Anhang 1001 - 2000

1001 Wichtige Vorgabe in der Affektbehandlung: wie wichtig es gewesen wäre, zwischen den Orten der Täschung besser zu unterscheiden, stellt sich zuweilen im Nachhinein heraus, wenn das was als Vernunft sich gab, Empfindung wird und vice versa.
1002 siehe Begriff n° 1001
1003 Einem Verstorbenen nachgeschickt, hier von Ursula Ziebarth an Gottfried Benn.
1005 Wie sich Proteine ballen! Dann: die Nachbearbeitung zur Creme, das wuchtige Schwingen des Industriequirls – wenn man das Flüstern dieser soften Masse hören könnte...
1006 Ersatz. Ein Wort, dass in einer anderen Sprache eine neue Beschäftigung fand.
1007 Als wär es seine Adresse, seine Hütte, dabei ist es nur der Rachen des enormen Wels.
1009 Die stumme Kommunikation im großen Schwimmerbecken, in Köpfen, die eintauchen und auftauchen und eintauchen und auftauchen..
1012 Eingeklemmt zwischen Dämmplatten, Hauswänden und Kacheln. Doch wenn man diese entfernt, sind sie befreit und nicht unbedingt dankbar.
1017 Durch das fehlendes T wird die Weste zum Wesen, dass sich um dich legt, dich schützend umgibt und Splitter abwehrt.
1022 Ein Turm mit Blick auf die Ehrentribüne der Avus, in dessen rundem Obergeschoss ein 24-Stunden geöffnetes Cafe ansässig ist. Die Kellnerin, überaus freundlich und souverän, geht mit der unbeugsamen Aufrechtigkeit einer russischen Ballett-tänzerin.
1048 Der amerikanische Auslandsgeheimdienst habe begonnen Katzen als Agenten auszubilden, implantierte Mikrochips und einen Sender im Schwanz der Katze. Hinzu kamen Lektionen in Lenkbarkeit und Gehorsam. Bei ihrem ersten Probeeinsatz wurde acoustic kitten von einem Auto erfaßt. Das Projekt erlebte keine Wiederauflage.
1060 Wenn in einem Hotel der Tag an allen Enden ins Weite geht und die Strukturen transparent werden, so dass man nicht mehr weiß, ob der Tag erst noch beginnt oder ob er schon aufgehört hat, kann Alkohol hilfreich sein. Nachdem man das Trinken begonnen hat, hat der Tag aufgehört anzufangen, dann geht er einfach immer weiter vorbei, eine schiefe Ebene, an deren Ende der Rausch steht, der keine Unterschiede mehr macht. Man muss sich keine Mühe geben und beginnt um 3, oder sagen wir um halb 3 (how are we doing Gt-wise?) mit einem Gin Tonic und strukturiert den Tag im Kommenden entlang weiterer Drinks. Immerhin eine Möglichkeit der Unterscheidung. Zappendorf Astoria. Klink Klank.
1061 Das Resultat aus 1060 + 1. Die Lücken, die stochernden Synapsen und der verdammte Ramsch, mit dem die Lücken aufgefüllt werden.
1064 Die Berliner Lesung wird begünstigt durch alle Formen der Berliner Ökonomie: Zeitverlust, Verschwendung, Heilserwartung, Mangelwirtschaft.
Das Gespenst der Gentrifizierung geht zwar umher, aber sein Radius bleibt begrenzt. Da, wo die Gentrifizierung nicht mehr weiter kann, überlebt wie eine Utopie die dumpfe Klitsche, die keiner haben will - die man sich billig nehmen kann. Es gibt die verkapselten Idyllen eines dahingerafften Mittelstandes, der seine Ladenlokale räumen musste, die dann - von der anderen Seite des Ladenschlusses aus - der Berlin-Kultur übereignet wird. "Komm, wir lassen alles drin und nennen es den Metzgerclub, den CopyClub, Blumenladen oder Sonnenstudio."
Angesichts des hohen Leerstandes von Büroflächen lassen sich die Marketing-Leiter großer Immobilienfirmen hin und wieder zu einer Kooperation in Sachen "trendy Zwischennutzung" überreden. Wertsteigerung durch kulturelle Bespielung heißt das Versprechen. Die zwölfte Etage des gläsernen Büroturms in der Oberbaumcity wurde so zum befristeten Domizil von Lesebühnen. Was für eine spektakuläre Aussicht auf den regen Zugverkehr am Ostbahnhof bot sich dem Publikum. "Drehen Sie sich um, wir sind nur das Hörspiel in ihrem Rücken. Schauen Sie nicht uns an, schauen Sie den Nachtzügen nach." Und das Publikum drehte die Liegestühle in Richtung Vollverglasung und verhielt sich still und selig.
Aber eigentlich ist das auch schon vorbei.
1078 ein gelenkiges Begehren: der stete Ausbau derselben Methode - dein seelischer Fleiß - kann als Plateau oder Parkplatz begegnen, so wie ein Begehren endlos gesteigert sich eher als Platte als ebene Fläche und nicht als ein Hochmast mit Wimpel versteht. Rennen. Nicht rennen. Fichten. Der Trimmdichpfad der Seele.
1101 Im januar 2002 brachten hendrik jackson und ich oswald egger in köln zum bahnhof. wir sprachen über die vorangegangene veranstaltung, auf der hendrik und oswald vorgaben über den kreuzzug, den kreuzgang der poesie zu sprechen. eine veranstaltung von nachgerade heroischer unverständlichkeit, die sprache vor sich her tragend als stumm geblümten schild. thomas böhm, der gastgeber sprach später, zu tisch, in einem ergonomischen italienischen restaurant, das in meiner erinnerung (aber vermutlich nur dort) osama hieß, von einer "veranstaltung ohne dressing". am nächsten tag im taxi begannen die widerspenstigen panelisten plötzlich das sprudeln - der taxifahrer öffnete das fenster - das gespräch bewegte sich zu den mikropoetischen koordinaten eines novalis, zu leibniz - der Taxifahrer drehte das radio auf - seitliches befremden, pneumatischer herauszug, aufbrausende bulgen, zwischenlitoral, das gevierte nichts, der kreis dessen zentrum etc - bis der taxifahrer mit köllscher Verve schrie: hörnn se uff! isch krisch n infarkt. Später beteuerte er noch nie seine Fahrgäste unterbrochen zu haben, und das wetter, ein heller, heller Wintertag sei doch auch ein Thema, aber er habe bluthochdruck und könne es daher nicht mehr länger.. und bäte uns freundlich .. ruhig zu sein. Wir sahen es sofort ein, schwiegen freundlich, waren freundlich, lächelten. nur später, als ich mit Hendrik auf dem Rückweg war und er meinte, dass wir beinahe Zeugen des Krepierens der köllschen Frohnatur geworden wären, kam freundschaftliches Gelächter, ganz aus geweitetem Herzen.
1108 Am Sushikarussell zu sitzen macht mich nicht glücklich. Immer wieder die Aktualisierung des Wunsches für einen weiteren Happen, den man bekommt oder nicht - immer wieder die Aktualisierung der Frage - will ich das wirklich? (Siehe auch 1093) Und dann drehte sich darauf, für etwas das sich anfühlte wie Stunden, eine frittierte Teigtasche - sonst nichts.
"Tut sie dir leid?" "Wer, die Teigtasche?" "Laß uns gehen."
1112 Die Liebe zwischen Auguste Bußmann und Clemens Brentano beschäftigte sie alle. Und so werden Briefe geschrieben, Briefe, Briefe geschrieben. ("Clemens ist wütend in Auguste Bußmann verliebt und sie auch in ihn, vergißt ihren Offizier. Dies giebt auch eine Geschichte" - so Meline Brentano an Friedrich Karl von Bovary am 4. Juli 1807: der Auftakt, einer der ersten Schläge auf den Kreisel, drumherum die Arnims und die Savignys, die Grimms und die Brentanos. Und wie er sich dreht… dreht, bis sich Auguste, gründlich durchkommentiert am 21.04.1832 "in der Charwoche ihrem Haus gegenüber an der Kleeblatt'schen Schwimmanstalt ertränkt (..)." So Clemens an Christian Brentano.
In: Requiem für eine romantische Frau. Die Geschichte von Auguste Bussmann und Clemens Brentano. Nach gedruckten und ungedruckten Quellen, überliefert von H.M. Enzensberger. Berlin 1988.
1114 Kompetente Moderatoren gehen nach der Unwetterwarnung dem Stand der Vorbereitungen bei den Verantwortlichen der freiwilligen Feuerwehr nach. Moderatoren insistieren. Hagelkörner groß wie unterschiedliche Dinge in rund. Das könnte alles Mögliche sein.
Da ist Jens, dessen akademische Laufbahn schließlich als Hagelassistent von Kachelmann ein vorläufiges Ende fand. Wo immer sich Hagel ankündigt, wird Jens mit Helm und Kühlmodul nach draußen geschickt, um Prototypen einzusammeln. Kachelmann besitzt neben seiner professionellen auch eine private Hagelsammlung, die er in einer zum Kühlhaus umgebauten Garage konserviert.
1173 .. auf seine rasende Entschließung setzen ..
Die Materialien des Affekts und wie man sie zu richten hätte, gäbe es darin eine Materialität. Die keilförmige Vernunft, gewaltsam - man hört schon die Schläge vom Hammer und vom Meißel, gedimmt durch die Gelassenheit, die, glaube ich, vorn nicht spitz ist, sondern gerundet, wenn überhaupt sie ein Werkzeug ist und nicht eine Lösung, eine Emulsion - diese keilförmige Vernunft sehe ich vor mir als ein handwerkliches Aufgebot der unbeteiligten Sorge.
1174
       Auf dem Geklüfte auf und nieder streifend
      Sucht sie, ob nicht ein schmaler Pfad sich biete
      Für einen Wunsch der keine Flügel hat
      und da sie jetzt auf einen
      Granitblock stehe, von nicht mehr Fläche
      Als eine Gemse sich zu halten braucht
      Vom ragenden Geklüfte rings geschreckt
      Den Schritt nicht vorwärts mehr, nicht rückwärt wagt.
Auf getrenntesten Bergen - gesprochen mit einer Ruhe, mit einem Takt, einer Stimme, die ich höre, die weit dahin geht, in der dünnen, leicht violetten Luft.
1189 Als mein Bruder an Pfingsten in Berlin zu Besuch war, beobachtete er etwas irritiert wie eine Gruppe angetrunkener Mitdreißiger sich an den Händen fasste und versuchte, in Zungen zu reden. Der Heilige Geist, der viel beschworene, blieb aus. Obwohl ein winziges Stückchen fadenförmige Asche durch das Zimmer trieb wie eine Markierung, eine Boje, anzuzeigen die Anwesenheit eines Geistes, der wie ein Hauch wäre. Die Freundin meines Bruders war derweil schweigsam und wäre lieber in den Zoo gegangen, aber in gewisser Weise waren sie ja schon im Zoo.
An diesem Nachmittag schlug mein Bruder zweien meiner Gäste vor, sich so lange in die Augen zu schauen, bis etwas passieren würde. Und sie hörten nicht mehr damit auf, beide ebenso willensstark wie stur. Sie übergingen die Phase, in der die angespannte Situation durch den Ausbruch von Gelächter aufzulösen gewesen wäre und machten weiter. Nachdem sie sich mehrfach gegenseitig niedergestarrt hatten, ohne einen Gewinner zu ermitteln, hörten sie nicht auf, sondern hielten den Blick mit gekrümmtem Rücken. Ihr Bezug aufeinander verlor jede soziale Funktion und bekam eine künstliche, opake Qualität. Wie Worte, die man so oft wiederholt hat, bis sie nicht mehr zu gebrauchen sind, nichts mehr bedeuten und zu bizarren Objekten werden. Und als die Starrenden nach mehr als einer Stunde fragten, was denn passieren würde, bitte, meinte mein Bruder nur: Hann isch vergess.
1192 Viaduct? Why a duck? Kein Enten-band, sondern ein Druckfehler, ein kleines Häkchen für die Aufmerksamkeit - und der Auftakt zu einer Phase in der ducktape mir in immer wieder anderen Kontexten immer wieder begegnete. (Und ich kann heute, zwei Jahre später nur noch zwei davon ausfindig machen, das macht mich wahnsinnig.)

