger? sticht die spindel? frage an die fraktion-die-sich-weh-tut: ist das schon das geheimnis? aber nein! gleich trifft der vokal. oder auch mal die kür mit keulen. und der reim knallt in die hürden. schleudersitzgemäß, der vers. autoreifen autoreifen autoreifen.
2294 souterrain. davor auf der straße sitzen im seltensten fall, meistens aber knapp unter der erde darin, wobei, unter der straße. nein, unter dem haus. unser vergnügen besteht nicht unwesentlich darin, meistenfalls die einzigen gäste zu sein, was ebensogut anlass zur sorge geben könnte, und es zuweilen auch tut. dann trinken wir mehr als wir sollten und zahlen mehr als es kostet. rasenartige weine. und wird unser halb-publikes gespräch sorgfältig untermalt, halten sich aufmerksamkeit und diskretion die balance, sitzen wir an der bar, immer an der gleichen stelle, (ich kenne die macken im marmor, ich könnte sie aufsagen), taucht er unter und bringt eine weitere flasche, werden wir wahrscheinlich wohlgemut. ich sage nicht, wo es ist. denn wir wollen dort weiterhin die einzigen sein.
2303 the mad hatter: was nimmste? ich nähme dann wohl ein kännchen kaninchentee. ach, die pfötchen. die sehnigen pfötchen, getarnt in pelz und lufthauch. es zieht. ein winziges niesen. das tässchen, das kännchen, trinken sie doch kamille, sie müssen so niesen, kaninchen, höhnt the mad hatter. oder wie es die treffliche frau eichwald unlängst formulierte: ich hase meinen stall. da kann ich nur zurückgeben: auch ich bin voller has. auch ich.
2309 wir wanderten, kurz zuvor hatten wir gelernt: in der lautgestalt werde die womöglich ähnlichkeit ausgeweitet. das meinen einige. der sound ein echo des sense? beträchtlich der evokative wert von lauten. nur dass das gar nicht so sei. beispielhaft, doch schon diffus: komme alles hinzu, in prießnitz' premieren gedicht, und ich erinnere mich nicht so recht, multiple speicherausfälle, die ich in jüngster zeit immer häufiger erleide, ich kann beim besten willen nicht mehr sagen, wie es wirklich war. nun, es war etwa so: eines wurde im verlauf der interpretation durch austausch zu etwas anderem, nämlich zum weiblichen geschlecht. oder sei es, ganz heißenbüttelisch der reißverschluss, der weder über die konstellation noch über die permutation zu rechtfertigen sei? oder ein tölpelhaftes sexuelles sich-betätigen als erotikon in sprache? auf unserer anschließenden wanderung stießen wir auf aufgegebene, verlassene latschen. wieviel schritte es wohl bräuchte, bis wir von den latschen wieder bei den besagten teilen wären? wenige. latschen. schalatschen. schamlatschen. schamlappen. schamlippen. voilà. das war nun wirklich nicht schwierig.
2312 "WENN ICH DOCH NICHT MIT SO UNHEIMLICHER SICHERHEIT WÜSSTE, welches nervöse Schicksal Ihnen bei Ihrer Lebensführung und Arbeitsweise bevorsteht ... Sie haben ihre NACHTARBEIT >>eingeschränkt<<? - und DAS soll etwas helfen? Sie reisen >>zur Erholung<< (!!) nach Paris? und DAS - die Cur der Übermüdung durch neue REIZE - hat (erstaunlicherweise!) NICHTS geholfen? Glauben Sie mir: ich kenne den Bohème-haften Reiz Ihrer >>intensiven<< Lebensweise RECHT WOHL, - aber wer sie in IHREM Alter (der Adressat ist 33, M. R.) noch weiter führen will, der muss in der Welt allein stehen und jeden Augenblick, wenn der unvermeidliche Collaps kommt, aus ihr gehen können - unfreiwillig oder auch freiwillig, - ohne dass er Jemandem dafür Rechenschaft schuldete. lassen Sie in Jahr lang ALLE auswärtigen Vortragsreisen, ALLE hastige Arbeit, liegen Sie JEDEN (jeden!!) Abend um 9 1/2 Uhr im Bett, gehen Sie zur Erholung im Sommer AUSGIEBIGE Wochen OHNE Bücher (ohne ALLE Bücher!) in den einsamen deutschen WALD (Spessart: Pension 3-4 Mk), - DANN wissen Sie nach einem Jahr, WAS Ihnen an Arbeitskraft-Capital noch geblieben ist, werden die Sicherheit Ihres gesundheitlichen Selbstgefühls wieder haben und erfolgreich arbeiten können, insbesondere genau wissen, wie VIEL sie arbeiten können. Aber nur dann. ... Wenn Sie aus Vorstehendem weniger die Anteilnahme des Freundes als die Besserwisserei des >Nerven-Experten< hören, sio verzeihen Sie - man MUSS sich von Zeit zu Zeit die Wahrheit vom Halse sprechen." so max weber 1908 in einem brief an robert michels.
2314 "bitte, liebes herz, versuche es einmal mit brom!"
2317 jetzt fühlst du dich verantwortlich. nein, du fühlst dich nicht, daher auch nicht verantwortlich. du willst beziehungen. nein, das willst du nicht. du willst wie an den alten ferienorten regeln, welche die lautstärke der gäste betreffen. nein, das willst du nicht. nehmt den menschen ihre handys weg! nein, lasst sie ihnen. du willst nicht schon wieder alles neutralisieren. man braucht kalk dazu und eine tonne. hast du eine tonne? nein. wie oft hast du in diesem jahr von vorne angefangen? hundert mal. die tonne wär jetzt da. ich brauch die tonne nicht. ich lass jetzt alles wie es ist. es wird schon richtig sein.
2318 wir stellten fest: wenn der gipfel herpes hat, bekommt ihn der himmel auch. dann ist er mehr als bewölkt. am himmel platzen die bläschen. wie der himmel den gipfel bezwingt, wie das dem himmel gar nicht gelingt.
2321 drei leit, dry light, twilight, drei leute in der mischungszone. lichtgemisch, es dunkelt dich, stellt ihr jetzt euren kragen auf? ja, sie stellen ihre krägen auf, sie sind zu dritt im lichtgemisch, flutlichtgemisch to be precise, in betonierter weite. dreileit seh ich auf einem leergefegten parkplatz stehn. sie haben gewartet, sie warten nicht mehr, jetzt tun sie nichts andres als stehen. sie stehen vereinzelt, sie werden gedimmt. irre, diese betonierten flächen und so eigenartig nutzlos, jetzt wo es keine autos mehr gibt. jetzt spüren alle die brutalität. nur kommt das ein wenig zu spät, denn die tiefe ist für immer verloren. soeben. so eben. (ein wort wie "klatschen".)
2323 in der übersetzung von nicholas grindell:

what the dog sees
what the dog sees when the dog sees me.
the dog sees me as the wallpaper of his bowl.
i’m made of harsh velvet, i’m proto-floral and alone.
the dog licks me out cleanly and that’s me replete.
later i come across the dog as a hint of vengeance,
a smell in the air, and revenge’s smell is shite.
i give him a beating. convex and crestfallen
the battered dog hobbles off to perpetual peace, or
what’s it called, where household appliances go to die.

was der hund sieht
was der hund sieht, wenn der hund mich sieht.
der hund sieht mich als die tapete seines napfs.
ich bin aus reizsamt, bin blümchenbildend und allein.
der hund leckt mich sauber aus, und schon bin ich satt.
später begegne ich dem hund als spur von rache
die man riechen kann, und rache riecht kacke.
ich hau ihm eins über. konvex und betröppelt lahmt
der verprügelte hund zum ewigen frieden, oder wie
heißt das, wo haushaltsgeräte zum sterben hingehn.
2326 das fohlensorbet. ist gefroren. ist gefüllt. es ist dann ein füllensorbet. hat vergessen. muss es rühren. frostige flocken. muss es mischen. ist gefroren, hat vergessen. hat geforen, ist vergessen. wer sich kümmern muss, hat einen zweck. fohlensorbet will bekümmert sein, befüllt und / oder vergessen. hat dann etwas gegessen, war etwas verfroren. war gerührt, wahrscheinlich krank. und die hufe rührten. die füllung wurde gefroren. ich habe sie dann vergessen. sie war auf gestern datiert. gestern vor mehreren jahre.
2329 die grobe kräuterschwester sagte: "dann nehmense besser weiße taubnessel, aber ditt kost se was". wieviel will ich wissen. "9 euro 25 für 50 gramm, aber da trinkense zwei tassen von und damit hat sich die sache jehabt." sie schippt mir flockiges zeugs in die tüte. sie kramt nach bonbons, die sie mir gibt, ich sei nicht allein, meint sie, schaut aus dem fenster: "ditt sieht ja aus als die welt untajeht da draußen!" ja. das stimmt. "wird aber auch zeit", setzt sie hinzu. ich sage etwas wie naja. und sie, ganz aufgebracht: "ne, ne, ich hab nen scherz gemacht! ich hab nen scherz gemacht." als ich den laden verlasse, ruft sie mir nach: "teebaumöl, denkense an mich, teebaumöl!"
2330 ah, das hellgraue, nein hellkrause, das grausame, aber vor allem das graue, fast weiße an der grammatik (ah, grammaire), die ergraute grammatik, sie scheint noch fast weiß, und: hochstieg die grammatik des grauen, und wie sie ergraute in meinem kopf, und wie es mir graute darin, so hell, war sie (subjonctiv) grammatik des grauens, du hündchen, und ich sagte, non, mais, alors, oui, mais, j'ai seulement dit que / perdu. das krause. das sich überall einlegte. trägt das graue? geht es ins weiße? könnte es nicht auch tragen, das graue? nein, es zieht. oder wäre es möglich zu sagen, man befahre das graue. später im stockdunklen, das wellenförmig vage vorbeirasen des beleuchteten ichs, während das wasser aus den augen herausplatzte, und das graue stieg und stieg und stieg immer dichter wurde, nicht aber am himmel des kommenden tages. der war ganz anders bemalt und von hinten beleuchtet.
2331 Lost Original
Mr. K. said in times of great crudity
it is necessary to be subtle
so please wrap around me
with awkward grace
I may have suffered some Rilke Damage
or do I just have a little trouble
with fantasy tripwires
while engrossed in the sky's lexikon
& hills like purple pachyderms
"there's been a great upsurgence"
said the announcer but I didn't catch
what of & what of where
does it come from where does it go
still asking on down the road
(Anselm Hollo)
2332 super bandname. das machen wir gleich. was spielt du? ich spiele zuckerstreuer und triangel. und du, du spielst gitarre und akkordeon. und singen? singen tun wir beide gleichermaßen. nur wer marks ist und wer angles, das konnten wir in der schnelle nicht zu ende entscheiden. darüber denken wir noch nach.
2333 der, der nicht ertragen kann, dass etwas zum stehn kommt. käme etwas zum stehn, dann stünde es einfach. da er aber, selbst tatenlos, das drillern der anderen nutzt, um sein inneres machinchen am laufen zu halten, muss er, kurz bevor etwas zur ruhe käme, ja, man könnte fast sagen: heilte, doch nochmal den keilriemen in bewegung versetzen, und während die so Angetriebenen zentrifugieren, verschwindet er wieder, bis sie (die Angetriebenen) ins taumeln geraten und der kreisel nur noch müde kajuckelt - da taucht er nun wieder auf, um das ganze von neuem zum drillern zu bringen - "suffering some Rilke Damage". wir nennen es auch: emotionales retrogardistentum.
2334 ist das jetzt gut oder schlecht, das sei gut, das verhindere untersteuerung, lese ich, das sei daher für einen vorwärtsgewandten fahrstil die ideologie aus raserei und kontrolle. hach, wie sich das kluxi insich-betört beim bloßen gedanken daran. bissig verzögert ist der hass, den ich gegenüber dem privaten personenverkehr hege, dann beißt er sich fest, kiefernstarr, alles hält und ist satt, nunja, nicht gar so groß ist mein hass: mein automobiles hässchen. doch es ist schon auch groß, unter den hässchen ist es monumental, von kiefern umstanden, von winden befönt. allein eine spätform der mentalen hygiene begünstigt mich, ihn klein zu halten, meinen automobilen hass.
2338 auf dem universitären podium, ein unding, nur männer, siebzehn davon und eine frau, die man ende der veranstaltung auch noch mit einem blumenstreich überrauschen musste, weil es offenbar nicht anders ging. was sagten uns die blumen? ein blumenopfer zu ehren der heiligen jungfrau virgen de los desamparadosan - hier, für ihre abwegige, das heißt gleichsam sakrale anwesenheit? sie habe etwas gewonnen, aber eigentlich nichts geliefert? ein geschenk floriere ihren pflanzenhaften beitrag, feminin gedacht? schönheit, welche dabba-dabba erstrahlt und verwelkt? voilà, meine liebe, jetzt haben sie etwas, das sie im verlaufe des abends mit sich herumtragen können? etwas, das irgendwo liegen gelassen, als beweis für ihre innere reglosigkeit gelten kann? in jedem fall wird das unübliche und nicht-alltägliche ihrer präsenz floral bekräftigt. was soll man nun davon halten. ich sage: blumen für alle! und sehe sie schon hantieren mit den buketten, die wissenschaftler, sich nervös umschauend nach einem anderen wesen, das den strauß an ihrer statt, freudig in empfang nähme und statt ihrer in den nächsten sechs stunden des honneurs mit sich herumtrüge. und hier war der dekan mal wieder schneller, die sekretärin ist versorgt, was ist mit der verwaltungs-assistentin? auch sie ist floral versorgt. nein, studentinnen kommen freilich nicht infrage. schon tönt es hell und obstinat: herr professor, sie haben ihre blumen vergessen! blumenstrauß, blumenstreich, blumenfluch.
2339 "Ihre schwankende, im Einzelnen mehr vom Zufall als von ihrer Thätigkeit abhängige Existenz, ihr regelloses Leben, dessen einzig fixe Stationen die Kneipen der Weinhändler sind - die Rendezvoushäuser der Verschworenen - ihre unvermeidlichen Bekanntschaften mit allerlei zwielichtigen Leuten rangierren sie in jenem Lebenskreis, den man in Paris la bohème nennt." Marx und Engels: Bespr. von Adolphe Chenu, "Les Conspirateurs", Paris 1850.
2341 wie große kälber sitzen die gäste im scheinwerferlicht auf einer lindgrünen plauder- und polsteranlage, großkalibrig wie sie sind, sind sie der ganze stolz des talkenden masters, des redemeisters. (der redemeister mit der peitsche: "sprich! sprich, du sau!" die großkalbrigen gäste sind überrascht, lassen sich aber nichts anmerken, um des lieben friedens willen und auch wegen der äußeren anschauung, der sie sich ausgesetzt fühlen. daher sprechen sie. und auf der bahn der kooperationsbereitschaft geht es hinab.)
2344 das sind zwei sätze, die sich mittlings einen waggon teilen, der beiden angehört: der verkoppelte sinn.
2346 ovat - sei der closing particle, da werde also nicht nur ein bisschen herumgeputzt, nein, da werde fertig geputzt, soweit voran geputzt, bis es weiter nicht mehr gehe, und wo es sich dann sperre, drehe man sich mit dem rücken zur sperre und schaue in einen klinisch sauberen raum, der die putzend verbrauchten stunden speichert, sie dann mit der zeit allerdings wieder preisgibt in die vergeudung, dann heißt es, von vorne zu beginnen damit: putzovat. luxovat hingegen ist das tschechiche gegenstück zum entschiedenen hoovercrafting.
2347
ach, ein elend: nichts mehr haben, was im alten schema beschreibbar wäre. nichts als leere. faseriges zeugs. dennoch hören die anfragen nicht auf. sie fangen erst gar nicht damit an, aufzuhören. und so auch ich. sehr unangenehm, in der leeren schüssel herumkratzen, um etwas löffelweise herauszugeben, das zu 10 prozent aus qualität, zu 20 prozent aus guten willen, zu 30 prozent aus angst, zu 10 prozent aus dem gagatum der überforderung und zu weiteren 30 prozent wieder aus angst gehört, nur kommt letztere angst aus der anderen richtung. ""ich hätte da noch einen text über --- --- --- --- ."" die kammern aufs neue befüllen, aber womit? oder erstmal haare waschen? ach, der wahnsinn des haarewaschens, wer kann sich den denn leisten. andererseits: es könnte auch ganz aufhören. also haare waschen besser lassen.
2348 flieder: ein strauß neben dem bett, befülle die träume mit irrem zeugs, weil psychoaktiv. flieder berge also traum hervorrufende dings // neben bett gestellt // dings // weswegen krankenbett heißt, nachts die pflanzen raus // dings // also anders als nikotin, denn es sei ja bekannt, dass burroughs eben deswegen nicht rauchte, weil nikotin antihalluzinogene wirkung habe // hätte man herausgefunden // und wer den geruch von flieder (11 monate nach friedhof und 1 monat nach puff) nicht möge, der könne sich ja nachts ein fliederpflaster auftun // und schauen, what it does to YOUR REIHENHAUS (oder der doppelhaushälfte, die, an einer straßenstrippe aufgereiht, geordnet ist nach geraden und ungarischen zahlen, wie es o. kalasz einmal so trefflich auf den punkt brachte).
2349 (schauerhohn extended remix) ::: "das, was an mir nicht heldenhaft ist, ist das, was an dir nicht schön ist. der rest reicht aus. // die englische erlösung hat ein "rdtsch" in ihrer mitte, einen plumpen riss. etwas öffnen oder nehmen mit einem griff, der so gar nicht proustisch ist. komm mit mir mit. das ist, trotz allem, meine zweitletzte hand. ist es das? nein, das ist es nicht. ich möchte noch einmal sagen ("ich" wird hier im übrigen ausschließlich im sinne einer exemplarischen funktion von pronominaler direktheit gebraucht, das heißt: rhetorisch), dass es das nicht ist. // ja, ein mädchen sind wir, rettungsboot, einsam aufgrund von worten, die ich nicht spoken. doch das, was noch zu retten ist, soll man es denn nicht? schau sie dir an, sie geht in die andere richtung davon. (heißt das nun, dass sie eine schlampe (nonne) ist?) rettungstausch // lungenfrau // atemnot // rettungsboot // schauerhohn.
2350 peter paul rubens
2351 das ist der himmel über haßlochs holiday park / hach, hisst der himmel über haßlochs hallodrimark
heiter die hässlische hummel. Im haßlocher himmel / hoch über dem holidaypark macht sich die hummel / heimlich zum hammel, mithilfe dieser hässlichen waffen / macht sich der haßlocher himmel zum himmlichen haßloch. / Oh holidaypark, du mein holidaypark, mein heiliger holidaypark.
2353 dieses eine kabel, was mach ich damit, es gibt doch immer ein kabel, das ich nicht brauche, ich brauche das braune und das blaue, und dann gibt es noch eins, das ich nicht brauche, das ist das blau-gelbe - genau, das ist die erde. die erde ist das kabel, das ich nicht brauche. sie ist grüngelb. du kannst natürlich auch die erde anschließen. aber an was soll ich denn die erde anschließen? einfach in das dingli reinklemmen, ohne anschluss? das ist doch nicht anschließen. wie, die erde an die erde anschließen? dann bräuchte ich ja noch ein kabel, das ich nicht hab. "du könntest die erde ja auch mal an die wasserleitung anschließen." "ja, oder den mops von orsolya ans internet." da trollt er sich, als hätte er jedes wort verstanden. er hat jedes wort verstanden. sein name ist: nabu.
2354 was hab ich für ein misstrauen gegen diesen aufgesetzten rückbau in der ichgeschichte, die kinderperspektive. jahre zurück. ein kindlicher blick - was will der mir verkaufen, dieser kindelige bligg? was streift er ab, an der jahrgangsschleuse, die etwas weit, so weit zurückdreht? wisst ihr schon, wie es heißen soll? ja. wie denn? es heißt kritik. kritik rinck. es ist ein mädchen. nämlich. /// was geht mit: tierwerden? it's a dog owned by a giraffe.
2356 was hat es denn noch übrig, neben der ähnlichkeit? ist ähnlichkeit im laut denn nicht korrupt? warum steht das hier? wegen des reims. nein, es steht hier, weil ich ein bisschen hunger hab. ach, das einfachste. die (schlitzige) sense of sense. den andern - was, unterwandern? überwandern? war es das? sollte er nicht vielmehr: steigern? oder duellieren, sich oder die umwelt? oder sich mit selbiger? här, här, här! find du mir eine reim auf das duell. (alles, außer schnell) - wie wäre "rituell"? OH, my ever changing moods. sie hielten ein launisches rituell ab, es diente der besänftigung launischer götter. karottenhosen, durchgefärbt. schulterfreies. sexen-westen, aufgebügeltes mit botschaft. sylt oder schuld. kult oder die huld in der mulde meines zuzugs. komm doch her. mach wie bei deleuze ein feld von zapfen. das nicht mehr denkbar ist. zumindest dem psychanalytischen elektronenmikroskope beim picknicken. kann ich mal deine schleimhautpartikel, bitte? bring dir doch selber welche mit. die kennen sich schon auch mit ekel aus, die herren deleuze. hat darüber mal jemand nachgedacht? der ekel, der aus einer aus der vom kleinsten ins größte fabrizierten chaosangst resultiert? doktoranden, zu mir! brigade zeitgewinn, brigade zeitverlust. you got to tolerate. you got to tolerate.

nachtrag: "Le conflit de rime et du sens. Dans le <<dogme classique>>, dit Albert Dauzat, <<tous les bons auteurs de l'époque (le XVIIe siècle) sacrifient la rime aux besoins des la pensée, à la justesse de l'expression>>. C'est la condition du signifiant. Sinon, la cheville: La rime est une esclave, et ne doit qu'obéir. Un sens lui vient ensuite, d'une <<association par contraste>>, comme dans Booz endormi entre <<Et l'on voit de la flamme aux yeux des jeunes gens>> et le vers qui rime, <<Entre aux jours éternels et sort des jours changeants>>. Où L'argument laisse implicite une remarque importante: que l'association concerne le vers entier, et ne se brone pas eux mots qu, en fin de vers, riment." Henri Mechonnic: La rime et la vie. Seite 223.
2364 gestern wieder schwierig, gestern wieder ganz schwierig. wie soll man denn sowas überwältigen, bis hin zur zärtlichkeit? mein sozialkörper, der sich unablässig erklärt. das parlament für die repräsentanten meiner wirrnis und missgunst, mir selbst gegenüber. diese debatte! diese debatten-anstalt! da ist natürlich nichts mit knutschen. erstmal das parlament stürmen. so ein quatsch. ich weiß es ja auch nicht. regionale schweißausbrüche. beförderte wut. sie ist kalt. kalt wie ein stück. wie ein stückchen liebe. trauen - as far as I can throw you. nein. nein. schau - es ist einfach, ungefähr so einfach wie ein rechenmeter.
2367 endlich war üt da. ich hatte mich bereits in den sitzsack hineincamoufliert. mimesis betrieben, aufgrund der scham, die aus den enttäuschten erwartungen herausgequollen war - so hatte ich mich verstecken wollen, im offenbaren angebot, das herbeigeschleppt worden war in form von potsdamer sitzsäcken, für all die, die nicht gekommen sind. endlos schlechte regression - die provisorik einer versöhnung, die bereits aufs haar dem fatalismus glich. doch dann formten wir, üt und ich, mittels der uns mitgegebenen schwerkraft die sitzsäcke in eine uns vorgeblich entsprechende atmosphäre, gemäß unseres knochenbaus und dessen aufhängung; oder motorik, wie man auch sagen kann. in einem moment wurde üt vom sitzsack-arrangement so über die eigene achse gekippt, dass sie nicht anders konnte als die arme auszubreiten: selbstkreuzigung auf vagem terrain. später stieg die rückenlehne wie von selbst und die ellbogen wurden schlitzohrig untermauert. dennoch saß uns am nächsten tag das schleudertrauma im nacken. da waren wir, wie es per sms hereinkam, nicht die einzigen. auch frau zach hatte man verspannt. das war selbstverständlich nicht das schlimmtste. das schlimmste war die tyche einer komplett unverständlichen enttäuschung, die wirklich, wenn es eine gerechtigkeit gäbe, nicht hätte sein müssen; es sei denn, sie wäre zu etwas anderem gut, was ich noch nicht wissen kann. dennoch war ich so froh, jetzt und da, freute mich so, üt zu sehen, die den zug aus münchen genommen hatte, um dabei zu sein. die regression, die freude, der übermut, die enttäuschung, der übermut, der mithilfe von drogen auch noch aus der tiefsten enttäuschung zu beziehen ist - wir wissen ja alle, dass er nicht hält. er hält nur solange wie der rausch. "danach sind alle für sich selbst verantwortlich." letzteres ist zum glück nur ein fieses zitat und stimmt nicht. wenn ich auch auf dem rückweg mit dem fahrrad verunglückte und als erstes aufs knie knallte, dasselbe knie, das ich jetzt, indem ich das tippe, immer wieder auf- oder unterlege, damit es nicht so dumpf sich mit eingeseiften schmerzen meldet, um mich zu erinnern an die enttäuschung, ihre missbeliebige drogierte überhöhung (und das kurzfristige klappern des rauschs, in klappernder euphorie) und ihr fortgesetztes schmerzliches zutun. ihr so nachhaltiges zutun. über ein ende hinaus. aber war es das ende? wirklich das ende? ich glaube nicht. wie ich hinkte! die letzten fünf tage. über das ende hinaus. das heißt ja auch was. aber was? was, aber was? vielleicht ist es so: der schmerz im linken knie erinnert mich daran, dass es weitergeht. weil ich dieselbe person bin, und keine andere. und nie gewesen. der dekonstruction zu ehren, und ihr zum trotz, ehrenhalber, trotzeshalber. (you and me, we don't believe in happy endings, we do.. you make my troubles rhyme.. ) wobei: wenn ich nicht vom gutem ende überzeugt wäre, was täte ich noch hier. ich füge an that I don't believe in unhappy endings ebensowenig. ja.
2373 am strand angekommen. sich hingeschmissen. hellstes dezemberlicht. ein verwirrter hund konnte sich nicht entscheiden. mädchenhybris meint, das meer hat durchgeguckt. (har har.) hast du gesehn, es hat durchgeguckt. rechts außen architektur, guck da, der gehry-fisch. ah. schon wieder fisch. warum nicht mal was anderes, warum keine katzen, eigentlich? ach was, katzenkotze! zum modell genommen, im maßstab eins zu überwältigend. begehbar. interior access. man müsste experimentieren. die katze kotzt derzeit das fundament. pläne überdenken. etwas wie plexiglas-mousse unter das futter mischen? die katze gehörte dann freilich vorbildhaft behandelt und wäre mit einer außerordentlichen professur zu versehen - über ihre lebenszeit hinaus.
2374 irgendeine (rettet mein gedächtnis!) folkloristische legendenbildung verbietet den verzehr von apfelkernen, da die gefahr bestehe, dass der apfelkern zu keimen beginne, und der obstesser es mit seinem inneren apfelbäumchen zu tun bekomme: lebensgefahr. sie (wer war das noch?) aber sagte, sie glaube das nicht, sie habe schon soviele apfelkerne gegessen, dass man die apfelplantagen auf ihrem grab stapeln müsse, denn ein größeres grab könne sie sich gar nicht leisten. es war auf jeden fall eine frau mit langen haaren, die das sagte, aber ich erinnere mich nicht, wer sie war oder wo. das handwörterbuch des deutschen aberglaubens kennt apfelkerne, die die anzahl der verehrer (und den richtigen unter ihnen) bestimmen; es kennt aber auch die tödlichen gefahren, die beim versehentlichen durchschneiden der kerne des weihnachtsapfels drohen. aber ah! "An den am heiligen Abend oder an Neujahr gegessenen Apfel muss man denken, wenn man sich verirrt, dann findet man sicher den Weg. Ist damit der Glaube zu vergleichen, dass der Genuss von Äpfeln ein gutes Gedächtnis machen soll?" (handwörterbuch des deutschen aberglaubens, bd 1)
2375 I dwell in Possibility - / A fairer House than Prose - / More numerous of Windows - / Superiour - for Doors - //// die dickinson'sche drehtür. dreht sich in die möglichkeit, entlässt mit jeder drehung neue möglichkeit. der luftzug ist hell eingebläut, zur verdeutlichung des vorgangs im anfängerkurs - später wird reduziert, fortgeschrittene müssen den durchgang der möglichkeit auch ohne weitere farbmarkierung erkennen lernen.
2377 adorniten im weltall, lichtjahre unterwegs zum planeten "sich".
2379 mit der circum-flex reingegangen: diese neue flex, sagte damals ein freund meiner brüder, sei sicher das ende des rinck'schen haushalts. das war nicht ganz richtig. ich will aber auch nicht unterschlagen, wie spaßig das war: das hab ich weggeflext! (unser dank geht hier an die firma flex). mithilfe der circum-flex hingegen (von lat. circumflexus - umgebogen) ließe sich irgendwie drastisch auf die sprache einwirken. DIAKRITISCHE ZEICHEN FÜR ALLE! (hier fehlt noch das däschelsche) und zackzack auf die übersetzung damit! das reimt sich wie ein winkelschleifer. kraftvoll und ausdauernd, auch in kurven und rundungen. löst mit der geforderten ansprechempfindlichkeit in extrem kurzer zeit aus (< 15 millisekunden). mit wiederanlaufschutz bei stromunterbrechung und qualitäts-abschaltkontrolle: bei abnutzung wird der motor automatisch abgeschaltet und so vor beschädigungen geschützt. ohrenschützer empfohlen.