Various Readings of an Illegible Postcard
Horny or Harm seems an ordinary home.
Or having seen the orchard and hives,
I'm satisfied I've picked the dark pocket
pink or satisfied, pickled larx protect the jinx.
You know I'm trouble with Dixie cups, croquet
and wicker or humble with desire four (cough)
the wicked. Ago? A queer little dog grazing
or gazing lives in my room or ivys my nous.
They have a saying here about the duct-tapes boots
or They keep savvy bees in case the butcher balks
which is not cool is nausical is nonsensical.
Attention trick eye! A tension trickles
or After swimming we found the housekeeper dead
I sing or swing. Let's keep her dear!
All day an unmade bed. One day you'll be young or
going as he who homesteads in foreign castles
deserves or whose domain feigns, casts designs
say, like shadows on the ourhouse door or
the outskirts humoring me or out-skirting rumors
last as long as keeping honey
or homey or phone me, money? - Yours

(Christine Hume, from Musca Domestica, großartiger Band)

Über Tom Sachs
"I wonder how familiar Europeans are with duct-tape, a favored material of Sachs. In America, duct-tape is widely used as an inexpensive and relatively effective means for temporarily 'patching up' the effects of wear and decay. There is no particular skill required to work with the material, which, like other materials belonging to Sachs program (glue-gun, foam-core board) is a favorite of the handyman and home-hobbyist. To this extent it is 'democratic', with all of the loss of 'Old-World craftmanship' that this implies. While it is a 'low' matirial, it comes in a fabulous array of designer colors (all but gold, Sachs has noted). I remember thinking when I first saw Sachs 'Mondrian Pictures' in his New York studio, not ling after the spectacular Mondrian exhibition at the Museum of Modern Art, how absolutely logical for him to replicate these pictures in his medium of choice.
1200 Kein Sommerhimmel mehr:
flirrend - zu welchem Punkt
wir auch die schmerzenden
Augen erheben.
Jetzt ein finsteres Blau,
das schon
der Raum schwärzt.
Die sinkende Herbstsonne
in unserem Rücken
setzt den Kieseln am Weg
spitze
Hüte auf.
Und ratlos,
so ungelenk,
stehen wir mit unseren langen
Schatten in der Landschaft -
Stelzenmänner;
auf ironische Weise,
ehe es Nacht wird,
noch einmal
erhöht.
Reiner Malkowski (1939 - 2003)
1203 Die Leere ist nur ein besonderer Zustand
dessen was da ist und wird nicht gedacht.
Hat sie Wände, Ränder, hat sie Gänge,
hat Schalen aus Plastik in pfiffigen Farben
Hat teaser im halbstündigen Rhythmus
womit sie die Leeren an die Leere erinnert.

so rückt sie sich selber ins Zentrum, sie wird nicht gedacht, hab ich gesagt, diese kleine Kammer jenseits des Denkens aus der das denken seinen Ausgang nimmt, sie wird nicht gedacht, Plastik denke ich, und der Geruch von überhitzten Plastikgehäusen, diesen so typischen Geruch, die ersten Fernseher, die ersten Copyshops.. Studios.. all diese überhitzten Geräte, ich dachte, so riecht die Leere, die Leere riecht so, wenn man etwas anderes will als die Leere… da kommt sie ins Rotieren..
1207 Was machen Männer schon nachts in Hammer, sagte s. und lachte ihren ganz besonderen peripatetic laughter, please come back, we miss you so much und Australien ist auch nur ein land.
1223 Dass ich entsetzt gewesen sei, sagte ich, auf der behäbe schwappenden Ostsee Schwäne schaukeln zu sehn, Schwäne gehörten doch nicht auf das Meer! dass es Hochseeschwäne gewesen sein können, sagte jemand und schaute drollig. Auf unbequemen Stühlen wurde mir das Bein taub, trotz all der Zigaretten und der Nervoesität.
1250 i ve been told: if you were from estonia and you would meet someone form lithuania you would always say: saldejums - and then you would laugh your head off. Why? I don t know, you just say it - and laugh. What does it mean? I don't know. I think it means something like (Rücksprache mit dem Übersetzer) H-eis-d-hiele.
Estonian actually is a language in which the word "Prost" sounds like "dirtyseks".
1263 Liza Johnson: "My lieblings-begriffs are the ones made by loving the fresh mistakes of language-as-a-second-language. Since mistranslation is generally one of the major embarrassments of travel, migration and displacement, it requires a special moment to experience it instead as poetic act of alienation." Hier rief nur ein etwas verstörter Übersetzer an und fragte: what the hell do you mean by degreehiking? - Auslautverhärtung made me do that: Gradwanderung.
1298 verlängerungen
so sind wir dagestanden, wir, die gruppe
als die wolken endlich kamen: den kopf zurück,
die arme ausgestreckt wie äste, das herz noch
offen und gedehnt vom reden in der wärme
auf den wiesen, in den nächten, in den bergen.

in den großen ferienorten la grande motte bei montpellier / muss man jetzt millionen läden schließen,
die waben dicht / gemacht von innen für den frost, den es im süden gar nicht gibt

himmel, diese geraden rücken, dieses warten,
wir, als gruppe haben uns ganz lang gemacht,
so lang der sommer war - haben wir auch
angst gehabt? angst nicht, vergangenheiten
hatten wir, große und erinnerungen, jeder seine,
die das heute, das, was jetzt heißt, in die enge treiben,
wo in der andren ecke schon der winter hockt

ab jetzt hat alles konsequenzen. gehört zu uns
viel deutlicher. haben wir, hat unsre gruppe,
denn wirklich lange ausgehalten, wirklich alles
ausgemacht? ist wirklich nichts mehr übrig?

longing, sagt man anderswo und weiß es schon,
dass sehnsucht eine form der verlängerung ist.

1301 Sie schwammen hinaus ins freie Meer. Immer hinaus, immer ins Weite, auf die paar Lichter am anderen Ufer hin. Angst mischte sich mit Willkür, mit Mutwillen und Entschlossenheit. Ihre Arme langten nach vorne. Die Entscheidung umzukehren, in die andere Richtung zu schwimmen, mit jeder Armbewegung aufzuschieben, mit jedem kraulenden Armschlag, der sagt, immer hinaus. Eine Meile unter ihnen gab es Fische, groß wie Laken. Sie mussten mit der eigenen Kraft rechnen und sie sagten das einander. Immer weiter in diesen salzigen Teich, der ab jetzt die ganze Welt war. Sie dachten an nichts mehr, sie wollten nur noch ebenbürtig sein, sein wie die Elemente. Groß und Grundlos. Die wilde Neugierde der Wellen amüsierte sie. Wellen wollten alles wissen. Die Freundschaft des Wassers war unvorstellbar. Sie sollten noch bleiben - und die Zeit wurde knapp. Das Wasser hatte bald den Überschuss abgeschöpft, ihre überschüssige Willkür, die überschüssige Kraft ihrer Arme. Der Atlantik schien mehr von den beiden haben zu wollen, als sie besaßen. Gerard schrie: Das Meer übertreibt. Und Estelle wusste genau, was er damit meinte. Das war das letzte, was sie sich entgegen geschrieen haben.. stumm sind sie weiter geschwommen, immer darauf bedacht, sich nicht aus den Augen zu verlieren. Die Schwere der Arme. Dann kamen sie endlich näher. Merklich näher. Da war der andere Strand. Noch fern. Gerard schwamm an ihrer Seite wie ein Tier und Estelle an seiner Seite wie ein anderes Tier. Eine letzte Welle haute sie auf den Strand. Und wie mit einer perfekten kosmischen Dramaturgie begann es hell zu werden. Unter ihrer Haut raste hellrotes Blut. Salz. Dann kam die Sonne. Und später auch die anderen.
// ich wollte diese overvoice, ich wusste auch von wem. das team hingegen blieb skeptisch. das nächtliche meer. das schwappen. die stimme. ich wollte diese overvoice, ich wusste auch von wem.//

1307
pond
says he: grief is a pond.
says i: yes, grief is a pond.
because grief lies in a hollow,
stagnant, rank, shot through with fish.
says he: and guilt is a pond.
says i: yes, guilt's a pond, too.
because guilt sloshes about in a hole
already reaching the flattened pit
of my stiffly upstretched arm.
says he: deceit is a pond.
says i: yes, deceit is also a pond.
because on summer nights you can
picnic on the banks of deceit
and something always gets left behind.

Übersetzt von Nicholas Grindell.
Siehe auch http://epram.org und da insbesondere das jüngste Projekt: Ideengänge.