2387 "je suis mille fois le plus riche, soyons avare comme la mer," so der visionenmillionär rimbaud in einer höllischen nacht.
2396 "Eine Ecke im Zimmer der S. war mit Umschlagetüchern verziert, die an der Wand hingen. Auf einer mit einem Spitzentuche überdeckten Kiste standen ein paar Gläser mit Blumen. In den Tüchern und in den Blumen überwog das Rot in den verschiedensten Nüancen. Die Entdeckung dieses Winkels machte ich spät und plötzlich, in einem schon vorgerückten Teil der fête. Sie wirkte fast betäubend auf mich. Augenblicklich schien mir, dass meine Aufgabe darin bestehe, den Sinn der Farbe mit Hilfe dieses ganz unvergleichlichen Instrumentariums zu entdecken. Ich nannte diesen Winkel das LABORATOIRE DU ROUGE. Mein erster Versuch, die Arbeit in ihm aufzunehmen, glückte nicht."

aus den crock-notizen von walter benjamin. arbeit an der farbe, im laboratorium des roten, ein essayistischer impuls - und die kittel, die man dazu tragen müsste, welche farbe hätten sie? denn dass schutzkleidung nötig ist, scheint mir selbstverständlich.
2398 ein blick ins gedicht, wie würdest du übersetzen? "atemdurchfädelt", dachte ich, und ich sah es schon vor mir, wie es sich zu einem ganzen zusammensetzte, noch perforativ und halbtransparent, in einem träumerischen winkel des wachbewusstseins, oder hab ich das vielleicht doch nur geträumt? welches gedicht das war? schon kann ich es nicht mehr sagen. und lese in einem brief von d. berger: "Ashbery, in response to my flattery: »I can translate him faster than I can type.« (said humbly)." mit aller gebotenen demut - solche begegnungen können vorkommen, dass sich das eine in das andre hineingibt, unter meinem dann nur noch moderierenden blick, schließen sie einander auf. ich selbst würde dann zum zeuge einer anverwandlung werden, eine wundersame wanderung. das ist selten. äußerst selten. voraussetzung ist allerdings, sich entsinnen zu könne, wo, wann und worum es sich handelte. (irgendwie kommen aquarelle, die szenen aus bunuel-filmen zeigen, mit ins spiel, ich weiß nicht woher.)
2399 "Der Geruch von Sellerie hat mich monatelang verfolgt; alles riecht und schmeckt nach Sellerie. Wenn ich abends mein Hemd ausziehe, riecht es nach Sellerei. Was bedeutet das? Meine (Keuschheit), mein Zölibat?" Strindberg, am 03.01.1901.
2401 in zwei zeilen angelegt, wie eine luke ins schon auch ungute, von manchen begrüßt, von anderen verworfen. warum gerade diese beiden zeilen sein müssen, oder warum diese beiden zeilen nun gerade nicht gehen und raus müssten - daran entspann sich eine debatte, so rege, dass sie letztendlich zur gültigkeit dieser beiden zeilen führte musste, ganz ohne anschauung des inhalts.
2408 griech. skandalon ist nicht nur anstoß und verführung, sondern eigentlich ein FREI HERABHÄNGENDES HOLZ, die AUSLÖSEVORRICHTUNG einer TIERFALLE, ein losschnellendes gerät, und in der septuaginta: versuchung, die der teufel dem menschen in den weg legt. so übernahmen dies die kirchenväter, als fallstrick, ärgernis, verführung zum bösen. ein herabhängendes holz.
2413 als halte er vorgefertigte redepassagen bereit, die nur noch an der passenden stelle eingefügt werden müssen, heruntergesenkt und fraglich verankert. freilich treten so wiederholungen auf. freilich. freilich. freilich. deswegen gilt es die szenerie rechtzeitig zu wechseln. oder zumindest den sender.
2416 don möchte wissen, was für holländische stilleben das waren, die wir uns angesehen haben, an diesem kalten, regnerischen tag, ganz in zoonähe, in charlottenburg, bankgebäude. niedrige gangster im integrierten bistro, eine sehr eigene subkultur, kam mir vor, und was wir sprachen. etwas ganz anderes, aber was war das?
2418 im széchenyi bad im strömungsbecken gegen den uhrzeiger sinn, mittreiben einige tote insekte. auch wir treiben, plaudernd, weniger im kreis als vielmehr im oval. mitgerissen in salzigem wasser, das eigenartig grünlich ist, fast gelb. schön sind die wendungen, gegen die man den rücken verdreht, um einander zugewandt zu bleiben in der strudelbude.
2419 trippsendes diersche. elektrifiziert sirrt es, zittert und strizzelt, im freien, in friesland. im gegensatz zum übermops. der wäre morszi zu gerne gewesen. allein, er war es nie. das ideal-ich der tiere. im licht, an der bank, umgeben von alten beinen von frauen in alten braunen knöchelhohen schuhen. was "viecher" seien, wollte der franzose wissen. ich sagte es ihm. (es gibt keine entsprechung. es gibt auch kein wort für "schoß".)
2420 ich hörte, dass "cooking in the danger zone" (bbc) als "kochen am krisenherd" eingedeutscht worden ist. wer immer sich dafür entschied, gehört wurzelbehandelt. überhaupt gehört die gesamte veranstaltung püriert. aber das nur am rande.
2421 ich sach doch nicht der kuh: friss nicht!, wenn ich will, dass sie frisst, die kuh. bin kein freund von tangoklitschen, hab wenig interesse an gezerre. noch glänzt wie nasses glas in ihrem großen kopf, die wölbung, mithilfe derer sie mich sehen kann, die kuh. sie kaut. verdrehtes denken sollte nicht für sich allein, sollte sich nicht selber wurfsack oder melkmaschine. denken sollte doch die welt für und in sich weiterdrehen, statt sich in einer welt verdrehen, die das mit maßlos stummem aufgemerk kassiert. heu. es fault das heu. salute.
2422 soweit meine telefonische expertise, was den uns zur aufmerksamkeit bestellten prosatext des herrn autors angeht. ausgestanzte behauptungsprosa - dann aber, als blies ein heller sturm uns kräftig die haare aus der stirn, die böse erkenntnis - die ich hier verschweigen werde.
2427 ich lese - und vergesse. lese - und vergesse. lese - und vergesse. lese - und vergesse. lese - und vergesse. lese - und vergesse. nicht nur steigt die scham, es steigt auch die angst.
2428 ah, also verfügt auch das sein über einen stil, den man entweder begrüßen oder ablehnen, neu oder ältlich finden kann. nachdem mir bereits klar gewesen ist, dass sich auch das nichtsein mit troddeln verziert, zeigt sich mir nun aufs neue, dass alles, wirklich alles: eitel ist. aber eigentlich ist das ja auch ganz nett - eine seinsstilistische frage.
2429 nachdem sich hier alles anormalisiert, sehen auch die worte so komisch aus. identisch. und auf die eine oder andere weise falsch. sie stehn so schief wie sie im duden stehn. ich versteh das nicht. wie kann ein entzug so etwas tun? darüber wäre ich entsetzt, hätte ich noch eine handhabe (einen kredit) auf derartige affekte. hab ich aber nicht. wie lange wird mich das noch begleiten. hinzukommt: ohrensausen. doch meine augen werden besser. scheint mir. nur das, was ich sehe, ist über die maßen seltsam. und der rest ist dunkel.
2433 das ist der bennsche schädel-flederwisch, der tückisch durch das ding-gewerde taumelt, in französischer übersetzung. 2435 "Der Ndembu-Zauberer, der vor allem ein Hellseher ist, darf das Fleisch des Cephalopus (Antilopenart) nicht essen, weil die Haut des Tieres unregelmäßig gefleckt ist, andernfalls liefe sein Vorherwissen Gefahr, sich auf Beliebiges zu wenden, anstatt sich auf die wichtigen Fragen zu konzentrieren. Dieselbe Überlegung verbietet ihm auch das Zebra, die Tiere mit dunklem Fell (die seinen Scharfsinn trüben könnten), eine Fischart mit spitzen Gräten (die seine Leber, das Organ des Ahnungsvermöge, verletzten könnten) und mehrere Sorten Spinat mit "glitschigen" Blättern, damit seine Kraft nicht nach außen flieht." lévi-strauss: das wilde denken.
2436 nüchtern war er ein feiger tod, das ist keine schöne sache. nüchtern zu keiner abwehr fähig, war er dasselbe trunken zu jeder. (ist es dann noch dasselbe?) er war ein joker, der hieß tod. ein todes-joker, der sich selber ausspielt. reinhold spielte seine eigene karte, keiner musste warten, bis die richtige Farbe kam. keiner hatte zeit, zu warten. "und dann heißt es: adieu Sie." aye, aye, mein orientierungsloses mitleid.
2438 A LA FIN
A la fin la clarté devient folle d'octobre
Le paysage est transparent et décharné
Les ombres percent le sol jusqu'au coeur
Les glaciers touchent les yeux et quelles brûlure
L'exquise aurore bleue ne quitte pas le jour
Vraiment on tremble d'irisations et d'amour
Devant cette blonde
Maîtresse transparente des hauteurs.
PIERRE JEAN JOUVE: VAL ÉTRANGE
2439 »TAURUS (April 20-May 20): In the Tsonga language of South Africa, the term *rhwe* means to fall sleep on the floor while drunk and naked. According to my analysis, you may now be unusually susceptible to exhibiting *rhwe*-like behavior. That's because the astrological omens suggest you're in prime time for the kind of extravagant socializing that may lead to extremes you rarely express. There are more constructive ways to channel this energy than through *rhwe,* however. Your challenge will be to make sure your discernment and discipline are at least partially engaged as you run half-wild and seek prodigious fun.« Rob Breszny auf freewillastrology.com.
2440 im schneefall eine mütze tragen. daran tust du gut. den längsten schneefall, den wir kennen, erleben wir in diesem jahr, die mütze wird verlängert in den frühling. auch jetzt, in diesem augenblick, fallen irgendwie staubige flocken, sehr klein sind sie, wie aus dem staubigen fell eines kleinen (aber sehr zahlreichen) weißen tiers hochgewirbelt. sie gehen in alle richtungen. sie scheinen mir sehr neugierig und desorientiert zu sein. etwas anderes: die anti-taxi-mütze, mit der ich stundenlang durch den schneesturm ging, kein taxi hielt. es lag sicherlich an der mütze. ich trug dann eine andere. aber als der schneesturm weiterging und sich wenige wochen danach zum weißen wirbel erhob, und ich mit s. unterwegs durch moabit war, trotz ebendieser mütze ein taxi hielt! und nicht einmal vergessen die mütze auf dem rücksitz des taxis. umdeutung geglückt. ab jetzt sei es einfach eine warme, wenn auch nicht sonderlich kleidsame mütze.
2441 was geht hier vor? es gibt männer am salatbuffet, seit jüngstem, sagen wir seit einigen monaten. die gesellschaft ist im begriff sich zu verändern. die geschlechterrollen: schwankend. etwas greift, aber was?
2445 "Translating, I do not cram sentences into any mid-linguistic limbo. I write Finnish-language sentences over them-so they'll disappear."So Saarikoski, in Anselm Hollo on translation: an interview with Edward Foster from Talisman # 6, zu finden auf den Seiten der Duration Press.
2446 Anselm Hollo in einer fußnote zu seinem gedicht: Inhabited eye: "falcon-eyed montcorbier" - Francois Villon (his 'real' name). (es sind übrigens wunderbare fußnoten, die seinen auswahlband "Notes on the Possibilities and Attractions of Existence" beschließen.) wir kennen fragen nach dem wahren namen, so wie es einmal hieß, die werke von shakespeare seien gar nicht von shakespeare, sondern von einem anderen autor gleichen namens.
2451 die KI-WISCHEL-QUALLE hat den vorteil, dass sie in jeder form der kommunikation als symbol für eine marke eingesetzt werden kann und - im gegensatz zum markennamen, der sich mit der einstöckigen bruchbude der linken gehirnhälfte zufrieden geben muss - in der rechten gehirnhälfte abgespeichert wird, wo sie sofort beginnt, die möbel umzustellen. KI-WISCHEL-QUALLEN sind (ich zitiere): "in unserer überreizten Welt, in der wir nur durch radikale Selektion bei Verstand bleiben können, eine der tragenden Speerspitzen, um im Kopf unserer Zielgruppen wahrgenommen zu werden." ja genau, tragende speerspitze im kopf der zielgruppe. darum geht es.
2452 Da "idiocy has something to do with the nearly existential fact of being stuck with a body" - "our ancestors used to fast-forward and just lose it, Trauerspiel-style, in favor of more etheral forms and nebulous promise". avital ronell: stupidity.
2453 "Der Markt des Lebens", so beginnt Brehm seine Einleitung des Kapitels DIE WEICHTIERE (Mollusken), "stattet jeden, auch für die nähere Befreundung mit den Weichtieren, mit einer kleinen Summe von Vorkenntnissen und Erfahrungen aus." So ausgestattet geht es an die Vervielfachung der Kenntnisse, die zur näheren Befreundung günstig sind...
2455 utopocalyptic: term coined by poet Michael Heller: "that odd socio-political or cultural product, both fever and exacerbation, in which an individual is torn between idealized hopes and gnawing dread." (zitiert nach anselm hollo, siehe # 2446)
2456 ein bis zwei schlŸcke chesterton-icum: "The man was proud of being orthodox, was proud of being right. If he stood alone in a howling wilderness he was more than a man; he was a church. He was the centre of the universe; it was round him that the stars swung. All the tortures torn out of forgotten hells could not make him admit that he was heretical. But a few modern phrases have made him boast of it. He says, with a conscious laugh. "I suppose I am very heretical," and looks round for applause. The word "heresy" not only means no longer being wrong; it practically means being clear-headed and courageous. The word "orthodoxy" not only no longer means being right; it practically means being wrong. All this can mean one thing, and one thing only. It means that people care less for whether they are philosophically right." G.K. Chesteron: HERETICS. London, New York
2459 tonnenschwere, zwergenhafte, babygesichtige gottheit. intransportabel. da diese götter nicht tragbar waren, trug man sie nicht. oder: sie waren betretbar? betreiber? teile beiseite, beter?
2460 gedrängtblütige neoregelie. stehende luft, irgendwas am kragen weiten. vielleicht den hals. von pflanzen verbrauchte luft, von schlafenden pflanzen bei geschlossenen fenstern. das sei das ende der erbsen, so der franzose. duldentrauben lanzenrosette. von trauben geduldet. dann aber lanciert. ein tiefes räuspern, mit pollen in der kehle. er habe eine schleife konfektioniert, eine zellophane orchidee, im koffer, nein, in einem schmalen kartöngsche. und das mir! das mir! inzwischen werde das tropenhaus renoviert. bis voraussichtlich: ??
2466 Conrad Ferdinand Meyer: Nachtgeräusche
// Melde mir die Nachtgeräusche, Muse, / Die ans Ohr des Schlummerlosen fluten! / Erst das traute Wachtgebell der Hunde, / Dann der abgezählte Schlag der Stunde, / Dann ein Fischer-Zwiegespräch am Ufer, / Dann? Nichts weiter als der ungewisse / Geisterlaut der ungebrochnen Stille, / Wie das Atmen eines jungen Busens, / Wie das Murmeln eines tiefen Brunnens, / Wie das Schlagen eines dumpfen Ruders, / Dann der ungehörte Tritt des Schlummers. // die muse macht meldung - dann: das geflutete ohr des schlummerlosen, und wie es dann immer weiter ans verstummen geht: bis zum ungehörten tritt des schlummers.
2468 rauschte so die edge (etsch), so dicht (pink noise), das cafe darling an ihrem ufer, noch standen die schirme, wenig einfühlsamer wind, will sagen windigkeit, toast, diverse, viele davon und für alle, bauerntoasts waren darunter, zuvor spielte der kellner sein lustiges spiel, was aber wirklich objektiv lustig war. er spielte mit unserer gier. ja, eigentlich spielte er auf unseren wünschen. das heißt, er kam nicht (fast nie) zurück. dazu dann die windigkeit. und das rauschen des rands. des sehr langen, flüssigen rands. das stimmchen, das stimmchen - there is a river, called the river of no return - wurde vom rauschen verschluckt. die wiederholte zufuhr von pernod wäre uns so allerdings nicht gelungen, oder zumindest sehr mühsam gewesen.
2470 (casuistique de l'égoisme) - mit dem eintritt in die fabrik des werks - ein vorgestelltes regelleben ohne über-ich - alltägliche organisation der bedürfnisse - pharmakopöe zur wegzehrung - das problem der kleidung des romanciers - notwendigkeit von rockschößen - das haus, das feuer und die lampe - doch: "Denkt man allzusehr an das ZIMMER, das HAUS, die VITA NOVA, läuft man vielleicht Gefahr, eine gewisse Leere des Werkes, eine gewisse Sterilität künstlich zu möblieren = im Grenzfall ein Dispositiv der Entschlusslosigkeit (was ich hier erforsche sind Phantasien)." Roland Barthes: Die Vorbereitung des Romans. S. 356 // siehe aber auch s. 365: das konkurrente verhältnis von freundschaft (treue) und werk (zeit). //
2473 beharrlich hatte ich es falsch geschrieben, den tartar und das tartar, soll heißen, den tatar und das tatar. und hätte auch nicht damit aufgehört, wenn nicht angesichts des titels: "sich einen teller tatar zu teilen im zustand der willenlosigkeit" - aus dresden der hinweis auf ein überzähliges R gekommen wäre. ich kanns im übrigen immer noch nicht glauben, dass das nun also richtig sein soll. und plantschen - ja, plantschen, das werde jetzt ohne T geschrieben, teilte man mir heute mit. fehlt dir was, liebes? ja, das T in planschen.
2475 gesprochene worte nochmals sprechen (speaking spoken words again) - es liegt etwas in der wiederholung. es steht darin. es steht darin wie in einem aufzug. die wiederholung - aufzug oder paternoster? nunja. ist sie zirkulär? das kommt darauf an, was ihr inhalt ist, und ob der wechselt. eine wiederholung ohne inhalt - was wäre denn nun darunter zu verstehen? (siehe deleuze, die kopierten seiten auf dem großen tisch, aber erst morgen früh).
2476 das ist kein jahrhundertroman, das ist, mit verlaub, ein jahrhundertsack. und nein: mit balzac ist das nicht zu vergleichen. nein. nein. nein.
2477 wo fand ich das denn - eine einsteigerung der fremde in der feminisierten wendung? gelöste notizen immer wieder. im umkreis: die tödin. das las ich (vermutlich) bei celan, aber auch im kleinen lexikon der dämonen und elementargeister: "sie (die tödin) trägt ein weißes gewand und kann zu einer riesigen gestalt aufwachsen; berichte über die begegnung mit ihr gehen ins phantastische. meist ist sie alt und häßlich und hat ein "beinernes geschau" (knöchernes aussehen); sie kann aber auch jung und schön sein, dann wird sie "schöntödin" genannt. (..) die weibliche personifizierung des todes in diesem gebiet (kremnitz-deutschproben, dt-sprachiges gebiet der slowakei) ist darauf zurückzuführen, dass das wort für "tod" im umgehenden slawischen sprachraum weiblichen geschlechts ist."
siehe auch: the gender of death. a cultural history in art and literature. von karl s. guthke. ///
ABER zurück zur fremdlingin: das ist doch die NACHT (siehe die seiten zur nacht im kapitel "kasuistik der selbstsucht" in roland barthes "die vorbereitung des romans") in Hölderlins Brot und Wein: der Mond / kommet geheim nun auch; die Schwärmerische, die Nacht kommt, / Voll mit Sternen und wohl wenig bekümmert um uns, / Glänzt die Erstaunende dort, die Fremdlingin unter den Menschen, / Über Gebirgshöhn traurig und prächtig herauf. //
2478 vielzitiert und erst jüngst wiedergelesen, kafka an jesenská: "Briefe schreiben aber heißt, sich vor Gespenstern entblößen, worauf sie gierig warten. Geschriebene Küsse kommen nicht an ihren Ort, sondern werden von den Gespenstern unterwegs ausgetrunken."
2479 willenslagen, eisern: den schlafenden körper zum schreien zu bringen. ein nebenbewusstsein vandalisiert das schlafende ding - will es zu etwas bringen. und das hat er alles im schlaf gesagt, hat sie gesagt. ich habe es dir notiert. (ach, du kannst du sprache nicht, ja, dann kann ich hier nicht weitermachen.)
2480 schon ziehe ich dies aus dem lehm meiner waden (dem leben meiner arten). müd. ein pavor. sagt man so? wummert. ruppig vibriert es. sicherlich nicht allein. welche präsenzen dies aber sind, ich lehne das zu wissen ab. die rettung in die diskretion. "das hatte ich so auf dem bildschirm", irgendjemand sagte, das gehe verloren. "ja, wo denn?" (ortlose verluste sind ja auch ein quatsch, irgendwo muss das zeug ja hin verloren gehen..)
2482 die stimme in stimmigkeit, eine frage der proportion. decere - be fitting. was hab ich nur gesucht, als ich das nachschlug - näheres zum wahrheitsstil, zu sagen: deine wahrheit ist einfach nur schlechter stil. "Denn was kann die Treue für die Wiedergabe des Sinns eigentlich leisten?" und riss ihm den kopfhörer vom kopf, darin verfangen die locken des kommenden tages. schreita: aua. eine menschenbildende stimme sagt: geh mit der präposition woanders hin. mach ich.
2483 unterwäsch - hat welche farb, habs rosa-schwarz am schlafgemach getragn. walche farb? ah. maby dack. haha. hahaha. da, ahn schwarza vasenwal. astarn. harpane taga. jage vasenwal. schwarz. und schwarzgemach. der rosafarbene anteil am schwarz.
2484
SNUG
Have you the lion's part written? pray you, if it
be, give it me, for I am slow of study.

QUINCE
You may do it extempore, for it is nothing but roaring.

BOTTOM
Let me play the lion too: I will roar, that I will
do any man's heart good to hear me; I will roar,
that I will make the duke say 'Let him roar again,
let him roar again.'

QUINCE
An you should do it too terribly, you would fright
the duchess and the ladies, that they would shriek;
and that were enough to hang us all.

ALL
That would hang us, every mother's son.

BOTTOM
I grant you, friends, if that you should fright the
ladies out of their wits, they would have no more
discretion but to hang us: but I will aggravate my
voice so that I will roar you as gently as any
sucking dove; I will roar you an 'twere any
nightingale.
2485 Lüneburg beispielsweise: Ausnahmsweise reißt der Himmel auf, wiewohl es regnete, nicht unaufhörlich, doch nach kurzen Unterlass, Sie sagten: das Blau! (oder le bleu!? ich weiß nicht mehr), es immer wieder damit beginnt. Alles irgendwie kindisch nassgemacht und wechselhaft besonnt (frolicking - die Tropfen aus so vielen Richtungen, dann die Strahlen, ja die Flutlichtstrahler über Wasserstaub, Lichtspray, Wasserspray und irgendwelche innenstädtischen Mühlen mit Flügeln). Das Zimmer Parterre, wie von Puppen bewohnt, das Frühstück jedoch in Cinemascope. Einzelzimmer, Doppelzimmer, Einzeldoppelzimmerbetten - wie auch immer. Sie sehen: Lüneburg wird weiterhin bearbeitet und ständig aktualisiert. Ich kann es nicht entscheiden. Und Sie können dort nicht hin. Der Kopf muss ab. Immer wieder ab damit.
2486 Es herrscht Ungunst in der Werkstatt: "Alles sei irgendwie falsch gewesen!" - Ah, die kleinmütige Beweisstrecke. Die Zeilen haken. Das geht doch nicht voran. Die Werkstatt will pausieren. Ja, ihr könnt gerne Pause machen, doch gebe ich zu bedenken: Andere schreiben indes: ihr letztgültiges Angebot für Zeile 11: /// TRAT INS BAD, MIR STAND, OWEH, EIN BART, MIR FRAU /// Minderwertig, müpfelt das Plenum. Uuun--aaan--seeeehn--liiich, folgt Prof. Knück im Diskant, zudem, setzt er hinzu: Desgleichen. Zeile 12 müsste nun C-reimen, das heißt: auf BÜRSTE. /// FRAU, DEINE SCHUHE, DU SCHÖNE, DIE ALLERDINGS MITTFINGERS SCHNÜRSTE! /// Oh, der mangelnde Anstand des Reimworts, doch auf rustikale Ansprache des Publikums hin entsteht nun Zeile 13, die wiederum sich reime auf "AU": /// DEINE SCHUHE SIND SCHLÜPFER, DEIN SCHLÜPFER IST MAU (optional auch): GENAU /// Das wiederum sei grundweg, schon vom Menschenmöglichen her, abzulehnen, folgt die letzte Zeile, Nummer 14, die wiederum sich auf PERGOLA 2009 reimen muss. Ja, da sehen wir in leere Gesichter. Doch Titel ist: Die Weide, die Weide, die Weide am Hang.
2487 neunzehn kälber walzten den weidezaun nieder, wohl auf der flucht vor einem hund. fünf werden eingefangen, vier kehren freiwillig auf die weide zurück, eines wird mit einem betäubungsgewehr zur strecke gebracht. der rest der herde, bestehend aus neun streunenden kälbern, lasse sich nicht einfangen: "die hund", flucht der bauer kammerloher, und: diese kälber seien nicht nur scheu, sondern auch schlau: "sobald sich einer nähert, laufen die ins holz und legen sich hin, da hast du keine chance, die zu finden." auch ein motorrad ist keine hilfe, die kälber ducken sich in den raps. immer wieder überqueren die kälber land- und bundesstraßen. es sei schon auch möglich, sie abzuschießen, so eine sprecherin des landratamtes, doch vorerst wolle man sich auf die list des bauern kammerloher verlassen, der die tiere mit futter locken oder nachts im schlaf zu übermannen plane: "tagsüber kriegst du die hund ja gar nicht zu gesicht", so der bauer kammerloher.
2489 den hörer in der einen, das doppelbesteuerungsdingens in der anderen hand, im finanzamt mitte herumgestellt, ich stelle Sie nach 3279, nein, ich bin vollstreckungsbeamter, bei mir sind sie ganz falsch, und weiter nach die frau tatschler? woher soll ich denn..? ja, abzugspflichtige, abzugsflüchtige einkünfte, das flüchtige geld, in der warteschleife (es knattert) dann an nadja denken: das geld flieht mich. "Was willst du", sagte sie mir lachend, "das Geld flieht mich. (..) Sie könnte ihm sofort telefonieren, ihm oder irgendeinem anderen, aber sie entscheidet sich nicht dazu. Es ist zu gewiss, dass das Geld sie flieht. Ich erkundige mich nach der Summe, die sie dringend benötigt: fünfhundert Francs. Da ich sie nicht bei mir habe, biete ich ihr an, sie ihr am nächsten Tag zu bringen. Ihre ganze Unruhe ist zerstreut." andré breton: nadja. (übers. max hölzer)
2490 entnommen jürgen mucks prosastücken: "der mönch hält meine hand." kirchheim verlag, münchen. 60 Seiten. am 23.3.1986 kommentierte herr hagestedt in der sz: "Ich glaube, selten zuvor ist mir ein Buch so unheimlich gewesen wie dieses."
2491 woran das denn läge, mit dem verfall, niemand könne das erklärn, physiker nicht, biologen nicht, alle nicht, wie es denn dazu käme, hm, todestrieb?, bot ich an, das obst habe ihn ja schließlich auch, und allen voran die pfirsiche: samt und matsch, und schließlich sämtlich matschig. siehe auch # 1572. doch ob allein die tatsache, dass pfirsiche es auch haben oder tun, ausreicht zur begründung von verfall? andererseits, wenn sie es nicht hätten, wären es noch schwieriger.
2493 die kuh, sie begegnete mir ohne unterlass. sie stand überall in der zeitung. zuweilen mordete sie auch oder entwandt sich. sie bevölkerte das gedicht mit dem bassisten. leser teilten mir ihre ratlosigkeit mit, diesbezüglich. zu recht. ich strich eine kuh, dann die zweite, eine weitere, am ende hieß das gedicht: der gute bassist, man fand darin zwar noch den scheckigen standbass, aber keine einzige kuh. dann schrieb mir nicholas grindell (ein unermüdlicher archäologe der tierplastik im stadtraum) vom standbildnis einer plattgedrückten kuh, sie stehe im wedding, und er übermittelte mir auch ein foto von ihr, das seine beschreibung anschaulich fundierte. nun, man stelle sich also einen praktisch veranlagten kaptain vor, der sage: nunja, wir hatten dann gerade keine kompassnadel zur hand, deswegen haben wir einfach eine kuh plattgedrückt, das ging genauso gut! und würde ich darüber, über diesen sachverhalt ein gedicht schreiben wollen - nichts als unverständnis wäre der dank. dabei liegt alles offen da.