>>after a lengthy period of gestation and preparation, epram.org finally presents its answer to the dilemma of walk documentation, adapting the algorithmic approach of generative psychogeography to include a module for generative documentation, based on a toolkit of literary fragments borrowed from heinrich von kleist, who was doing this kind of thing 200 years ago.

the resulting texts are recorded on postcards and sent to distributed remote locations for evaluation and storage by anyone who wishes to receive one.
the kleist toolkit was reconstituted and adapted for use in this project by thomas goldstrasz and nick grindell. full, in-depth information on the Ideengaenge project, including details of how to order your postcard,
is available at the epram website: http://epram.org <<
     >>>
     "Ah, darlings, these walks are like a poet's dream,
     and the lushest imagination couldn't describe Berlin
     more beautifully than Kleist's ideas, that open up
     to us and then snap shut, that strike us as barren
     and then smile our way or startle us.
     [>>> Idea 28]
1308 Anxiety comes later with a disproportion of raincoats and knowing the groundlessness of our beliefs. I've lost my skin to immense, complex summers and the meaning of words to the uncertainty of fact. Not just the rivers, the riverbeds too are shifting.
Rosemarie Waldrop, from The Perplexing Habit of Falling: Mass, Momentum, Stress
1319 "You mean he's actually got honour?" said someone. "One should always maintain a few shreds of honour", I remarked. "In order to give people something to violate." "I don't know if that qualifies as honour." "It's faux honour, and it's every bit as good for the purpose I just described."
(Mary Gaitskill: Processing, from: Because they wanted to).
1322 Ah, love, this is fear. This is fear and syllables
and the beginnings of beauty. We have walked the city (..)
Was für eine betörende Eröffnung, das Gedicht heißt "Sunrise", von Robert Hass, das Buch heißt: Praise. "We asked the captain what course / of action he proposed to take toward / a beast so large, terrifying, / and upredictable. He hesitated to / answer, and then said judicously: I think I shall praise it.".
1325 "Einmal im Jahr veranstaltet in Rotterdam die niederländische Stichting Poetry International ein Treffen mit Gästen aus aller Welt, bei dem Nobelpreisträger neben den Stimmen aus kleinen Sprachen, entlegenen Gegenden, untergehenden Traditionen lesen. In dieser Umgebung hatte Poesie, hatten die vielfältigen Gesten, Gewänder und Gesichter des Poetischen etwas ungemein Offenes, Tröstendes, einander Zugewandtes, jedenfalls nichts Marginales, und sie erreichten damit für Augenblicke das, was Kofi Awoonor aus Ghana, mit rollender Stimme als die Aufgabe von Gedichten in seiner Kultur beschrieb, nämlich: >>to confuse the demons<<." Brigitte Oleschinski, aus Reizstrom in Aspik. Köln 2002
1327 Das ist was der Schnee macht, wenn er auf die Stadt fällt, bevor er schwarz wird und daran erinnert, dass er eigentlich in die Berge gehört.
1337 weil die horrende Geschmacklosigkeit dieser Komik, der Überbietungszusammenhang eines ungeheuerlichen Humors, die brutale Respektlosigkeit, die bösartige Schartenbildung und durchgeknallte Zusammenziehung von Zeugs, das niemals zusammengehört - weil all das zusammen eine irrsinnige Form quasi anarchistischer Erkenntnis ergibt. wobei das eigentlich gar keine Erkenntnis ist, sondern vielmehr ein Treffpunkt, als würden sich zwei Schizoide hälften eines Schizos miteinander verständigen und der Schizo selbst müsste vielleicht gar nichts davon wissen.
1345 Wir wandten Land-Art auf diese Insel an, wandernd. Sprachen darüber, was wir machen wollten. Jemand wollte Tröge, überall Tröge aufstellen und sie mit einer transparenten Folie überziehen, Tröge in denen sich nichts sammeln sollte, auf einer vulkanischen Insel. K. daraufhin mit großer Begeisterung: Eine Ziegenverarsche.
1346 longing. longing. longing. dass es keinen abschied gibt von dieser langen dünnen dauer..
1350 In der Hitze des Mittags beantworten wir keine Fragen mehr. Die Pappelblätter, die halbbekleideten Freunde, die sonnengewellten Blätter von Büchern. Der Zugriff lässt nach. Die Welt ist wie durch den Langeweilefilter besehen und sehr warm.
1352 Das Kratzen seiner stumpfen Krallen auf der Veranda unseres Ferienhaus, wie schrien ihn an, wann immer er reinwollte, jemand kaufte Hundefutter, er war freundlich und verstört, sein großer Kopf nicht schön, sein gewaltiger Kiefer, das schwarze glanzlose Fell, gebrochene Kraft. Nachdem sie ihn wegbrachten, hörte ich noch tagelang das Kratzen seiner Krallen auf den Kacheln. Wie ich diese zugelaufene Anwesenheit vermisste..
1364 "Aber wo hast du bloß diese Daten her?", fragte Polanco höchst erstaunt.
"Aus einem Buch, das mir Bud Flakoll geliehen hat, und das ich ihm schon zurückgegeben habe. Die ersten Maori-Schritte auf die Schöpfung zu sind die folgenden: da ist die urprüngliche Leere, und auf diese Leere folgen: die erste Leere, die zweite Leere, die weite Leere, die ausgedehnteste Leere, die trockene Leere, die großmütige Leere, die liebliche Leere, die gefesselte Leere, die Nacht, die schwebende Nacht, die fließende Nacht, die seufzende Nacht, die Tochter des unruhigen Schlafs, der Tagesanbruch, der ständige Tag, der strahlende Tag, und zuletzt der Raum."
"Du lieber Himmel", sagte Polanco.
"Du wirst verstehen, dass die Übersetzung etwas frei ist", erklärte Calac bescheiden, "wenn du in Betracht ziehst, dass diese Dinge heißen Po-teki, Te Powhawha und dergleichen Phoneme mehr."
aus Julio Cortázar, Reise um den Tag in 80 Welten.
1381
Hirschübung

über die Landstraße treibende Streifen,
durch Wälder geflößtes, sehr streng
bemessenes Weiß,
und wir folgten den Sprüngen, den Streckungen
dieser durchbrochenen Linie, Wildwechsel,
Glätte, Gefälle, an Rastplätzen lagen
bedingunglos schlafende Bänke, von Nässe
gequollenes Holz, und die braunen gebogenen
Rücken der Berge verwundete Fellflächen,
Kahlschlag, verendete Pfade, und wir
mit Karacho, wie Simulation von Wind
zwischen brusthohen Zweigen,
Geweihen in Wattejacken verpackt,
mattes Hirngespinst (Fallträume),
Fünfender, Fingerzeig
        aber
        wir rochen nach Seife
        nach Veilchen und Teichwasser, vor uns
        die furchtbare Vollständigkeit des Kommenden
bald harthufig der Frost
(Marion Poschmann)
1382 die Gruppe hat stundenlang darüber nachgedacht: soll die Weisheitsebene immer nur in Operettenverpackung erlaubt sein? oder in Verpackung irgendeines deplatzierenden Dialekts?
1396 "It is perfectly clear that nobody ever explained to them what it meant to be in a group in which I was present." W.R.Bion, from Experiences in Groups.
1417 Wo auf der anderen Seite der Ersatz schon winkt? Ich sehe einen Bahnsteig, ich sehe Schienen und ich sehe ein geschäftiges Team von Beleuchtern und Aufbauten, taghell, mitten in der Nacht. Keine Ankunft, nur die, die schon vor Stunden in den Zug gestiegen und weg sind.
1422 "This slow disappearance, this infinite attrition to the end, may illuminate the very remarkable passion of certain women who became poisoners: their pleasure does not lie in causing suffering nor even in killing slowly, bit by bit, or by stifling, but rather it lies in reaching the indefiniteness that is death by poisoning time, by transforming it into imperceptble consumption; in this way they brush with horror, they live furtively below all life, in a pure decomposition which nothing divulges, and the poison is the white substance of eternity."
Blanchot, from Two Versions of the Imaginary.
1433
tour de trance
my task, she said, was poisening time

wie sich alles drehte, wiederholte, dehnte,
und rotierte, die wärme war a space so vast,
so katastrophisch groß, war sie arena
worin die trümmer von objekten trieben,
wilde schläge in der ferne, keiner hörte,
jeder fühlte, die wellen der erschütterung.
wo etwas fehlte, wurde alles größer,
drehte sich, rotierte, kam in's schlingern
und blieb dann in der mitte liegen.
die müdigkeit war eine kur, das gewicht
der atmosphäre, halluzinogene leere
federte, es drehte sich jetzt weniger
als wären die schläge, in dem was sie sind
gegenstand der verdünnung, als würde
die zeit, der reißende raum, präzise und
zärtlich vergiftet, in ihrem gewebe stiege
die chemische schwäche, es schäumte,
erstickte, das weiße lager der krusten,
das sich formierte, wird reicher und toxisch
verrauschten die schläge, es dreht sich,
dreht sich unmerklich, und steht.
1441 Das große Talent der Vorräte besteht darin, alles was eindringt zu binden. Bevor der Schiffsrumpf birst die späte, schon dumpfe Erkenntnis: Wir haben Reis geladen.
1443 Saß ich mit J. auf einer Bank im Garten des Musée Rodin, während am Brunnen die Dreharbeiten vor sich gingen und E. immer wieder voller Verve ein Buch in den Brunnen warf, dann vom Ton verfolgt längs durch den Park rannte und T., ohne die Schuhe auszuziehen, in den Brunnen stieg, um das Buch wieder herauszuholen. Ich glaube, wir wußten es nicht so genau. Und um uns her, die Tauben..
1452 "The capacity to move my hand from left to right arises on a margin of indecision and doubt winding into vertiginous inner stairwells, but only when adjacent shadows have cooled the long summer sun toward a more introverted, solitary quality of light for the benefit of eyes tensing to see the dark before concepts. This is an attempt to make up for inner emptiness in the way that Fred Astaire and Ginger Rogers dance with more desperate brio to add a third dimension to their characters. Nevertheless the capacity does not explain how the meaning of individual words can make a tent over a whole argument. It is not a feeling, but a circular movement to represent the transfer of visibility toward dream without abrogating the claims of body."
Rosemarie Waldrop, from Lawn of Excluded Middle
1454 Wir müssen doch auch an die Nordkurve denken, sagt der Herr Verleger. Wir denken an die Nordkurve. Ein starkes Bild für Draußensein.
1473 Bestimmung in drei Stimmen
"Nein, ich stelle mir einen jüngeren Mann mit üppigen rötlich bonden Locken vor, mit angenehmer Tenor-Sprechstimme (aufs Singen kommts hier nicht an), ausgestattet mit der Kunst, die Adäquanz möglichst weniger Sätze zu möglichst vielen Situationen immer wieder unter Beweis zu stellen. Jede Gesellschaft braucht diese Funktion. Schäbige Arroganz unserer Gesellschaft zu meinen, wir hätten es hinter uns. Sentenzenbertie (keineswegs identisch mit Heinrichs Senta) ist andererseits alles andere als ein Abbé. Er ist ein durchaus sportlicher Typ, der aber immer Anzüge aus kräftigem Wollstoff trägt, unter dem man aber die durchtrainierten Glieder ahnt. Und dann, wie oft bei Rothaarigen, diese etwas graue, gewissermaßen überschattete Gesichtsfarbe, hinter der sich aber ein goldenes, nur selten sarkastisches Herz verbirgt." (L. Wilkens)