2495 es gibt ein wort, das ich seit tagen suche, und das das gegenteil davon meint und ganz ähnlich lautet; wahlweise, freigestellt, additiv. es will mir nicht einfallen, ich bin mir sicher, es endet auf -uell oder -oell, mehr kann ich nicht in erfahrung bringen. wenn es mir nicht bald einfällt, müssen beide gehen. und dass es das rückläufige wörterbuch nicht für den mac gibt, ist ein skandal. heißt das, dass ich einen neuen rechner brauche? das heißt das dann wohl. (und nein: es ist nicht optionell.)
2496 rapper in cannes gesichtet: c'est boeuf dadü! boeuf dadü! super künstlername, will ich meinen.
2502 moderne kriegsführung: der kreppverschluss der uniformen. die lautstärke von textilien und ihre militärische berechnung. könnte man da nicht gleich audio-mikado spielen, und wer in der angespannten stille das kleinste geräusch produzierte, gälte als tot und müsste nachhause gehen.
2507 braun-orange und so dunstig war der himmel über minsk. eine temperatur, in der sich kühle und erträglichkeit die waage hielten, eigentlich keine temperatur. durch das fenster besehen, war sie nicht einzuschätzen. ich kannte keinen nebel dieser farbe. so hat sich die stadt vors objektiv gelegt. so und nicht anders. dieser lastende orange-braune himmel. die breiten straßen. angstverlässlichkeit. der nebel. die diffusion der lichter. die erratische temperatur. (vielleicht war die farbe eine hülle.)
2508 gegenstände wie gedanken. etwas kariertes. nein, ünie. etwas aus plastik, eine unförmige, kaum praktische schippe, vom sand zerkratzt. und jemand, der zu mir sagt: halt das fest. oder: bring es her. die oberfläche ist berissen, ihre frappante schicht gestresst, hellrot, blass oder gelb mit grauen kratzern. die farbe nimmt sich raus. ergrauung lastet so grau.
2509 der film wurde mit der zeit immer besser. nicht dass ich ihn zum ersten mal sah, keineswegs. aber als ich ihn unlängst wiedersah, hatte er derart an witz und eigensinn gewonnen, dass es eine reine freude war. wie haben wir das gemacht, fragten wir uns, wir, diese delayed witzcompany. well, time will tell.
2510 der herr pallmann, der habe damals beobachtet, wie zwischen zwei in unterschiedliche richtungen aneinander vorbei rasenden zügen eine aus dem zugfenster geworfene plastikflasche immer wieder an der einen, dann an der anderen zugwand abprallte, bis nichts mehr von ihr übrig war, das heißt, nur noch feinstes pulver - und so die pralltellermühle erfunden.
2511 von fern, und außerhalb des übergeheges, das all die anderen gehege umschließt, war das schild war nicht zu lesen, irgendein storch, glaub ich, so grau? oder vielleicht doch ein flamingo, dessen speiseplan nichts rotes vorsieht. nichts rotes? "felsen waren da / und wesenlose wälder. brücken über leeres / und jener große graue blinde teich, / der über seinem fernen grunde hing / wie regenhimmel über einer landschaft." (orpheus. eurydike. hermes - im zoologischen garten: was mag das sein, frug orpheus. ein steppenstorch, entsann sich hermes. eurydike wusste es besser, sie aber schwieg.)
2513 es ist so hell, ich bin nicht sicher, woran weitermachen. jd. fragt: hast du uhr. halb eins. danke. schnell fließt donau. heute mich falsch angezogen. verwirrung als versöhnung denken. oder sagten wir: das nicht befehlsfähige an der sprache - doch was, wenn komplexität dann als zweifel gelesen. gehört.
2514 "Manchmal sieht man einen Baum wie winkend; er wendet sich an eine andere Realität, der er selbst nicht angehört - oder doch? Gleichviel, jetzt repräsentiert er sie. Und solch ein Phänomen kommt nie allein; bald darauf sieht man eine Wolkenpartie in dringlicher schimmerndem Grau - den anderen Tag, den man an der anderen Aufmerksamkeit erkennt, die er mitbringt", schreibt Lorenz Wilkens, an einem dieser kalten Sommertage, während derer sich die Bestandteile der Realität wie aus freien Stücken gruppieren wollten, als seien sie Elemente eines sehr großen Gedichtes.
2516 "de kermispony die 's nachts alles herbeleeft" (Paul Bongaert), es dreht das alles noch einmal sich in seinem kopf herum, fiedelbumm, in seinem kopf herum.
2518 "Hail Mary, full of grace ... the power of the highest shall overshadow thee.." Also, after the song Vergine Bella by Petrarch and Dufay, "...in you the highest sun took such pleasure, that he hid in you the whole sum of his light." aus: ...as far as it goes... axel s. parrot, in der zeitschrift DRONE FASCICLE, ausgabe 2001, SENSES/LOVE - a new poetic periodical.
2519 "L'intelligence sépare. Le regard unit; mail il y a une intelligence du regard qui divise pour reconstituer, dans sa feinte apparence, l'unité qu'il a minée de l'interieur." Jabès: Livre du dialogue. "Intelligence separates. The eye unites. But there is an intelligence of the eye that divides to reconstitute a sham appearance which it has undermined from inside." (Jabès, übersetzt von Waldrop)
2520 jacob von ruisdael (1649) im kunsthistorischen museum in wien. ein so vielfach zugängliches & unzugängliches bild hab ich noch nie! gesehn! so offen und so geschlossen zur gleichen zeit. später mit n. und h. wurde daraus eine bar, gehnwadochinne flusslandschaft mit kellereingang, einnheben. eine anglerbar, oder, wie n. anmerkte: in die bar "sch", in der sich angler von oben alkoholisches in die grünen watt-latz-hosen kippten, einer geht noch.. einer geht noch, bis es hüfthoch überschwappt. dann müssen die angler, kaum noch manoevrierfähig, nachhause schwanken. das war in der tat unglaublich lustig, nur hätte man vielleicht dabei sein müssen.
2522 GERARD MANLEY HOPKINS: PIED BEAUTY
Glory be to God for dappled things -
    For skies of couple-colour as a brinded cow;
        For rose-moles all in stipple upon trout that swim;
Fresh-firecoal chestnut-falls; finches' wings;
    Landscape plotted and pieced - fold fallow, an plough;
        And all trades, their gear and tackle and trim.

All things counter, original, spare, strange;
    Whatever is fickle, freckled (who knows how?)
         With swift, slow; sweet, sour; adazzle, dim;
He fathers-forth whose beauty is past change:

                              Praise HIM.
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wozu lorenz wilkens mir schrieb: "Das Gedicht von Hopkins ist sehr schön; diese wunderbare Tradition einer Ruhe, die mit der stoischen Gelassenheit wetteifert, um sie durch ihre Vitalität zu beschämen."
2523 es war "hören mit schmerzen" nummer 2. wir sprachen über die geschwindigkeit der häme, über ihre nachträglichkeit, über die nähe zur häme, oder ob häme von ferne überhaupt ein ding der möglichkeit sei. h. hat die notizen mitgenommen. wir harren nun deren verwendung.
2526 diesen begriff verdankt das begriffsstudio dem uhutrust.com - den das begriffsstudio an dieser stelle gerne weiterempfehlen möchte.
2535 der bambushain im botanischen garten in wien war ein gigantisches tier, ein wehendes, wedelndes tier, wedelnd und doch in sich kompakt. dort einzutreten wäre mir auch ohne die bitte, es zum schutz der empfindlich austreibenden bambussprossen nicht zu tun, im traum nicht eingefallen. doch, im traum vielleicht schon. aber nicht an diesem tag, an dem ich wach gewesen bin. denn das tier, das war deutlich zu sehen, schlief, und ließ im schlaf sich noch vom wind bewegen, doch bewegte sich nur das, was seinem innern am fernsten war. sein inneres schlief. ich wollte es nicht wecken.
2536 elke erbs lyrisches ich, ein hausmeister der welt, der seinen rundgang beginnt, wenn alle anderen ads gebäude verlassen haben, die türen aufschließt, das licht betätigt, sich umschaut, die türen wieder schließt.
2537 und das pferd, die hufe voraus, vom himmel herab. der überselige reiter auf ihm - er fliegt und er fällt. er rauscht durch die schichten der luft, ein verhuschtes schnauben ist noch zu hörn. ein fliehendes wiehern. wir kennen dies seit langem. ich erinnere daran, dass dem hals der von perseus geköpften medusa ein pferdesöhnchen entsprang: pegasos. das tier, das alle dichter reiten, heißt es. doch wie landen sie es? ach, die zerbrechlichen fesseln. (und da nicht alle dichter dasselbe tier reiten können, es sei denn, es wäre ein sehr großes tier, ist hier noch der plural: pegasoi.)
2538 jetzt frage ich mich aber, warum steht das da? die wiederholung von was? oder hab ich mich vertippt? meinte ich vielleicht niederholung? oder nie-da-holung? (oh oh - ah ah.) so kann sich doch kein mensch vertippen. oder war es eine notiz, die eigentlich woanders hin gehörte? hing gehörnte? fling gestörte?
2540 da kommen die großen thesen, um ihre güter zu löschen. vielleicht kommt ein wind auf, vielleicht kommt es zu wellen, die an die hafenmauer klatschen. doch von anfeuernden rufen begleitet würden trotz der unwilligen witterung weiterhin thesen gelöscht.
2541 ihre betätigung zerschneidet den raum, vielleicht auch die zeit. klinke und klingel? sie tun es beide, doch auf je unterschiedliche weise. (das nur als beispiel für einen im grunde genommen unerheblichen kommentar.)
2542 ich mache dir ein kippendes bild. doch was wäre, wenn es nicht kippte? wenn das kippen ausbliebe, bliebe der stand. es hat sich aber bisher immer gezeigt, dass es nie (!) nicht kippt. das kippen ist also bedingung von allem, was kippen kann. was aber könnte nicht kippen?
2543 und ich dachte an stan brakhages film "The God of Day Had Gone Down Upon Him", nur dass meine erinnerung daraus längst den "God of Hay", den "Gott des Heus" gemacht hatte, als sei der "God of Hay" eine zusammenziehung des "God of Day", sobald er damit begonnen hat, auf ihn (den Menschen) niederzugehen, nein, falsch: über ihm unterzugehen. etwa so wie es zu vermeiden sei, dass die sonne untergehe über eurem zorn: "Let not the sun go down upon your wrath: Neither give place to the devil." Ephesians, 4,26f. - was das heuhochdeutsche damit zu tun hat, wäre noch zu erforschen. heu von "hawi, hey, hooi": substantivbildungen zu dem unter "hauen" behandelten verb, eigentlich "das Gehauene", bzw. "das zu Hauende". xirochorto übrigens, im neugriechischen, doch davon abgesehen ist es in allen sprachen vergleichsweise schwachsilbig. dazu käme noch der heuschreck: "houwiscrecko" oder "hewiscrecko" im althochdeutschen, zu "schrecken" in seiner alten bedeutung von aufspringen. ja, wenn der "God of Day" über mir unter geht, dann ist das schon ein grund aufzuschrecken, falls dazu noch zeit sein sollte, aber vermutlich ist in diesem besondren moment dann keine mehr da.
2547 pain is just a french word for bread. aber das ist nicht gemeint. wenn sich die inneren fenster schließen. nein, wenn etwas sich senkt, sich legt, und, dort wo es zum liegen kommt, weiter sinkt und an schwere gewinnt und der raum sich wieder verdoppelt und dann alles zweimal passiert, im raum der negation und in einer gefühlsarmen realität. und so läuft es sich in der negation herum wie in einem sehr trockenen gedanken. der auch niedrig ist wie ein neubau. da sind zwar bäume, aber man sieht ihre krone nicht, denn die decke ist zu niedrig. und das trockene moos bricht unter dem schritt. die erfahrung lehrte, dass dieser doppelte raum in den meisten fällen nach drei wochen verschwunden sein wird. das lässt hoffen. wobei sich unlängst herausstellte: hoffnung rennt, statt zu warten.
2552 falscher flaum. so falscher flaum. und die kluge freundin weiß: "wo sich dünne luft und gewollte tiefe so genau die waage halten, das ist verdächtig, so ein text kann sich nicht lange über wasser halten und verwechselt sein eigenes gestrampel dann auch noch mit tragik." den flaum rauskürzen. gewalt im plüschgewand - davon zeugt der rausgekürzte flaum.
2554 bei uns genießen sie den service der freien objektwahl - und wir wollen nun sehen, wie lange sie von diesem genuss werden zehren können. har har har.
2555 trotz yoga würde ich kommen, stellte ich fest, es fiele mir also weg. doch das, worauf ich verzichte, sollte nicht teil das geschenks sein. (dennoch wird es häufig genau so gehandhabt.) "trotzyoga" verstanden die andern. trotzyoga. so, das bleibt jetzt so. ich beweg mich hier jetzt gar nicht mehr. oder: ich wüll abba nüsch! was denn, was denn, wohin mit dem bein. das bein bleibt jetzt erstmal hier. weil ich der bestimmer bin. und tiefenentspannung? tiefenentspannung? vulkanische effekte, affektuelle manoevrierunfähigkeit, wut, auf derlei versuche folgt häufig migräne.
2556 ein zwergpony, die landstraße, die geschichte mit dem onkel und der truhe, irgendwas auf den straßen westfalens, dass diese fuchshohen huftiere nicht billig seien, ja, das wusste ich bereits. und was man dann mit dem tier gemacht habe - ich weiß es nicht mehr so genau. es hätte vielleicht auch besser ausgehen können, denn ich glaub, gut war es nicht. sondern einfach nur "so".
2557 andererseits sind die dinge, die besonders einfach erscheinen, möglicherweise vergleichsweise ungeschützt gegenüber liziferischem zugriff. das hieße: einfache dinge sind dem teufel gewidmet. aber das kann man so deklarativ auch nicht sagen. oder wie brachte es unlängst frau scho auf den punkt: der teufel steckt in versailles.
2560 und das ist wirklich die übersetzung von "kür mit keulen" ? - ist Ihnen klar was gemeint ist? wer so etwas im sportunterricht nicht hat über sich ergehen lassen müssen, der kann natürlich auch nicht wissen, was das ist. wer dieser körpertechnik allerdings auch nur ein einziges mal unterzogen worden ist, der wird sie nie wieder vergessen. unfug, zu dem man mädchen drängt.