"aber auch das könnte sentenzenbertie sein. (harry, fahr schon mal das henna vor). vielleicht auch das im kaleidoskop der identitäten eine kurze shiny einstellung und schon sehe ich bertie vor mir, auf englischem rasen, in englischem tweed, unter deren/dessen sophisticated blick die welt ihre second-order-übersichtlichkeit preis gibt (gefügt nach sehr sehr speziellen maßgaben)... während andere in den französischen überseedepartments und der welt der reinen anschauung nach dem rechten sehen, dem richtigen suchen.. fällt dünner niesel auf den rasen --- und die ein oder andere sentenz.." (M. Rinck)

"Wo sich doch zunächst Herrn W's Bertie-Fantasie in Fis-Dur auf angenehmste Weise bei mir in Schwingungen fortgesetzt hat, die den Geschlechterirrtum zu einem oszillierend-irisierenden Geschlechterblur von orlandoschem Zuschnitt geraten ließen. And I see my beloved red-haired scottish lady Tilda Swinton smiling at us. Vielleicht kann das uns ja noch retten, denn: leur souris avait la douceur d'un souvenir et la gaieté d'un promesse, wie eine andere, französische, Lady so schön sagte." (U. Marxreiter)
1474 Es war kalt auf der Insel, es froren beide Lager gleichermaßen. Neuankömmlinge lernten schnell zu unterscheiden. Nach einer Nacht unter dünnen Laken, fragte R. ob es hier ein Deckendepot gäbe. Es war klar, dass wir Deppendepot verstehen mussten - Hier! riefen wir. Where do you think you are?
1482 Als nähme man etwas - aber was nimmt man, wenn man vorlieb nimmt, was hab ich mir genommen / nichts, was ich nicht kriegen konnte, vorlieb eben. die liebe vor der liebe? etwas, das der liebe vorgelagert ist, ein noch nicht? etwas das ich bereits durchschritten habe - ein davorliegendes, zu dem ich nicht mehr zurückkann?
1485 Der Kommentar zum Tisch, den wir noch wollten, einen Tisch noch, höhenverstellbar, Anstaltsseligkeit, "Passense abba uff, dass Sie sich das Büro nicht übermöbeln" - wir passten auf..
1486 Ein weihnachtlicher Geschenke-Rebus: Eine Ente, gemeint war der Bürzel, abzüglich rzel, das Che-Guevara - Ikon, abzüglich Guevara, ein Reh, ohne das h und Wurst im Sinne von egal = ergibt = einen Gutschein für ein Bücherregal. Dann hat das Stapeln auf Tischen und Koffern ein Ende, vorübergehend, ein Ende.
1491 Wenn es später wird im Jahr, homophon hineingeschmuggelt ein strenger Geruch wie von falscher Fruchtbarkeit: etwas gärt.
1493 Nester zu bauen ist im Tierreich ein weitverbreitetes "rhythmisches Zeremoniell", wie Gilles Deleuze und Felix Guattari dies Verhalten nennen, das verschiedene Funktionen wie Schutz, Werbung und Verführung umschließt. Cord Riechelmann, aus: Bestiarium.
Oder auch:
"Man beginnt, es immer mehr als beschränkt zu empfinden, unwillkürlich erworbenen Wiederholungsdispositionen einem Menschen als Charakter zuzuschreiben und dann seinen Charakter für die Wiederholungen verantwortlich zu machen. Man lernt das Wechselspiel zwischen innen und außen zu erkennen, und gerade durch das Verständnis für das Unpersönliche am Menschen ist man dem Persönlichen auf neue Spuren gekommen, auf gewisse, einfache Grundverhaltensweisen, einen Ichbautrieb, der wie der Nestbautrieb der Vögel aus vieler Art Stoff nach ein paar Verfahren sein Ich aufrichtet."
Musil, aus: Der Mann ohne Eigenschaften: Auch die Erde, namentlich aber Ulrich, huldigt der Utopie des Essayismus.
1496 Calling himself "the auto-rity of nonsense" (avto-ritet bessmyslitsy), Vvedenskij once claimed to have conducted "a poetic language, more fundamental than that of Kant."
1497 So kommen die "soft skills" daher, die Hand wie zurückschreckend vor einer schrecklich nachgiebigen Materialität. Kein Zugriff, kein Zugriff. Die Einsatzkraft zieht sich zurück, verhält sich ruhig.
Zu der//n Fertigkeit//en:
"Fertigkeit gehört zu allem Tun, auch dem des philosophierenden Gedankens. Aber sowenig das Philosophieren eine bestimmte Fertigkeit ist (wir sind peinlich berührt, wenn sich einer einen Philosophierenden nennt), so wenig ist die Philosophie ein Inbegriff oder das Produkt von Fertigkeiten. Natürlich gehört Fertigkeit dazu, eine bestimmte Methode zu handhaben und ihre Handhabung zu kontrollieren, nicht minder als zur Verfertigung eines Gedichtes und deren Kontrolle. Aber es gibt nicht den philosophischen Gedanken neben dem unphilosophischen Gedanken, sondern nur das philosophische Moment des Gedankens gegenüber seiner Leugnung oder Beschwichtigung. Dieses, ob es sich bekennt, oder, sich selbst verstümmelnd, nicht wahrhaben will, ist nichts anderes als der Moment des Einspruchs in der Vereinigung des Getrennten, auf die jeder Gedanke zielt, zugunsten der noch nicht geglückten, aber erstrebten, der besser gelingenden, der endlich ganz gelingenden Vereinigung.
Klaus Heinrich, aus: Versuch über die Schwierigkeit nein zu sagen.
1501 "What really happens is that the old hide-bound reason-ridden associative faculties, whose job it is to go fetch, are instructed to open the territory of the search, to bring back words that sound right, no matter what they mean. A kind of echoic rolodex constantly spinning, spin and click. Look, the rational, discursive intelligence is so powerful and necessary, the tyranny is almost inescapable. If you're writing a poem about a panel discussion, there will always be microphones and glass pitchers and lecterns and so forth, and you're stuck, predictable, boring. How to get to some surprise?"
1508 "aidos ('shamefastness') is a sort of voltage of decorum discharged between two people approaching one another for the crisis of human contact, an instinctive and mutual sensitivity to the boundary between them. (..) The static electricity of erotic "shame" is a very discreet way of marking that two are not one." Anne Carson, from Eros the Bittersweet.
1511 Etwas anderes: W.R. Bion schreibt in seinem Buch "Second Thoughts" über die Arroganz des Ödipus "(..) in the personality where life instincts predominate, pride becomes self-respect, where death instincts predominate, pride becomes arrogance. Their separation from each other and the lack of evidence of any relatedness is evidence that a disaster has occurred. To make clear the connection between these references, I shall rehearse the Oedipus myth from a point of view which makes the sexual crime a peripheral element of a story in which the central crime is the arrogance of Oedipus in vowing to lay bare the truth at no matter what cost."
1514 "eine grün leuchtende anzeige an einem alten bandabspielgerät eines freundes (einer der letzten wahren helden, die immer noch musik von bändern hören), die nichts weiter kann als grün zu leuchten und den zeiger in ihr wild nach rechts und links zu werfen, wenn man an einem der zwei drehknöpfe des gerätes dreht." (P. Wolters).
1515 "genau dieses verlangte die etwas angeheiterte mutter eines freundes bevor sie nun nach einem schönen fest ins bett gehen könne - >wenn ich nicht vorher ein stück regierungsschokolade bekomme, werde ich nicht schlafen!<" (P. Wolters) .
1516 "fußballkommentar zu herrn wörns (verteidiger bei borussia dortmund)" (P. Wolters).
1526 "1526 bis 1529: titel von arbeiten eines japanischen lack-künstlers" (P. Wolters).
1535 "der (..) elterliche betrieb war eine gaststätte mit großem saal und dementsprechend großen besteckschubladen, die nicht gut einsehbar waren. oft zog ich auf der suche nach einer gabel einen löffel aus der gabel-schublade oder wahlweise die gabel aus dem messer-fach. bei kontrolle des gesamten inhalts der jeweiligen laden mußte ich des öfteren feststellen, daß ich es geschafft hatte, blind das einzige "falsche" element zu ziehen (selbst wenn ich vorher in guter alter glücksfee-manier durchgemischt hatte!). seit dieser zeit (in der ich es durchschnittlich einmal die woche schaffte, mich total zu vergreifen) benutze ich diesen spruch gerne, um typische miesigkeiten die mir passieren zu charakterisieren." (P. Wolters) .
1537 wäre die staatliche bezuschussung zur anschaffung eines ponies (analog zum mutterschaftsgeld) - zur beförderung der ponydichte. ach, der moment, wenn ich in begleitung meines herausgeputzten ponies zum ersten mal meine lieblingsbar betrete, es wäre gerade mal so hoch wie ein barhocker und könnte mir ansonsten als mobile sitzgelegenheit dienen. sein tapferes schnauben, die frequenz seines gelegentlichen wieherns und seine augen, zwei nasse bassins, aus denen mein blick, zärtlicher schon zurückschwappte. und an der frage, wie das pony und ich später, viel später dann ein taxi finden, das uns zurückbringt, wird nach wie vor gearbeitet.
1541 eine Parodie des Durchdrehens mit der Aussicht, dass einem etwas entgegen kommt, das sei seine Definition von Religion. Meine Überraschung und das Nachdrehen des Gedankens, bis hin zu seiner grundsoliden Ausrichtung.
1545 Das Verfassen eines Essays, schreibt Adorno, sei der Erfahrung vergleichbar, in einem fremden Land ohne Diktionär zu lesen.
"Wie freilich solches Lernen dem Irrtum exponiert bleibt, so auch der Essay als Form; für seine Affinität zur offenen geistigen Erfahrung hat er mit dem Mangel an jener Sicherheit zu zahlen, welchen die Norm des etablierten Denkens wie den Tod fürchtet."
1552 mister would you please help my pony / he's over there behind the tree / he's down in the dirt would you help him / I think it's his lung / mister would you please help my pony / he's over there looking at me … und ich bekam das nicht mehr aus dem kopf, damit fing es an. danach bekam ich das känguruh (du kannst das känguruh töten, aber nicht das träumen des känguruhs) nicht mehr aus dem kopf, das känguruh träumte das pony und beide träumten sie mich. dann taten wir uns alle drei zusammen und träumten kafka. kafka aber träumte einen argentinischen traum und wir konnten ihn nicht wecken.
1560 gerahmte Organismen zu ermöglichen, das sei was er machen wolle, erklärte er mir am Telefon, und das ganze handele von Freunden, von Gruppen, von Ermöglichungen, von dem, was man tun will, von vierundzwanzig Stunden, von dauer, und die ganze Nacht über hätten die Kostümbildnerinnen weitergenäht - noch um vier, um fünf uhr früh, hätten sie ihm Kostüme übergestreift, aus Folie, Kacheln, Pelz und Styropor. und die anderen habe er nicht abstreifen können, so dass eins zum einen kam. Ich sah, wie sich der Schweiß in den Vordertaschen des durchsichtigen Regenmantels zu kleinen Pfützen sammelte, darin die Fingerkuppen der Tänzerin. das macht nichts, das sind Profis, sagte er.
1562 dark matter meets Stehlampe. klick. klick. klick. klick. sie brennt, sie brennt nicht mehr. warum momente immer so kurz sein müssen, das weiß sie nicht genau. gehäkelte Deckchen im Kosmos, die große Ordnung der dinge, hier wird die zeit gemacht. Schlaufen reihen sich auf Schlaufen. wir müssen alle oberflächen schützen. Coursework, erinnerst du dich, darling - wir lasen den ganzen Max Weber in nachempfundenen Beichtstühlen, die im All umhertrieben. Das stille Leuchten der Stehlampe, der Ehrgeiz und das Weltenall.

       Schaut nicht den Mond an
       Streckt nicht die Zunge raus
       Der Mond ist rund
       und eure Zunge ist fern.
       (Bejamin Péret)

1563 dieses frühe gezwitscher, sagte sie, diese, diese verräumlichung des zukünftigen auf irgendwas zu, all das durchquerte, fedrige und die kleinen kehlen, ich will jetzt was höheres als haarewaschen.
1564 ob man sich Selbstverleugnung einbilden kann, musste ich sofort wissen - nachdem sich plötzlich mit dem Schlüssel im schloss der beängstigende Gedanke eindrehte, dass das, worauf ich gewohnt bin, mich unter dem vorzeichen von Selbstverleugnung zu beziehen, vielleicht gar keine ist, sondern am Ende ein, mein Kontinuum und gar nicht die zurichtende Modulation? file under Selbstverleugnung. tu s zu den andern. (ich weiss es immer noch nicht) (dass sowas nicht aufhört)
1565 soll der text wirklich so anfangen, hab ich H. gefragt, mit so einem deutlichen ICH gleich zu anfang, so schutzlos und ausgesetzt, kannst du das wirklich machen? stimmt, hat H. gesagt, ich schreibe: "weltall winke winke" davor.
1570 Ich schwöre, man muss gehört haben, wie Steffen Popp, sein Gedicht CREDO lesend, mit gleichsam getriebener wie hoppelnd abgestoppter Stimme dem Schweigen der monolithischen Blumenbank entgegen stürmt.

       ".. im Schwerefeld einer Klappcouch sieht man mich
       nach Schönheit graben, unbeirrt
       gegen das Schweigen der monolithischen
       Blumenbank!"

Steffen Popp: CREDO, in: Wie Alpen. kookbooks, Idstein 2004. S. 24
1571 am Ende waren sie es dann gar nicht, waren gar nicht gezückt. im Gegenteil. Gründlich verzückte Distanzen waren es. so so.
1572 "Dagegen sind Häuser, in denen Teller, auf denen Früchte, übel vermengt, vergessen werden, die Häuser von Toten." Reinhard Lettau: Flucht vor Gästen.
1574 der Gedanke liegt nahe, dass auch die Erde ein Schaf ist. Das ist doch ein Schaf, deine Erde, sag ich, mach dich damit vertraut. wohingegen die Ziegen, auf getrenntesten Bergen, da machst du dir kein Kleid nicht draus, mir entgegenfrierend.
1575 "Nachschaun in den Taschenkalendern der vergangenen vierzig Jahre, was heute los war? Beobachtung der Dinge im Schrank in der Küche, Tassen, Gläser alle unvermengt mit ihresgleichen allein. Still wie Wild." Aus: Reinhard Lettau: Flucht vor Gästen.
1577 in ron winklers gedicht Junifigur, in seinem neuen band "vereinzelt passanten", kookbooks, heißt es am ende: "diese heilanstalt ist dir die liebste."
ps: nimm die schmalen landschaftssäulen und mach damit, was du willst.
1581 "In the absence of a novel aha I will take a stirring huh? any day, and Ugh Ugh has huhs aplenty."
Jordan Davis bespricht Joanna Fuhrmans zweiten Lyrikband: Ugh Ugh Ocean. The constant Critic.
1582 Spediteure haben Gurte, sie packen die Pappen mit der Effizienz des nicht fahrigen Handgriffs, dann fahren sie weg mit durchdachten Paketen, denn die Belehrung muss heute noch in Elsaß-lothringen sein: was man gewohnt ist zu tragen, scheint entweder zu leicht oder aber genau richtig zu sein.
1588 siehe: www.europenner.de
1593 die erfindung der algebraischen geometrie sagte herr reichert (himmel, ein moderator wie ein prisma) war eigentlich, und da hatte er recht, ein zutiefst poetischer akt.
1594 das e in evolution, sagte herr grünbein, sei das gleiche e wie in elegie und übrigens auch das gleiche wie in entropie. die sestina hingegen, sagte herr pastior, lehre dem hirnforscher das denken, die kombinatorik der eingefleischten logik, but for a prize. a prize. dem hirnforscher der zukunft, der sich über sestinen beugt, als archäologe einer anderen gattung. science fiction. nicht dass es um human voices ginge (and we drown) - wir wollen stimmen zweiter ordnung erheben. der hexameter sei das leitmedium der metaphysischen dichtung, sagte herr grünbein. so kommt es daher, das sind seine schritte. schön auch: darwins - wie war das - kohledunkle augen - das bergwerk der taxonomie, i ve seen it all, der abgrund zoologischer augen, dann die labiale konsonanten-explosion am altersblinden plotin - der welt mangelt es an der beschreibung. es ist ja nur: die nachahmung einer vorstellung von nachahmung.
"ach, mimisch, mimetisch, wer weiß" - -
sagte frau christensen mit ihrer himmelhohen stimme, seiltanz und balance, und auch das e in eleganz gehört dazu, hab ich gedacht.
1596 Ulrich wieder, der auf seine Erscheinung, eifersüchtig ist, "wie auf einen mit billigen und nicht ganz lauteren Mitteln arbeitenden Rivalen" -liefert uns im Kapitel 68 des Mann ohne Eigenschaften "Müssen Menschen mit ihrem Körper übereinstimmen?" folgende Überlegungen:
".. merkwürdigerweise hat die Mehrzahl der Menschen entweder einen verwahrlosten, von Zufällen geformten und entstellten Körper, der zu ihrem Geist und Wesen in fast keinen Beziehungen zu stehen scheint, oder einen von der Maske des Sports bedeckten, die ihm das Aussehen der Stunden gibt, wo er sich auf Urlaub von ihm selbst befindet. Alle diese gebräunten und muskulösen Tennisspieler, Reiter und Wagenlenker, die nach höchsten Rekorden aussehen, obgleich gewöhnlich ihre Sache bloß gut beherrschen, diese Damen in großer Kleidung oder Entkleidung sind Tagesträumer und unterscheiden sich von den gewöhnlichen Wachträumern nur dadurch, dass ihr Traum nicht im Gehirn bleibt, sondern gemeinsam in freier Luft als ein Gebilde der Massenseele körperlich, dramatisch, man möchte in Erinnerung an mehr als zweifelhafte okkulte Phänomene sagen, ideoplastisch gestaltet wird."
1603 hab ich zuerst notiert und dann bekanntgegeben:
tibout und herbertine sind fein raus, sie schreiben ein buch, jahaa, das buch zum film. zu diesem zweck kaufen sie sich angler-westen, um schreibblöcke in jeder größe systematisch unterzubringen, ruhelose sony-professional-cyborgs. herbertine gibt in großer garderobe vor großem panorama die korrespondentin vor ort, fliegendes haar, bei gleichzeitigem helicopterstart.
tibout sitzt zu hause, schreibt. vielleicht das ein oder andere bild von ihr beim tee kochen, papierkorb ausleeren, wieder rauf kommen, tee trinken, rauchen, tippen. computer ausschalten, schlafen gehen.