2561 gnade ohne tanz, nein, anmut ohne tanz - was für eine eigentümliche übersetzung im fassungsraum der rhythmischen sportgymnastik. was machen menschen im sommer? ich hab mich durchgetrennt, die ersatzleistungen haben überall gewonnen, und an das, was sie einst ersetzten, gibt es schon keine erinnerung mehr. nichts sei ohne arbeit, nicht einmal das kleinste. schau das laub! ja, ich schaue das laub. wozu aber bin ich gefordert, vom laub, wenn nicht zu einer konzentration im innenraum, von der ich nicht aufhöre, erfreunis zu erwarten. wo aber wäre das gute?
2562 dieser verdammte pulli wurde mir übergezwungen. ich in den pulli hineingezwungen. wie anders ist doch die zärtlich zischende dialektale bildung: unn wass iss mitt demm pullische? (pullische kommt gleisch.)
2564 im rauschen waren stimmen versteckt, aber es waren keine stimmen, es waren stimm-imitierende frequenzen, ich konnte sie sehr deutlich hören. ihre botschaft blieb dennoch unverständlich. wahrscheinlich war wieder einmal einer meiner filter kaputt. der kaffee ist übrigens nicht nur zu stark, sondern auch zu heiß. er gehört also mit zu den dingen, von denen man nicht genau sagen kann, weswegen man sie verrichtet. und das laub füllt den raum mit seinem rauschen. von allen sinnen, die ich hatte, trat in jener zeit insbesondere der hörsinn hervor. er machte sich einen namen. ich wusste ihn aber nicht. die erwähnten filter waren der grund.
2568 zunächst für bedeckte gartenpartien, die durch sträuche oder ranken gebildet wurden: pergula, ein gang in einem garten, zu beiden orten mit räben oder blumen, und stauden eingeschlossen, eine laube und: durch eine laube gehen, per pergulam ambulare. (lauben sein gewisse in groszen lustgärten angelegte und bedeckte gänge mit untermischten hütten oder lusthäusgen) - so das grimmsche wörterbuch. die untermischte hütte ist gewiss auch ort der reverie, des wohlgefallens und der inneren stickerei.
2573 ich las die ganze zeit ein gefühl, nicht eine pflanze, erst viel später sah ich die pflanze, die gemeinte, nachdem in linden grau- und grüntönen, das, was ich für strandwehmut hielt, dahingegangen war, und die knisternde salzwiesenbewachsung zum vorschein kam, weißfilzig und entschieden. noch schwerer hat es daneben der schlickwatt-queller (salicornia stricta.) das arme pflänzchen, der gewalt von salz und osmose so ausgesetzt, bis zu seiner jeherbstlichen versalzung.
2574 danne ist der tac vol, als des tages niemer enist. meister eckhart schreibt, dass gott die welt JETZT mache. und die seele, in der gott geboren werden soll, der muss die zeit und sie muss der zeit entfallen, und sie muss sich aufschwingen und muss verharren in einem anstarren dieses reichtums gottes. (stân in einem înkaffenne - verharren in einem anstarren) da ist weite ohne weite und breite ohne breite (wîte âne wîte und breite âne breite).
2578 saßen unter einer extrem detaillierten sonne, einer so dicht-wischenden tissue-sonne, einer schon dumpfen erhitzungssonne, in trockenheit und ohne lücke, und sprachen über zickigkeit, nein, ich sprach, nein, wie sprachen darüber, inwiefern (ich verstand nicht), innere zickigkeit sinnvoll sein könnte, solange sie sich nicht ein ventil sucht. an innerer zickigkeit litte man ja ganz allein, wie dumm!
2579 das ist das größte jemals (das heißt nie) bemessene säugetier. es heißt vermutlich ein wenig anders, will sagen, ich finde für seine existenz gar keine beweise, aber in diesem einen buch sah ich eine abbildung davon, und es war in der tat sehr groß, sein name sei: belutschistan-ohnehorn, und es gibt keinen grund weswegen ich diesen angaben misstrauen sollte. da hätte ich doch besser ganz anderen angaben misstraut.
2581 auf englisch würde man eine person solchen verhaltens nennen: drummerqueen. aha. sind Sie sicher? dazu hätte ich nur noch beizutragen, dass die tatsache, dass es grenzen gibt, ja nicht heißt, dass man sich die ganze zeit dort aufhalten muss. was soll ich denn dort lernen? unproduktives verhalten für unproduktive situationen - und das weiter und weiter zu verfeinern, nein, ich halte dies für keine gute idee, da kann die drummerqueen noch so trommeln. tusch. tusch. tusch.
2583 so stehen die bäume, und ihr bebendes laub, es lauscht, erst lauscht es, dann wird es um sich schlagen und danach herunterschaudern, und vor dem himmel wedeln die bündel, es passiert immer wieder und bewacht die weltflucht, aber finden Sie hier mal ein stückchen grün, in dem Sie keine motoren hören.
2585 und sah auf ihnen etwas schimmern, geschichtet schimmern, grün und grau, wie die schraffur eines wertpapiers, das pigment wie sehr kleine schindeln, ich könnte sie nicht fälschen.
2586 und immer wieder stellte sich mir die gleiche frage: warum soll ich wesen aus dem fenster werfen, die ihre eigene strafe nicht verstehen? ich musste immer wieder darauf zurückkommen. selbstverständlich soll man kein wesen aus dem fenster werfen, bis auf die fliegenden wesen, denen das gleich sein kann. andererseits nahm das volumen der wut nicht ab, wohin ich sie auch immer räumte. ich erwartete einsicht. freiwillige einsicht. alle straffantasien krankten an ihrer mangelnden nachhaltigkeit, genauso an ihrer fragwürdigen motivation. doch litt ich weiter an dieser wut, die mir zuweilen auch in ihrer unangenehmsten form begegnete: als selbstmitleid. in diesem zusammenhang muss ich immer und immer wieder auf folgendes verweisen: stop feeling sorry for yourself, by stephen fry. vielleicht könnte ich vorerst damit beginnen, tassen oder tesa aus dem fenster zu werfen.
2587 was ist mehr als schlacke? schlacke im hauptraum ist sicherlich mehr als schlacke. und der hauptraum ist natürlich auch etwas anderes als der raum.
2588 die wissenschaft von der vermittlung, eine zwischenschaft.
2590 mein australischer freund sprach vom nerve of truth in oder of the universe - ich verstand nerd of truth - in oder of the universe, und stellte mir dieses einsame zentrum der wahrheit und seinen bewohner, irgendwo da draußen vor, die kabel, die tassen, die eingetrockneten reste darin. »das hier ist aus dem pleistozän.« aha. alles andere routiert in anderen bahnen.
2591 der wind versammelt sie alle in einer ecke. dort bleiben sie. inwiefern das geheim ist? ach, geh doch weg, du windpuschel. du brauchst mich nicht. fürchte die seychellenpalme! ich sag es nur ein einziges mal. und merke dir: sprungbrett und kanzel. proserpina. lavendelbad. das wäre jetzt mal was geheimes. auch nicht viel schöner, oder? ich habe tränen in den laugen. ich wasche dir den kopf.
2593 aus pappe, auch aus pappe, so wie alles andere auch, wie die pflaster aus pappe, die tiere und das modell für den unterschied zwischen langue und langage aus pappe, einen bildschirm zu basteln, - von woraus die pelikan-allegorese zu verlesen gewesen wäre, und dazu eine remote control, zur fernen bedienung, mithilfe derer die pelikan-allegorese zu stoppen, zu beschleunigen oder durch andere programme zu unterbrechen gewesen wäre: nein. lieber nicht.
2595 zur pelikan-allegorese. unterbrecht mich. fabled to feed. its young. with its own blood. so the concise oxford dictionary. anspiel und natürliches ergriffensein. ich brauche eine dritte gelenkung! diese gelenkung ist das gleichnis. alles kann - so gesehen - alles sein und alles meinen. und alles andere auch. es flieht und es bündelt. ein vernichtendes, doch gerechtes urteil für die profane welt. denken Sie das durch. wir erhöhen und entwerten gleichermaßen. das kommt auf die richtung an.
2596 ich sehe die gefahr des trübsinns und der irren ekstase. das schlägt hin und her. was, wenn die erlösung ausbleibt, das muss man sich doch fragen! »Die Trübsal, als welche sonsten das Herz in Demut erweicht, machet ihn nur immer störrischer in seinem verkehrten Gedanken, denn seine Tränen fallen ihm nicht ins Herz hinein, dass sie die Härtigkeit erweichten, sondern es ist mit ihm wie mit dem Stein, der nur von außen schwitzt, wenn das Wetter feucht ist.« die blutstropfen scheinen ihn (den pelikan) zu zementieren, sie stehen in diesem neuen gleichnis für die befeuchtung des nachdrücklichen. herrje! minee! das arme vöschelsche. sacht der pelikan: jetz sitzick hier mit meiner offne brust, und es läuft, läuft, läuft, aber keiner da, ders haben will. böse. böse menschheit, und so weiter, will viel lieber nicht am leben sein. die dumme. ausblutung ohne sinn, das leiden der vernunft. das nur als variante.
2598 haben die kastraten etwas damit zu tun? oder die fast raten? ich weiß es nicht mehr. irgendetwas hindert mich aber auch daran, diesen mir selbst dunklen und nicht besonders anziehenden begriff zu löschen. ich suche nach seinem ursprung. er steht zwischen zwei benjaminschen begriffen, beide aus dem trauerspielbuch, aber ich glaube nicht, dass auch er daraus stammt. sicher nicht. pflasterarten? nein. pflaster und verbände? schon im althochdeutschen gehörten das wundpflaster und der mörtel (im vergleich mit der zähflüssigen wundsalbe) zusammen, hinzu kommt der freie unbebaute platz, der sich von der umgebung abhebt wie das wundplaster vom körper, pflaster und gepflasterter boden. doch im handwörterbuch des deutschen aberglaubens geht es direkt von der pflanze zur pflaume, von der venus geht es, unter umgehung des verbandes, direkt zur verbannung. die suche nach der wunde schickt mich noch mal auf die leiter, nach dem nachlassband. und ich stelle fest, den hab ich nicht. es pocht unter dem pflaster, besonders in der nacht. aber wickeleien? nein, ich glaube nicht. nur immer wieder neue versuche, das pflaster so zuzuschneiden, dass es nicht am tippen hindert.
2601 ich bedanke mich herzlich bei herrn s. für die übermittlung dieses begriffs. er (der begriff) entstammt dem shampoowesen. das shampoo anti-schädigung enthält übrigens cement, was wenig erstaunlich ist. als das lemma vor jahren einmal eine zeitschrift machen wollte, die das lemma dann doch nicht machte, aber das lemma hatte zu dem zeitpunkt des definitiven nichtmachens schon sehr lange darüber nachgedacht, z.b. darüber, wie sie zu falten wäre, es hätte also eine faltzeitschrift gewesen sein müssen, wollte ich die rubrik der shampoo-review führen. ich hatte auch bereits angefangen, mir unter großer konzentration die haare zu waschen und notizen zu machen, ein shampoo mit olivenöl und limone verformte meinen schopf zu einem klumpen. frau augustin vermutete, ich hätte womöglich mich im regal vertan und versehentlich ein dressing gewählt, das war aber nicht der fall und das shampoo wurde kurz drauf auch vom markt genommen. sonst würde ich heute noch vor ihm warnen.
2602 nun zeigt das wetter endlich sein wahres gebiss! beißende kälte! zickige hitze! die wettergebisse sind ein sehr effizienter vertipper, ich danke frau dr. haff für die übermittlung, durch auslassung eines einzigen buchstabens aus den wettergebnissen entstanden. und nun lese ich in einem formular, die aufforderung dieses feld sei »vom wetter auszufüllen« und schaue nach draußen, gewiss wird das wetter dort bald wieder hagel einfüllen, aber heute noch nicht. hier übrigens die wettergebisse für den heutigen abend und morgigen tag: nachts wolkig und besonders vom berliner raum bis zur prignitz gebietsweise regen, am ehesten trocken richtung lausitz bei 16 bis 13°C, in berlin 15°C. morgen vor allem richtung spreewald zeitweise aufheiterungen, sonst wechselnd bewölkt und zeitweise schauer oder gewitter möglich. warme 23 bis 29°C, in berlin 27°C. ich wette, dass ich heute abend mit dem fahrrad nach kreuzberg fahre und nicht nass werde? ebensowenig wie auf dem rückweg? und weiß nicht mal wie die quoten stehen, doch ich verweise in diesem zusammenhang auf das kosmische wettbüro der somnatisten, scrollen sie bitte lesend ganz nach unten, sie werden gewiss nicht enttäuscht sein: das kosmische wettbŸro, zŸrich 1947
2604 der vorstellung prof. x. würde angesichts von göttern, flüssen und tugenden seinen toaster treten, wohnte ein ungeheurer reiz inne. ich sah die küche förmlich vor mir, den frühen morgen, den blick aus dem fenster (quadratisch), und den toaster, noch am netz, aber so schrecklich um seinen stecker hüpfend.
2606 so ovid. damit ist der himmel geschlossen und prall. von dort aus kann sich nur das unheil entladen. und es entlädt sich. heraus aus der auster. das schiff ist verloren. morpheus bereit zum bericht, seine geräuschlosen schwingen bewegt, im dunkel der nacht.
2607 kraftfeld aggression und kraftfeld selbstaufgabe, und der benjaminsche hinweis (jessica benjamin), dass es nicht nur darum gehe, den anderen nicht zu zerstören, sondern dass man selbst in der verantwortung stehe, sich nicht auf positionen zu begeben, auf denen man, psychoanalytisch gesprochen, nachhaltig zerstört werden könne. (der ichneumon zB, ein wieselartiges tierchen, springt in den rachen des krokodils, um ihm vor ort das herz herauszureißen, das war natürlich sympathisch.) ich wiederhole: nur der andere, den wir bewegen, aber nicht zwingen können, kann uns einen teil dessen abnehmen, was das selbst alleine nicht zu ertragen imstande ist. es steht nicht in frage, dass wir den anderen brauchen - die frage ist nur, ob wir ihn oder sie anerkennen können. ich wiederhole: bewegen, aber nicht zwingen. töten ist dann schon ziemlich zwingend. (das andere board wäre übrigens einfach nur das brett.)
2608 im treppenhaus liegt ein stapel kataloge auf dem steinboden: lebe wie du willst. auch das noch. was für eine ausbreitung des willens auf alles. sollte es mir nicht gestattet sein, so zu leben, wie ich nicht will? soll sich denn mein ganzes leben in den willen hüllen, oder der willen sich über alles hinwegbreiten? was ist mit der sinkenden schönheit willenloser vergnügen? wo kämen die vor? und schlimmer noch - wäre dann, alles was in meinem leben geschieht, sache meines willens? mich fröstelt. und lese auf einem zettel, den ich gerade wegwerfen will, den satz, in schneller handschrift: »woher kommt die veränderungswilligkeit«, darunter lese ich: »warum denn wieso?«, in einem kasten und darüber steht: »in ihrer gegenwart kann man sich die fußnägel schneiden.« und daneben: »der dreiohr, der hat einen schallplatten-waschmaschinen«. aha. ich werfe den zettel weg.
2610 aber, aber, aber - das ist doch gar keiner, meine lieben. macht es euch selbst begreiflich.
2613 stürzen dunkle worte auf die platten, zischen. nichts ist. herzlos. ein herzloses gefühl voller muskeln. schlug zu. dann war.
2614 vielleicht werde ich gerade beschossen, via voodoo. aber das hättest du doch gemerkt! ja, ich merke es ja auch, ich weiß es nur nicht. und ob das holzvöschellsche am bettrand hilft? ich glaub, es hilft, es ist nur eine ganz andere folklore. das heißt, es stiftet auch unruhe, oder sagen wir, zumindest synkretismus.
2615 maîtresse transparente des hauteurs. das gegenteil tut alles andere, drei wochen lang.
2616 das heißt, so die kaum leserliche notiz, verben ohne das, was verben tun. große stillstandsenergie. einstweilen trennen und stillstellen. nichts weiter. das ist doch jetzt wirklich uninteressant.
2629 Lorenz Wilkens übermittelte mir den folgenden zusammenhang, von dem ich, als mir das hanballidol erstmals begegnet ist, nicht einmal ahnte: "Ich habe in einem jemenitischen Lexikon, das vor kurzem in englischer Sprache erschienen war, gelesen, daß Hanbalidol ein Tonikum ist, und vor fünf Jahren von einem gewissen Sir Masud Gamal Ali Ibn Khalid (in Khartoum) erfunden wurde. Man soll einen Teel. davon abends vor dem Schlafengehen einnehmen. Man wird beim Erwachen schon am nächsten Morgen seine Wirkung feststellen, und sich mit einem wunderbar erfrischten Geist vorfinden. Besonders das Rechsbewußtsein soll sich demnach in herrlicher Klarheit präsentieren. Es muß mit den entsprechenden Synapsen zu tun haben -: Die Fertigkeit in der Anwendung des qijás - d. i. der Analogieschluß im Recht - wird sich vervielfachen. Die Funktionlust bei der Verknüpfung analoger Fälle und Urteils-Fragmente durchströmt den Körper. "Ihre Fülle gleicht dem Morgenlicht." (ibd.) Sir Masud ist der führende Hanbalit des Sudan (Hauptwerk: "Vorüberlegungen zur Geschichte des qijás".) Ich bin der Meinung, das Tonikum müsse mit hoher Priorität in die Kultur des Instituts für Vermittlung aufgenommen werden." dem ist nur beizupflichten.
2637 er schleicht! es ist so toll, wenn er schleicht! lautlose begeisterung allenthalben.
2641 so zertippt, dass aus dem zertrampeln ein zartes rammpeln geworden ist. der gute fehler, der fehler hat mal wieder alles gut gemacht. und wenn es bei Salamun heißt, (in der englischen übersetzung des gedichtes "a huge white being" von j. beckman) "a huge white being makes love to me on a white pillow / He tramples me gently / I'm calm / He tramples me gently. / He tramples me gently. / He tramples me gently..." - dann muss das doch heißen: er zartrammpelt mich.
2670 so sollte es heißen, dachte ich. es hieß aber anders. und der nicht richtige titel, hinter dem sich noch kein gedicht befand, (denn das gedicht, das ich zu meinen glaubte, befand sich als ein anderes hinter einem anderen titel), geriet mir immer wieder in den sinn. wenn nur noch die schwere wirkt, ach, die armen dinger. und das mir! es ist brettwerdung. und es sitzt in der mitte, oder oberhalb davon und schräg hinten. es ist da. und es bewirkt, dass nichts besser wirkt als schwerkraft, in dinglicher unwucht allerdings. kenne diese treppe. bin schon hinunter. und gehe wie auf dosen, mit technischen gelenken schlechter machart. verdinglichung ist eine schwere. angewiesensein hingetan und weggeholt zu werden. transport. spüren wie die dinge fallen. die dinge fallen schlecht, aber echt. sie fallen kante auf kante und in der zeit. es ist deutlich: poem for falling things. falsche materialien, die sich nicht aufhalten lassen. das zu übersetzen. trockene geräusche. plock. in etwa. unhohl, das heißt befüllt. kein etui. nur füllung. die kraft wird aufgebraucht, im fall schon. es liegt und nichts ist geblieben außer dem liegen. plock. plock.
2787 ein teil-gedicht aus einem groß-gedicht von peter waterhouse, das sich um umkreis der brockes'schen wiesenfabrik unter dem titel WIRKLICHKEITSFABRIK bewegt, innehält und wieder bewegt. das ganze wäre dort zu finden: "was sprache ist"; der prokurist, nummer 1.2 / April 1990

REDEBIBLIOTHEK
Abend. Und es ist Abend.
Morgen. Und es ist früh.
Ein Hören; deutliches Wort.
Ein Sehen; deutliches Wort. Haus ist kein Haus
in dieser großen Stadt, Straße ist ein namenloses Werk.
Einer redet zu den Bäumen, alle Bäume reden
und sind grün und still.
Abend. Da ist der Abend.
Tankstelle, die leuchtet.
Abend, vollkommene Liebe.
Diese Stadt hat keinen Namen, inmitten einer Ebene,
morgen ist sie verrollt. Dann ist es früh.
Abend. Abend. Jetzt weiß
jetzt schwarz. Wechselrede.
Alle Bäume reden.
Bäume.
Rede.
Stadt in einer Sprache
oder Omnibus fährt in großer Landschaft
hell, heiter, weit, schweigend,
hell, heiter, weit, schweigend.
Hell ist die Rede.
2788 das einzige, was sich daraus backen lässt, aus dem ZACK! hervorquellenden inhalt der knack&back-dose seien tennisbälle. ja, oder meisenknödel, sagte jemand anderes. dann müsste man dazu aber noch eine häkelnadel und etwas garn geben, damit man auch alle zutaten zur aufhängung zurhand hat. und vielleicht bei gelegenheit ein paar körner hineinmengen.
2791 ich bekam die liste zurück, das gegenfaktische war darauf nicht mehr zu finden. gestrichen. nun, ich kann gut auf das gegenfaktische verzichten, ich fragte mich nur, warum es triftig zu sein schien, ausgerechnet das (das!) von der liste zu nehmen. eine liste, auf der sich nicht minder, wie soll ich sagen, kuriose dinge befanden, wie beispielsweise "der wazzerugalgu", der "coiffeur anti-bob", außerdem: "eine scheißbude nach art des hauses". wobei ich schon anmerken muss, dass es sich bei all dem eben genannten um äußerst faktische dinge handelt.
2792 pasolinis sockenvollmacht: hat die füße seines so entmachteten lesers in ihren dunklen socken an der wand entlanggeführt, nun steht an der wand was-aber-was zu lesen? oh, eine nachricht ists, die uns noch immer nicht lesbar ist. siehe hierzu auch: superpowerunterhose, a.a.o.
2794 zu diesem stichwort, aber in einem ganze anderen zusammenhang kommentierte daniel falb: "... der hase ist ein klarer fall von übererfüllung. es gibt kaum etwas abstoßenderes und enttäuschenderes als das. ich habe den hasen unter lebensgefahr vom dach geholt, und nun lässt er mich nicht machen! obwohl ich ihn viel lieber selbst geschlachtet und gehäutet hätte, wenn auch erst heute abend. ich habe jetzt gerade keinen hunger. dieses zuvorkommen ist nichts anderes als eine beleidigende offensive des hasen, wo ihm, ginge alles mit rechten dingen zu, keine offensive mehr zugestanden hätte. allgemein gesagt ist z.b. der widerwille des feindes gegen seine unterwerfung etwas, auf das der, der ihn unterwirft, ein gutes recht hat. bleibt dieser widerwille aus, ist er um sein recht und seine beute betrogen. die übererfüllung, etwa die bedingungslose liebe des unterworfenen zu seinem herren, ist etwas unanständiges, denn sie setzt die initiative wiederum in den unterworfenen und zieht den herren in etwas hinein, an dem er niemals – auch im traum nicht – partizipieren wollte. man stelle sich vor, jemand könnte einem alle wünsche von den lippen ablesen, alle wünsche erfüllen, bevor man sie ausgesprochen hat. wie schrecklich wäre das denn! man stelle sich vor, man sei nur von solchen leuten umgeben: man würde gelee werden, verschwinden, ausgelöscht werden. die einzige, paradoxe möglichkeit, in einer solchen situation ein bestimmtes etwas zu bleiben, wäre, vollkommen leer zu werden, absolut kein begehren mehr zu haben. hieraus wird deutlich, was der hase eigentlich im sinn hatte, als er sich selbst schlachtete etc.: die auslöschung seines jägers durch übererfüllung seines begehrens. ein ganz mieser trick also, mit dem er nicht durchkommen sollte."
2803 wünschte mir, nachdem ich den ganzen weg zu fuß und unter tränen mit dem ganzen gepäck und dazu noch außer mir und auf den nicht richtigen schuhen zurückgelegt hatte, stets die idee abwehrend mein handy unter ein auto zu werfen oder zumindest die sim-karte da drin zu essen – wünschte mir dann also am nächsten morgen, es hätte eine nüchterne kontrollgruppe gegeben, mit deren eindrücken ich nun die meinigen vergleichen und bewerten könnte – in ermangelung der kontrollgruppe konnte ich nichts anderes tun als telefonieren und andere leute bitte, mich zu schonen, zu schonen, zu deuten und zu pflegen. das taten sie, weil sie sehr gute freunde sind. was für ein glück.
2807 selbst wenn man aus knack&back-teig, wie oben bereits ausgeführt, nichts anderes backen kann als tennisbälle und meisenknödel, versuchte ich mich dennoch an dem modell einer archaischen hallarena, die es ermöglichen sollte, mit sich selbst einen kanon zu singen. außerdem auf der backliste: händels perücke. haydns perücke. leider die jeweiligen jubiläen verpasst. zu einem anderen anlass, das heißt: später mehr. solang es diese blauen dosen gibt, gefüllt mit teig, gibt es diese blauen pläne, gefüllt mit irgendeinem äquivalent.
2810 redpipe – elektronischer dudelsack aus weichem diodentastbaren leder, sieht sehr aus wie ein hackiger, höchst hackiger damenpumps und das auch noch in ROT, wie schon der nahme sagt. – hier zu sehen - der außerdem über eine baritondrone verfügt. "Veränderungen, die dem musikalischen und technischen Fortschritt dienen, werden wir zu gegebener Zeit durchführen." "bedienungsanleitung als PDF.
2814 … als aber die priester aus dem heiligtum kamen, erfüllte die wolke das haus des herrn, und angesichts der wolke konnten die priester nicht hinzutreten, um den dienst zu verrichten, denn die herrlichkeit des herrn erfüllte das haus des herrn. … damals sprach salomo: der herr hat gesagt, dass er wohnen will im wolkendunkel .. .. ich habe ein haus gebaut …. eine stätte damit du dort wohnen kannst für alle zeiten.. … .. …. ICH WILL IM WOLKENDUNKEL WOHNEN …. zu wolkenjoy, wolkentatze, wolkengemahl DIES.
2816 blumenberg berichtet zu beginn des kapitels "der abwesende löwe" in seinem löwenbuch von der übermittlung eines witzes: "Fontanes Tochter Martha (Mete) schickt dem Vater, dem Heiterkeit vor Alterunlust auszugehen droht, aus Warnemünde eine "Schulszene" zur Aufhellung: Lehrer: Nenne mir 4 Tiere in Afrika. – Schüler: 3 Löwen und 1 Rhinozeros. Fontane gibt den Ulk weiter an den Freund vieler Ferien, Georg Friedlaender, und fügt hinzu: ich finde ihn ersten Ranges, stelle solche undefinierbaren Witze überhaupt am höchsten." nicht, dass einer ausgezeichnet werde, als auf viele ferien aus, nein, eine freundschafliche bindung, eine anwesenheit zur lieben ferienzeit, deren annehmlichkeit viele ferien verschönte. auch ich, dachte ich, möchte ein freund vieler ferien sein, immer wieder, immer wieder, immer wieder südtirol.
2818 herbert j. wimmer fügt freundlich hinzu: "und 2818: in der klemme siezen -ruft mir auf: sich in die klemme siezen, weg vom duzo-way, zu duz-enden. diklemma, syngrätchens fausthänsel." und wies zudem auf den spezifischen sieze-punkt hin: "auch sommers 'wenn it siezzels'."
2819 Ehrenburg über die russische Dichterkolonie im Café Prager Diele (1922-1923): "Hierauf begannen alle Adventisten Berlins, von der Nähe des Weltendes überzeugt, die ‘Prager Diele’ häufig zu besuchen. Was ist Durow äußerlich? Ein Artist? Ein Tierpsychologe? Hier aber nahte, die Berechnungen der Komintern und die amerikanischen Anleihen außer acht lassend, das Weltende (zuguterletzt Schorle-Morle). Wenn man sich daran erinnert, dass ‘Schorle-Morle’ die deutsche Transformation des Generalstaats ‘Toujours l’amour’ der Epoche der Napoleanischen Kriege ist, so wird ein derartiges Ende jedermann, selbst dem Maler Nathan Altmann annehmbar erscheinen."
2822 "The Sinister Quarter, for example, would be a good replacement for those ill-reputed neighborhoods full of sordid dives and unsavory characters that many peoples once possessed in their capitals: they symbolized all the evil forces of life. The Sinister Quarter would have no need to harbor real dangers, such as traps, dungeons or mines. It would be difficult to get into, with a hideous decor (piercing whistles, alarm bells, sirens wailing intermittently, grotesque sculptures, power-driven mobiles, called Auto-Mobiles), and as poorly lit at night as it was blindingly lit during the day by an intensive use of reflection." Formulary for a New Urbanism, by Ivan Chtcheglov.
2829 wie das wehte im diffusen licht eines halbbedeckten tags, in schwerin, auf einer arrangierten wölbung, und ringsum blitzten die scherben in allen arten von blau. da heranzutreten, über die knirschenden scherben, in bewegter rührung nur mähnen zu sehn, blonde mähnen zu sehen. hui!