so bilden die beiden den rahmen. herbertine, überall (kamerun, guadeloupe, togo, paris, damaskus, istanbul) mit dabei, führt interviews: "Und Sie, was tun Sie hier?" tingelnd von grüppchen zu grüppchen, informationen durchgeben, mutwilliges misreading und faktentreue. nervensägen, rahmenhändler, rahmenhandlanger, parasiten. cocktails trinkend in der meta-hängematte.
komischerweise, dachte ich später, kamen überhaupt keine einwände.
1604 die tänzerinnen tanzten weiter bei neonlicht, zu, wie ich fand, ungemein uninspirierten industrial beats, während unsre laienkörper auf dem treppchen saßen und wir weiterhin, verzweifelt, über einen guten titel grübelten. .. dass keiner geht, bevor hier nicht .. bevor hier was? .. ich weiß es nicht ..
1605 gedicht nummer 28 von edoardo sanguineti: reisebilder. daad, berlin, siebziger jahre.
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ich habe Genet verteidigt und das argument der furcht (in london schloß er: d'autres / vont vues tuer), mit schlechteren argumenten (von dieser art: die ethik / der furcht ist die sicherste - und die wahrhaftigste), gegen dein misstrauen und deine widerstände: / (ich habe auch gesagt: man sieht, dass Genet die menschen kennt - besonders die weißen): / ich gebe dir allerdings gerne zu, dass mehr politik vonnöten ist: //

und dass es schwerer -/ wiegende gründe gibt, für George Jackson zu unterschreiben: wie sein Brief / an Mrs. Fay, april 1970, mit seiner definition von faschismus: in diesem sinn / kann ich sogar sagen, dass viel von einem neger in mir ist, hereingelegt / wie ich mich fühle, in einen ebenso grausigen mummenschanz (auch wenn mir völlig / klar ist, dass ich ein mann der kleinen küstenschifffahrt bin, wie Mao sagen würde, / und dass es ein kleiner gedankenfisch ist, der in mir immer diese schrecklichen stürme entfesselt): //
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1611 "da mŸssen sie die herren feudel fragen" - ich sagte: gut. und: danke fŸr die auskunft. bin gegangen wie geheissen und fragte mich, was das wohl hei§en mag, und was es wirklich hie§. ich hŠtte fragen sollen. ich hab nicht gefragt.
1613 das glück macht euch traurig, bemerkte f. als er vom federballspielen zurück kam und wieder hin zu den freunden trat, die inzwischen ihr thema gewechselt hatten, nicht mehr von ungerechtigkeit sprachen, sondern vom glück, gedämpft, die augen ins weite gestellt. das war ein pfingstpicknick. wir lagerten unter bäumen. die moralische wanderpeitsche wurde erst später weitergereicht. oder war es kurz davor?
ps: leider, auch in diesem jahr versandete der versuch in zungen zu reden, obwohl wir uns zuvor (und auch fürderhin) an den händen fassten und erst die konsonanten, dann sogar die vokale ausließen. next time. die guten freunde. ich liebe euch. bleibt einfach da.
1618 you know, the french, they have a word for decountrifying, sagte sie. kurz darauf fiel es ihr ein.
1619 Javier Marias schrieb über Barthez, den Keeper im Tor der Franzosen, er sehe mit seiner gelehrten Glatze, seinem gestutzten Bärtchen und seinem charakterlosen Kurzarmpullover aus "wie die sommerlich gekleidete Karikatur eines Existenzialisten, wie der Hofnarr oder Helfershelfer jenes Winterwesens Beauvoir-Sartre."
.. écume des jours ..
1622 steigerungsform von pubertär. wenn gar nichts mehr geht, und die rauen kehlen quieken unter dem zugriff der hormone. they'll be human again.
1623 der übersetzer aus dem polnischen auf dem podium stellte die frage in den raum, was besser sei: im lichte der qualmenden lampe, oder: im lichte der blakenden lampe. letzteres war seine version, die bessere wie er meinte. qualmend, glaub ich, sagte der moderator mit seinen gedanken schon ganz woanders. kurz darauf wurde es ihm trotzdem klar. als wir dann nach acht stunden übertragung aus so vielen sprachen am berliner dom entlang zum alten museum gingen, machte H. publik, was für uns alle galt: "mir blakt der kopf." - aber, wie schön das war, wie schön.
1624 das haar ist eine sendung, hab ich gehört, als beispiel für die schräggestellten aphorismen des ungarischen epikers. unmittelbar einleuchtend.
1626 ob er auftragsarbeiten vorzöge wurde Adam Nádasdy gefragt. ja, hat er gesagt. die muse käme flinker einher, beim geruch von dichteradrenalin, ausgestoßen angesichts des herannahenden redaktionsschlusses. aber nein, ernsthaft, es sei anders, er habe eine box, in der er "notizen sammeln pflege" und in der er auf nachfrage "pflege herumrummeln". wieviel schöner ist das doch ohne den dazwischen zischenden infinitv. "ich pflege herumrummeln."
I wish I would.
1627 language-as-second-language-begriff - das ist schon richtig, verstummen plus verkümmern plus verstümmeln. all das gehört zusammen. und das gegenteil jedes einzelnen ist schon ein plan, ein plan gegen alle drei.
1630 "Wissen Sie, was Feudel sind? (Gewiß nicht.) Es sind - vielleicht aber doch - Wischlappen. Haben sie etwas mit 'feudal' zu tun? Mit Sicherheit - den Zwang, sie vertikal einzuordnen", so schrieb mir Lorenz Wilkens. Von dort aus war es dann wirklich nicht mehr weit.
1631 in der englischen übersetzung hieß es: He's a sheep turd dried out by the turf. im gälischen original: ina chac tirim caora ag an mhóin. in der deutschen interlinearversion: er ist schafskacke, die vom torf getrocknet wurde. greagoir o'duill erklärte mir, es sei shit of vegetarian animals. but not fladen or äpfel. smaller. ich sagte: we need a animal-shit from A to Z, und greagoir o'duill: we need a langenschitt dictionary. am ende wurde daraus: Schafsköttel, über Torfflamme gedörrt - das ist er.
1633 Es war nach den Eröffnungfeierlichkeiten für die Plakataktion "Literaturhäuser bringen Poesie in die Stadt" - vorbildliche Kellner reichten bereits während des Festakts sehr vorausschauend Sektgläser in die Reihen, die sich dann im weiteren Verlauf der Ansprachen unter unseren Stühlen sammelten - später saßen wir im Garten des Literaturhauses und plauderten. Und ich suchte etwas, in meiner großen Tasche, die mich als mobiles Basiscamp begleitet. Was das war, weiss ich nicht mehr, I forget. Später, auf dem Heimweg, fiel ich nicht nur einmal mit dem Fahrrad um, sondern zweimal (and then she did it again) - zuletzt in meiner eigenen Straße und dachte: das ist ja nun wirklich sehr sehr. It was a cooperation of Lindenschmodder and Alcohol, erklärte ich Don Berger Jahre später. well, here's the poem:

I Forget

Everything you've never read of mine scolding itself for not being published,

The chestnuts whacked the glass when the bus went through the branches in the fall,

There was a metal statue of a wild boar in wild grass at the rotary in Dahlem,

There were a lot of real ones in the ditch next to King's Avenue, Koenigsallee.

At the café outside Literaturhaus once, Monika Rinck took at least 85 things from her pocketbook and covered the table with them, and then she did it again.

In German I told someone I was from England.

Internal life's rich, too, but couldn't compare.

This slip of paper says go over the mosquito bridge, the Gate to get to it, and then the Templehofer riverbank.

Gyorgi Ligeti over dinner used to ask questions like, can machines think.

The street, at many times, loved my eyes, like it was letting them lead.

There was world weight and world force whether the rain would come, like someone whispering.

I stood 20 feet from the real Holy Grail in Valencia but never saw the thing.

I first thought Christian Rothman's painting that I loved was called The Funny Bachelor not The Merry Widow, but he himself said it could be either.

The ads on the outside of the buses carried questions like Who has the overview? Who brakes? Who makes place?

Why, I asked Ulrike Draesner once, in German, Why is your English better than mine?

The strength of that green around the patio and the push of the music, both of these organically sad and exceptional,

I was only afraid when I didn't have words for what I meant or when the words I had were wrong.

- poem by Don Berger -

1634 sagte klaus heinrich in loccum und mit welcher leichtigkeit, verhalten schwungvoll, im bogen seiner hohen stimme, ihm das über die lippen ging…
1639 im ungarischen ist nicht von einem fachidiot die rede, nein von einem fachbarbar - was passt, was besser passt, viel besser.
Lorenz Wilkens schrieb mir daraufhin: "der Fachbarbar hat es mir angetan, der kreuzfeudale. Zuerst konnte ich das Wort gar nicht lesen. Ich kam nur bis "fachbar". Aha, ein Adjektiv. Warum nicht? Eine Sache, die ins Fach paßt, eben fachbar ist. Doch dann noch einmal 'bar'. Nun ja, die Bar, also: die Fachbar-Bar. Was gibt es da? Ja, die üblichen Schnäpse schon, Pernod, Scotch, Metaxa, alle, die eben fachbar sind. Doch alsdann: d e r Fachbarbar. Was sollte das sein? Ich Idiot, der Fach-Barbar! Ein Fremder in seinem Fach? Oder überall außer in seinem Fach fremd? Wohl Letzteres, denn sonst hätte man ja simpler sagen können: der Fachfremde. Hier aber der durch sein Fach Fremde. Paßt gut auf einen Philosophen. Oder ist das Wort irgendwo durch Mißverstehen des Wortes 'Nachbar' entstanden? Der Sprecher hat sein Mißgeschick bemerkt, f statt n zu sprechen, und ist dadurch ins Stottern geraten: 2mal bar statt des einen Mals. Probably as simple as that."
Ich schrieb zurück: "man denkt sich dort (in ungarn) die sache anders. der fachidiot, seine nervoesität und seine scheue vielleicht (wenn ich an dostoevskij denke) - idiotikos: das private. laienhafte. volkstümliche. dann der barbar: fremd, nichtgriechich, ungebildet, roh. auch fremder, ausländer, der heimischen sprache unkundig. das wäre ja nun auch der fachbarbar - seinen eigenen verhältnissen fremd. wohingegen der idiot nur sehr bei sich wäre.. da kommt es her. der eine von innen, so verinnerlicht, dass er nicht mehr nach außen senden kann, der eine von außen, dass er, geächtet vielleicht auch, gar keinen bezug zum innern des anderen mehr schaffen kann - das ist vielleicht die erklärung."
1640 dass B. eine kreuzfeudale person sei, hab ich gesagt, und dass es sich gehört, dass es sich jetzt endlich mal gehört, dass jemand anderes als sie die postfreudianische psychoanalyse im feuilleton vertritt.
1642 ..you re welcome..
1643 oder hieß es nicht "in ewigkeit ananas und champagner" - ich weiss es nicht mehr genau. es war spät, und wir hatten getrunken.
1644 "Ich mag den "gmx" in deiner Addresse, klingt via ein sports car Bewegung of the Mind", schrieb mir Don Berger, nun hat gmx kürzlich den ganzen laden gerelauncht und ich bin sehr unzufrieden damit.
1645 "Der Bahnhofsfußboden lässt das Rückgrat vereisen. .. Die Augen sehen keine gebratenen Buletten und keine weiblichen Reize. Sie sehen banale Heizkörper." Oder sie sehnen sich nach dem "Eingeschlafenwerden", dem seligen Moment des "Verlusts der Empfindungen".
Ilma Rakusa über Wenedikt Jerofejew:
Aufzeichnungen eines Psychpathen. Aus dem Russischen von Thomas Reschke. Mit einer editorischen Notiz von Sergej Gladkich. Tropen Verlag, Köln 2004. 191 S. NZZ am 29. Juni 2004
1647 "Denn die Kultur schneidet dem Ausdruck der Liebe das Gebet des Körpers immer kleiner vor - diese hagere Gouvernante nahm uns erstlich den ganzen Körper dessen weg, den wir lieben, dann die Hand, die wir nicht mehr drücken dürfen - dann die Knöpfe und die Achseln, die wir nicht mehr berühren dürfen - und von einer ganzen Frau gab sie uns nichts zum Küssen zurück als (wie ein Gewölle) den Handschuh. Wir manipulieren einander jetzt von ferne."
Jean Paul: Die unsichtbare Loge. Elfter Sektor.
1648 das wort gram eröffnet im begriffsstudio eine neue reihe: alte worte mit vier buchstaben.
(aus dem pfeifer: etymologisches wörterbuch des deutschen)
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Gram: zürnen, grollen, voll unmut, böse sein. Ahd (um 1000), mhf. asächs. mnd. aengl. mnl. nl. gram. anord. gramr "feindselig, erzürnt, wütend", dän. gram "böse" steht im Ablaut zu den unter Grimm angeführten Formen. Siehe Grimm: die Gruppe, zu der auch die verhältnismäßig spät in der Literatursprache nach zu weisenden, aber vermutlich älteren Nominalbildungen I n g r i m m m, "mühsam unterdrückter Zorn, Groll, Erbitterung" (18. Jh) und i n g r i m m i g Adj. "erbittert, zornig" (17. Jh) .. schließt sich griech. chróme, chrómos "krachender Laut, Gewieher", aslaw, "donnern", russ. gremét "donnern, klirren, dröhnen", lit. graméti: "mit Gepolter fallen" an.
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und wer gewinnt? ich würde doch sagen: die litauische wendung: "mit gepolter fallen."
1651 der anhang gibt an: Haselant, Hasenfuß, auch Possenreiter, hier wohl synonym mit dem vorausgehenden Faselhans.
1652 eine kopfverleiherin. bezahlt und unbezahlt.
1653 "Könnt ich seinen ersten Kuss tausendmal brennender abmalen: ich tät' es; denn er gehört unter die ersten Abdrücke der Seele, unter die Maiblumen der Liebe, er ist die beste, mir bekannte Dephlegmation des erdigen Menschen. Nur ist es in diesem deutschen und belgischen Leben nicht möglich, dass der Mensch über fünf oder sechs Male zum ersten Mal küsse."
Jean Paul: Die unsichtbare Loge. Siebzehnter Sektor.
1656 "Ehre und Tugend waren bei ihr keine leeren Worte, sondern hießen (ganz gegen die Kantische Schule) der Zeit-Zwischenraum zwischen ihrem Nein und ihrem Ja, oft bloß der Ort-Zwischenraum. Ich sagte oben, sie hatte immer eine Ohnmacht, wenn der Montag ihrer Tugend war. Es lässet sich aber erklären: ihr Körper und ihre Tugend sind an einem Tag und von einer Mutter geboren und wahre Zwillinge, wie die Gebrüder Kastor und Pollux - nun ist der erste, wie Kastor, menschlich und sterblich, und die andre, wie Pollux, göttlich und unsterblich - wie nun jene mythologische Brüderschaft es pfiffig machte und Sterblichkeit und Unsterblichkeit gegeneinander halbierten, um miteinander in Gesellschaft eine Zeitlang tot und eine Zeitlang lebendig zu sein: so macht es ihr Körper und ihre Tugend ebenso listig, beide sterben allezeit miteinander, um nachher miteinander wieder zu leben." Jean Paul: Die unsichtbare Loge. Neunundzwanzigster Sektor.
1660 er sei selbst auf den höchsten gipfeln noch immer tiptop rasiert gewesen. nun ja, die fotos zeigten ihn eher krypto-tiptop rasiert, doch in den reinsten stolz gehüllt, die aura der bemeisterung vor einem hohen himmel, hoch, höher und nicht anders als blau.
1667 im gegensatz zum fischereihafen, eineinhalb meilen die schotterpiste runter, bot unser balkon den blick auf den rentnereihafen, aus dem alte männer am frühen morgen mit kleinen booten mit lämpchen oder sonnenschirmen (bieten sie den fischen als köder den schatten jetzt) ausfuhren. das leere meer, die mühsal und der kleine fang.
1668 eine disziplin, in der ich bereits nach wenigen tagen auf der insel beträchtliche erfolge verbuchen konnte.
1669 solche fahrten boten uns die bootsverleiher an. wir lehnten höflich ab.
1675 der versuch, sich einen nassen gram vorzustellen, einen am frühen morgen betauten gram, ein gram im fluss - nein, nein, gram fließt nicht. take it from me.
1678 nach weiteren tagen auf der insel erreichten wir die lockerungsstufe drei - wir wurden albern und konnten nicht mehr zurück.
1682 Bei denen von Arnim oder Der Morgenrock des Stipendiaten - einige Auslassungen von Steffen Popp.
1685 schau mal hier, sagte ich und reichte ihm das donald-berger-buch rüber, und er las:
>>
The Leader Board
One of us is lost.
How do we know?
I would need to figure our expense and wipe things dry.
You would need a meat dish and a tablecloth the size of
London.

Entering is easy, even birth is good.
But before those times and after, homeliness mounts.
Too confused or tired to say what you'll become.
Driving to villages that want to be called towns.
Needing a city because you don t know the names of                                                         things.
The trees in those villages said something.
It sounded like scoffing.