2832 bin ich durch die ganze stadt gefahren, bin ich. suchte ich nach klarem walnussschnaps aus österreisch, es war eine fixe idee, aber sie hatte eben auch die schlüssigkeit der ideen solcher herkunft. es war aber in berlin kein solcher schnaps aufzutreiben, so dass ich dann mit dem braunen, etwas pastösen likörchen vorlieb nehmen musste. zwar hatte ich ihn noch lange beschallt, er stand vor den boxen und hörte nichts anderes als die haydn'schen sturm und drang-sinfonien – und fort und fort erhoffte ich mir plötzliche klärung von ihm, dass das dunkle ausfiele und ich durch der flaschen glasklare befüllung die boxen-muster nun leicht verzerrt sehen würde, wie es beispielsweise auch der fall ist, wenn ein lichtbeschienenes wasserglas auf dem tisch steht, dort ein blick hindurchfällt – allein, der schnaps (ja, war ja nicht mal schnaps!) blieb undurchsichtig dunkel. ich muss nun leider zugeben: so war auch seine wirkung! obwohl er vorher tagelang in die wellenbewegung der ausgelassenen ordnung haydnscher sinfonien gebracht worden ist. ach, hätt ich doch nur einen mirabell, einen mirabell, einen mirabell mir genommen.
2833 ha! himbeershake! life-saving himbeershake! gefrorene himbeern, milch, zucker, den mixer reinhalten, fertig! dann die nicht nur flüssige emulsion durch strohhalme einsaugen… ha! dann noch einen! noch einen! oh, keine himbeern mehr – das gleiche mit einem block tiefkühlspinat probieren – das nennt man: mangoldtlassi.
2841 ich verstehe nicht, sie müssten doch nur das "D" entfernen. und schon wäre allen geholfen. dazu: ein duftender likör (transparent) und etwas feingebäck.
2842 kristeva über melanie klein: brudermörderische und institutionelle brüche haben die pychoanalytische bewegung immer begleitet, beunruhigt. was nicht vorrangig damit zu tun hat, dass analytiker eine höhere konfliktempfänglichket an den tag legten. ebensowenig mit der vermutung, dass die intensität von trieben und worten, dort, wo sie sich dem gegebenen widersetzt, wahrheitszüge trägt. auf viel dramatischere weise offenbaren die konflikte innerhalb der analytischen bewegung wie unter einem mikroskop die jeder menschlichen kultur eignende grausamkeit – "weil es neuerungen allein an den grenzen des unmöglichen gebe". unlängst auf deutsch erschienen – in einer (es tut mir leid, aber ich kanns nicht anders sagen::::) UNSÄGLICHEN übersetzung, zudem mies (naja, zugute zu halten wäre noch: vermutlich ÜBERHAUPT NICHT) lektoriert. übersetzt in ein deutsch, das alles tut, um verständnis zu verhindern. dabei ists ein teures buch – und so hässlich zudem! (gemeint ist: das cover..) wer kein französisch liest: es gibt eine englische übersetzung, die vorzuziehen wäre, halb so teuer und bei weitem nicht so hässlich wie die deutsche ausgabe im psychosozial verlag, der sich was schämen soll!!!)
2843 kortner probt schillers kabale und liebe mit hörbiger als luise und lohner als ferdinand.
2851 "Ordinary Identities emerge and are rightly cherished, but they remain always a relational web opening to non-Euclidean pasts, presents, and futures. The ordinary is a multipartner mud dance issuing from and in entangled species. It is turtles all the way down; the partners do not preexist their constitutive intra-action at every folded layer ot time and space. These are the contagions and infections that wound the primary narcissm of those who still dream of human exceptionalism. These are also the cobblings together that give meaning to the 'becoming with' of comapnion species in naturecultures. Cum panis, messmates, to look and to look back, to have truck with: those are the names of my game." Donna J. Haraway: When Species Meet.
2853 dass der schäfchenhimmel im englischen makrelenhimmel heißt – wie das? es muss ein ganzer schwarm sein, aber nicht silbrig wie fischleiber glänzen die wolken, wattig sind sie doch viel mehr, und wattige makrelen? nein. nein. das kann nicht stimmen. wer's kann, möge es mir bittschön erklärn.
2858 nicht bar schattig, barsch-artig, das heißt also, eine bar, in der sich alle verhielten: artig wie barsche. kein barsches wort. nur leises, liebes sprechen, wie unter schatten.
2860 "(Ich habe Ben gefragt, was Marrakesch heißt. Er hat einem Freund geschrieben und mir dann dessen Antworten übersetzt. Es gibt zu dem Namen zwei Geschichten. Die eine sagt, dass die Gegend von Marrakesch eine gefährliche gewesen sei, eine von den Wüstentieren heimgesuchte. "MORAKUCH" ist demnach eine Zusammensetzung von "MOR" und "KUCH", von "geh schnell", also "fliehe", und "ein wenig geduckt", also gebückt, und mit zurückgewendetem Blick. Die zweite Geschichte sagt, dass es in Marrakesch eine Brunnen mit bitterem Wasser gegeben habe, denn in der Sprache der Berber heißt "MOR" bitter, und "KUCH" "Schaum". Er glaube, dass beide Erklärungen richtig seien, hat Ben gesagt.) so zu lesen am ende des sehr schönen textes DIE OBSTBÄUME, von michael donhauser, in "was sprache ist"; der prokurist, nummer 1.2 / April 1990.
2865 was mag das wohl sein? das ist das innernäschenäll (das festiväll!!)
2867 um uns der vorhang, vor uns der schulhof, der ulfet-balkon, liegen, liegen und singen. da waren: "blitze im wurmloch" (nach der melodie des refrains von "too drunk to dream"..) – wen alles hielten wir wach – ich fürchte, es war kaum einer oder eine, die wir nicht wachhielten. we saw blitze im wurmloch, we felt guilty at breakfast, aßen das omelett ohne ein wort. es gab außerdem frittierte tomaten.
2868 also, es gibt das irdische grätschen und das unirdische grätschen und das grätschen-schema im allgemeinen, so wurde es mir erklärt, das sei romantik ohne geschichte, das würde nicht erlebt sondern verlebt, wurde mir erklärt, so ähnlich wie bei CSI Miami – der rest ist leider unleserlich.
2869 wenn sich ein geist eines körpers bemächtigt und diesen körper dazu zwingt, tausendmal jenes starlet zu malen, und ihn dann wieder verlässt, auf welchem level ist der geist danach?
2871 die in nitro getauchte muse zeichnet sich von ganz alleine ab, wenn auch spiegelverkehrt. wobei diese tatsache nur dann störend wird, wenn schrift ins spiel kommt. es sei denn, auch die muse bestünde aus zwei verschiedenen hälften, deren seitenweise verörtlichung meiner gewohnheit entspricht. in diesem fall ist der nitro-tauchvorgang nicht zu empfehlen, da seine ergebnisse einen verstören.
2876 man tue dies kraft eines rasters. man berechne seine einheiten. man zeichne das raster. man gewinne elemente. man tue dies kraft eines rasters. man freue sich an der verrasterung. man habe nun kraft.
2877 diese ausgabe der zeitschrift käme nur häppchenweise, denn der rücken werde handverlebt. im gegensatz zur maschinellen verlebung. das geht, der erfahrung nach, viel, viel schneller.
2879 "ein profi?", fragte jemand im mondschatten unter der pergola, "ja", antwortete jemand anderes, und setzte nach kurzer zeit hinzu, "oder ein sehr begabter amateur".
2880 gekühlt ist das mäulchen und minzig. das minzmäulchen ist in einen rand aus dunkler schokolade hineingegossen, wenn das minzmäulchen anhebt zu klagen, bricht diese. klock. so dass man es kaum hören kann.
2881 es gilt den schwung zu nutzen oder den nung zu schwutzen, den schwutz zu nungen (irgendwie unkomfortabel und wenig appealing, nicht wahr?). wir durften aber kürzlich lernen, dass die philosophische betrachtung um schwung nicht bange. das ist gut.
2882 überall seien pilze-sucher und pilz-suche-theoretiker unterwegs. sie behandelten diese tätigkeit wie eine zur prüfung vorgelegte gemengelage, verstörte sich D., als wir die stadt verließen und das schild "michendorf" passierte. (michendorf ist pilzgebiet.) die welt als ingenieursproblem, am beispiel des pilze-suchens. es schien klar, dass D. dies als schwundform eines nicht sehr sympathischen herbstlichen aberwitz' wahrnahm.
2883 hören Sie auf diesen rhythmus: "Wie bei der Stückelung in kapriziöse Teilchen die Majestät den Mosaiken bleibt, so bangt auch philosophische Betrachtung nicht um Schwung." Benjamin: Ursprung des deutschen Trauerspiels.
2884 36 euroletten in zweierstücken rasselten aus dem roulette-automaten, und das bei einem einsatz von nie mehr als 20 cent. automatencasino. man könnte sagen: eine gepflegte insichkehre, man ahnt es ja nicht, auch die lichtdramaturgie ist von draußen nicht zu erahnen, ebensowenig wie der so ausgedachte teppichschnitt, in rot und blau. und diese stille. was muss ich machen, damit leute, einzelne leute, denn es sind fast immer einzelne leute, sich bereit machen, hartgeld in automaten zu werden, die nur sehr bedingt zu steuern sind. limbo-licht. am übergang. bei enormer statik. kein wort. kein wort. automatencasino. diese künstliche, höchst reduzierte andacht, eine atmosphäre, die mich lehrt, dass es nicht möglich ist den zufall einer dressur zu unterziehen, und den stillen raum, den ich brauche um dies zu begreifen und dennoch, neue versuche wider besseres wissen nicht einzustellen.
2885 und dann hätten die damen und herren ihre köpfe verdreht, bis die stolen der damen aus der schulternkontrolle geraten seien, bis sich bei den herren am kragen nackensteife einstellte, das knacken, ein knack- und ein schlagwerk der wirbel. der allseits angeregte raum, der hörbar funkelt (funzelt) im flüsterton. evolutionär, was ist flüstern? was fiepen?
2886 es geht um dieses bild – die kontinente entschließen sich, unseren planeten zu verlassen. ein sehr gutes bild.
2889 solange mir dies nicht als möglich erscheint, muss ich gar nicht damit versuchen, wieder anzufangen. hoch die sammelbüchse! aber was sammeln? wer rasselt, wird zum rand gebracht. und rasselt dann am rand, haha. semmelbuchs – hohei, wie die krümel diesbezüglich dekommodieren.(was??) das macht man, bis es nicht mehr geht, das macht man, bis es wieder geht. das macht man.
2891 sie sind evil. extrem evil. sie sind abgewandt, sehr lange. sie tun nichts. dann, nach wiederholter ansprache, wenden sie sich zu, aber so, als hätten sie ein uhrwerk eingebaut, das jede ihrer bewegungen zur freisetzung von verachtung verzögert. dann tun sie, als verstünden sie nicht was man sagt und man muss es zwei bis dreimal wiederholen, was ihnen zeit gibt, mit der kollegin, die im gleichen verachtungsuhrwerk tickt, sieche blicke auszutauschen. dann sagen sie etwas wie: das gibt es, aber wir geben es ihnen nicht. oder: gehen sie doch rüber zu fogal. wenn man ihnen dann den rücken zukehrt, kichern sie wie sägewerke und nehmen ihre zähne raus. sie sind evil. ich würde gerne behaupten, das sei nun ihre form von kritik, das sei ein punk-ähnliches verhalten gegenüber der konsumistischen verrohung feinster wäsche – allein, ich kann es nicht. sie sind evil. und sie funktionieren.
2892 und es hat jemand gesagt (ich weiß nicht mehr, wer), es sei sehr wohl möglich an die grenzen der gitarre, aber unmöglich an die grenzen des synthesizers zu gehen, das sei der vorteil der gitarre. und der mangel des synthesizers. wir wandelten im grenzgebiet von beidem, ohne jemals das zentrum gesehen zu haben.
2910 wenn der zu lange das haus nicht verließ, biss er um sich, sprach er beißend und er schlug. der schlug den kopf gegen den türstock und haute die zähne ins gebälk. der zog die nägel über die fugen und trat nach der wehrlosen wanne. die so wehrlos nicht war. schickt ihn hinaus. gebt ihm auslauf.
2911 dazu gibt es irgendwo eine zeichnung.
und noch eine.
2912 hier lässt sich nichts mehr machen. hier bleibt opak wie kautschuk oder wirr wie gewöll etwas dazwischen. etwas liegen. und hindert den blick. wie den gedanken. etwas, das man weder werfen kann noch formen. einhegen wäre mein vorschlag. und einen wegweiser aufstellen, der fort davon weist. wenn der dann verfällt, weiß man nicht mehr wieso.
2920 hm. es wissen vielleicht ortsfremde nicht, wofür landeck steht. es handelt sich um das pfalzklinikum für psychiatrie und neurologie, oder wie man früher sagte: die kreisirrenanstalt in der idyllischen südpfalz. auch klingenmünster ist ein so klingender name. 1888 wird das klinik-freibad fertiggestellt, überwiegend von patienten erbaut. landeck hold'em nannte ein versierter pokerspieler das spiel, das wir unsererseits bei mangelnder beherrschung der regeln: für texas hold'em hielten.
2931 Hindurch ging ein Licht, der im Frost zur Weißglut erstarrte Michigansee und die geräumten Gehwege, so gesalzen, dass sie weißfunkelnd starrten, Salzkristalle feuerten das Licht zurück. Hindurch ging ein Licht, implodierte in sich, in Hirnen, oh mein Brain, als würdest du schmerzen und ich es nicht spüren. (Riding und Para-Riding, Roughbook # 15)
2953 das medium ist die message. das erpresserische schreiben wurde mir als laubsägearbeit übermittelt. ich antwortete mit einem salzteiggebinde. daraufhin brachte man mir eine neue drohung in form dieser mit stricken verzierten töpfe für pflanzen. ich vergaß wie man das nennt. und nein, das medium ist nicht die massage.was können wir tun, damit das medium die masssage wird? ich habe dieses gedicht (vertont? verbaut?) ver-fasst? (im sinne von gutem anfassen.)
2960 Hört ihr das, was was was was, das miere being der Dummheit, ein Ausruf, siehe auch das Geschehen im Mottokopf des Stuplimity-Kapitels, Moment, was steht da? Da steht: "There is stupid being in every one. There is stupid being in everyone in their living. Stupid being on one is often not stupid thinking or stupid acting. It very often is hard to know it in knowing any one. Sometimes one has to know of some one the whole history in them, the whole history of their living to know the stupid being of them." (Gertrude Stein: The Making of Americans) – es ging oder geht dann später auch darum, was sich verdickt, ändert, wie das noch zur Beziehung, äh, wir benutzten Eimer zum Transport von Was-auch-immer-darin ist. Oder auch: die Markierungen auf der Bordkarte, mit schneller Hand hinzugefügt, während man noch auf der Erde ist, und die mich, wenn ich wieder auf der Erde bin, orientieren sollen, es sieht aber aus, ja wie? Oder was? Sie orientieren mich nicht. Meist sind es weite dichte kringel. Und ich betrachte sie sehr lange. K üstensauger.