Gradually, like birds realizing their knees aren t there
(they didn t have any use so why bother),
sour nerve cells are checked with the same exactness                                                        as mine.
A woman is telling us that time has no way of knowing.
We might as well lsit, she says, in a warm room.
The stars at one time used to know.
Maybe they still do, but who wants to look at them
anymore?
<<
gut, sagte er und gab mir das donald-berger-buch zurück: nur: vögel haben kniee.
birds do have knees, and they bend the same way our knees bend. the part of a bird's leg that bends backwards when it walks is the ancle. daraufhin considerte ich formen of mental kneelessness.
1698 ich will das kreuz des südens sehen, sagte o, und: unbedingt, sagte sie. wir schauten nach oben. da gab es schon vereinzelt sterne, den einen oder anderen. nach einer weile sagte t.: ich weiss nicht, das sieht aus wie der große wagen umgekippt. dann gingen wir weiter, und ich fragte mich, was er wohl geladen haben mag, und was nun kollerte und kullerte und in die ecken rollte.
1702 und ich denke immer lidrandkäfer, aber das kann nicht sein, wie heißt denn dieser käfer. gelbrandkäfer. gelbrandpflege, dann? gel brand pflege? aloha aloe vera.
1704 der fluss übergeht in den milchigen himmel
eine schmierige mischung, die mündung
(es war ein warmer, ein so warmer tag)
der geruch etwas faulig, oder einfach nicht salzig
ein komisches, endzeitliches meer, das schilf
vor der skyline, klopfen und trommeln, hier ist
ein anderer tag, oder sind es wir, es sind wohl wir,
bei licht besehen betrunken.
1707 das wort bodendunkel geträumt und es war ein gefühl von etwas, einer lade, links unten nach einer treppe (schummrig und treppab), neben dem schrank, ein sehr besondres dunkel, vielleicht auch ein wenig wie dieser schal?
1716 "super bandname", sagte A., sehr viele verschiedene schichten zitierend.
1722 "Das Chinesische war, neben dem Russischen und Arabischen, die Sprache, auf die sich Robin am tiefsten und nachhaltigsten eingelassen hatte. Doch während die monolithische Zeichenstruktur seiner Ideogramme ihm ein <<Abgrund>> war, faszinierend und destabilisierend, war ihm das Russische ein Daseinsgrund: <<la plus constante de mes non-patries>>, nennt Robin die russische Sprache und Poesie, <<das beständigste meiner Nicht-Vaterländer>>."
Aus: Theresia Prammer: Ich lebte als hätte ich vierzig Leben. Armand Robin, Dichter und Umdichter, in Zwischen den Zeilen 23, Oktober 04
1723 und kam in unser büro, brachte kohlen-drops und kleine weihrauchhäufchen aus einer bulgarischen kirche mit und zündete sie nebenan in der kulturredaktion an, sagte dann: dieser mann hat einen sex. und die juttas in ihren duplex-pullis fingen dann sofort das nesteln an, an ihren strippen, über den schultern - er müsse nochmal dahinter kommen, sagte er nach einer pause, schon im gehen und verschwand. der weihrauch blieb.
nachtrag: es war ja ganz falsch zitiert, es handelt sich selbstverständlich nicht um die juttas in ihren duplex-pullis, sondern um die uschis in ihren lurex-pullis.
1728 "Eine andere Darstellung dieses poetischen Reiches wäre auf der île des locutions auffindbar, die Flaubert sich in einem nicht ausgeführten Entwurf ausdachte, und auf der alle Redefiguren unverzüglich in Wirklichkeit umgesetzt werden."
Aus: Hans-Jost Frey: Die Unübersetzbarkeit der Metapher, in Zwischen den Zeilen 23, Oktober 04
Hierzu - geradezu zwingend, die große Akademie von Lagado:
"Es wurde deshalb folgender Ausweg vorgeschlagen: da Wörter nur Bezeichnugen für Dinge sind, sei es zweckdienlicher, wenn alle Menschen die Dinge bei sich führten, die zur Beschreibung der besonderen Angelegenheit, über die sie sich unterhalten wollen, notwendig seien. (..) das bringt nur die eine Unbequemlichkeit mit sich, dass jemand, dessen Angelegenheiten sehr umfangreich und von verschiedener Art sind, ein entsprechend großes Bündel von Dingen auf dem Rücken tragen muss, falls er es sich nicht leisten kann, dass ein oder zwei starke Diener ihn begleiten. Ich habe oft gesehen, wie zwei dieser Weisen unter der Last ihrer Bündel fast zusammenbrachen, wie bei uns die Hausierer. Wenn sie sich auf der Straße begegneten, legten sie ihre Lasten nieder, öffneten ihre Säcke und unterhielten sich eine Stunde lang; dann packten sie ihre Utensilien wieder ein, halfen einander, ihre Bürden wieder auf den Rücken zu nehmen, und verabschiedeten sich."
Jonathan Swift: Gullivers Reisen.
Dritter Teil, Kapitel fünf.
1730 alles, was auf seite zehn steht, in b. oleschinskis buch: geisterströmung. in welchen sprachen kann die seele haare haben? noch haare haben? ein flaumiges haften auf dem weg.
1731 bis 1733 allesamt anagramme aus: when love goes wrong nothing goes right.
1734 auf einem plakat gesehen und wieder so - wieder so gerührt von der vokalen perfektion, ein abgrund, eine flatternde fülle.
1738 das G - die mitte einnehmend. (gutturale media)
1742 nein, nein: und schwach und schwächer schaukelt jede welle ihr silberblatt. dann gehören die krepierten wellen jetzt mir. ja, sagte O., mach damit was du willst.
1746 merktechniker auf einer einprägsamen exkursion der blauen flecken. und würde man dann die verschiedenen schmerzreize hierarchisieren, hätte man beim gedächtnistraining die sicherheit des gebrannten kinds.
1748 einen reim sich auf den abend machen - harttrabend. tsa pomnyi - es gibt keine ponies in dem gedicht. gibt es schafe, denn?
1749 heulen bei durchgenudeltem gemüt und der freejazz-fußwippe des verstands und am ende liegen die taschentücher da wie ein leeres päckchen kippen, das mit dem abgefederten vorwurf des selbstgewollten sagt: war s das jetzt?
1750 reimportierter trost. ja das verpassen der zeit schon wird mich hochziehen.
1751 bleibe in blumen. stay in flowers.
1753 guppy kawaweck. an der dummen ecke standen wir. das ischt eine dumme ecke, sagte P., an der wir hier stehen. B. stieg ins taxi. L. sagte: there is so much love, und: das gegenteil von sadness sei nicht happiness, sondern love. wir schauten dem taxi nach, verließen die dumme ecke. V. sagte uns später, er habe geweint.
1755 und mit den armen habe er gewedelt als er aus der kammer links der bühne in stralsund hervorbrach und sie habe ihre liebe not mit ihm gehabt und ihn wieder zurückgesperrt, in die kammer.
"ein peinlichkeitserotomane, wohl", bemerkte L. ganz treffend.
1756 ihr wolken, meine schrecklichen schäfchen... las ich im flugzeug, im ausgeliehenen buch. und die sonne, am nächsten morgen, sah aus wie ein knopf im weißlichen himmel. eine nach dem andern, immer bergan.
1757 ob wir denn wirklich keine quiche wollten, wirklich? nur noch diese einzige quiche. entschuldigen sie. nein. wir können nicht mehr. das angebot wurde so lange wiederholt, bis P. sich zu mir wandte und sehr leise, sehr deutlich sagte: quiche my ass.
1759 ich muss es in ottersprache sagen, anders geht es nicht. ja, manche dinge, sagte ich, lassen sich nicht anders sagen als in a vollkommen idiotisch lengwitsch. sis helpsss.
1761 oder war es doch: othering the otter.
1762 ob er jetzt den leiermann einlesen solle, tak, tak, tak, den leiermann. da hat die leier einen rhythmus und der wunderliche alte hat ein holzbein.
1766 schluss der zauber. aus der zauber. schluss. aus.
1769 ja, was man halt so macht.
1956 so ein häufchen liebe, als hätte man im gleichen nest gelegen. wenn die lebewesen sich begrüßen und man selber gar nicht mal dabei sein muss. und sich nur eine frage stellt: wo warst du die ganze zeit?
1962 am ersten tag des jahrs das buffet geklärt, mit bedauern und erleichterung. wir essen von allem noch einmal etwas, hatten wir gesagt, das wäre unsere referenz an die reste. nur aus dem trog mit dem plüschpudding brachten wir nichts über die lippen.
1968 die bewässerung von affekten, das verklappen im brustkorb, das loslaufen der tränen, jedoch weniger tränen, sondern eher etwas wie kühlflüssigkeit, gegen das heißlaufen ästhetischer erfahrung.
1971 und habe wieder einmal nichts als ein bein als antwort bekommen. es war ein männerbein. es war ein frauenbein. und dann saß ich da in der enge, im parkett, dritte reihe und hatte dieses bein auf dem schoß, irgendein stück wurde gegeben (goldoni?) und etwas an mir, oder etwas am bein war aus zartem filz und geschmeidig hell und rot. ein hütchen womöglich. während ich noch nachsann, bewegte sich die mähmaschine am abhang und etwas wie ein klappgelenk aus rauten sorgte, ein und ausfahrend, für die balance. bein, sie hat bein gesagt.
1975 nein, nicht von zweiunddreißigern, von zweiunddreißigsteln ist die rede. ich tausche haydn gegen arcade fire aus, und spüre eine deutliche erleichterung und ein steigen der stimmung. schmelzwasser. schafe. gelernte temperaturen. das knacken der gelenke. bauformen. die unmittelbar emotive kraft von musik. die längen eines synästhetischen entwicklungsromans. eine tonspur ohne ton. über musik sprechen, das große WIE. ein klang WIE ein campingplatz außerhalb der saison. WIE ein leergeräumter bungalow. WIE c-dur. WIE die raserei der zweiunddreißigstel. WIE WIE. sag es ohne WIE. wie?
1976 wenn dann später mal die andern kämen, also die Ganz-Andern, die nicht einmal mehr non-human wären, weil diese unterscheidung keinen sinn mehr hätte, dann könne man diese texte hernehmen und würde verstehen, würde unsere darin patinierte gegenwart verstehen.
1982 der mensch, in der weiten nacht des unendlichen, ist öfter fürchtend als hoffend. aberglaube ist öfter drohend als verheißend. und wie stelle ich das dar: "Als Mitteltinten der dunkeln Farbengebung mögen noch das Durcheinanderwerfen der Völker, die Kriege, die Pesten, die Gewalt-Taufen, die düstere Polar-Mythologie im Bund mit der orientalischen Sprach-Glut dazukommen und gelten." jean paul: vorschule der ästhetik. kapitel: quell der romantischen poesie.
1983 so zärtlich, trocken und rauh, aber auch ganz leicht nach außen gewölbt, rund und zusammengesetzt über einem gelenk sind diese gänsepfötchen, in denen klaus heinrich darauf hinweist, dass sich platon die idee sicher nicht "materialistisch" vorstellt, sondern ihr eingebildet, in die materie hineingedacht. (dahlemer vorlesung zur psychoanalyse VII, fünfte vorlesung).
1984 entlassen aus der arbeit am projektiven, eine fabrik in der es immer nur bis HIER geht, immer nur bis HIER, aber da birst und glückt und klirrt die maschinerie, dass es eine blendung hat. ach, sie stellen sich das nicht vor, wie es da aussieht, und wenn es aufhört, wenn es aufhört, steigt weder rauch noch fällt ein vorhang. hinweise auf ein ende geben allein die momente an der torkel.
1987 da machte die psychoanalyse ihre arbeit, kategorisierend. denn: "War es denn nicht selbstverständlich, dass dieselbe Erscheinung einerseits unendlich mannigfaltige Formen zeigt, die andererseits immer wieder gleiche, zumindest ähnliche Strukturen aufweisen? So kannte man es aus der Natur, die, die man deshalb so schön hatte einteilen können in Gattungen und Arten und so sollte es auch in der Fauna der seelisch Kranken sein, die man aus der Freude des Wiederekennens ebenfalls so schön in Gattungen und Arten einteilte." (heinrich, dahlemer vorlesung zur psychoanalyse VII, fünfte vorlesung)
1988 eine schlagzeile in diesen tagen, bis zu den schultern watend durch eine landschaft aus gefühltem, routiniertem, aus dreck und gelee. sieht alles gleich aus - oder sieht alles gleich ganz anders aus. dieses vorhalten der nichtfindigen dreckslashwelt. am morgen auf den reitern das herzeigen des gestern gesetzten, am rechner, am rechner. mit was machen wir auf? damit machen wir auf. nein, täuschen sie sich da mal nicht. es ist ja so: was man verkaufen darf, darf man auch bewerben. ich mach jetzt gar nicht mehr auf. ich erwarte vorerst genugtuung. und so lange das nicht der fall ist, werden sie von mir nichts als ein bein als antwort bekommen. bein.
1989 das hätte so eine emsige tristesse, sagte L. während er irgendetwas anderes tat, tee kochen, oder auf ball sitzen, oder brennen? die haare waren so vom denken her, und die decke um die beine. nur was war es noch, das diese emsige tristesse an sich haben sollte. ich kann mich nicht erinnern. es wird immer schlimmer. was ich nachts erlebe, wird im schlaf gelöscht. oder ist es nur, dass auch dieser tag noch dazu gehörte. auch an diesem tag war alles, das sich äußerte eingemacht in so ein urzeitlich angeschliffenes gelee und pekuniär plessierten dreck.
1991 ein fürchteparadies schlug ich mich vertippend vor, einzurichten in einer ecke der für den täglichen bedarf viel zu großen brasilianischen wohnung (man bekommt keine andern), dort könnte man sich täglich zwanzig minuten fürchten, dann die ecke getrost und mutig wieder verlassen und aus dem haus gehen.
1992 "Da die Poesie mehr das Schicksal als die Gesinnung des Sünders entschleiert: so steht - weil im Leben dieselbe Zufälligkeit des Missglücks die Tugend wie das Laster trifft - unsere moralische Kraft gegen die ungleichartige Ausgleichung der innern und äußern Welt, gegen bestraftes Laster wie gegen unbelohnte Tugend auf. Und was hilft ein Schiffbruch pestkranker Teufel? Sie stecken eben strandend an." jean paul: vorschule der ästhetik. kapitel: materie der charaktere.
1993 das museum für antike seefahrt in mainz ist ein sehr angenehmer ort. es ist eine weite und freundliche halle. darin stehen schiffe und reste von schiffen. und schaut man in die werkstätten, rechtsseitig, dann schaltet sich eine idee von handwerklicher sorgfalt und sorge hinzu, dass man ganz weich und dankbar wird.
1995 die kamen im traum zu mir. eine kommission lehnte an einem tisch, schmal wie ein bügelbrett, der sich unter einem schweren stapel von papieren, eingaben und referaten bog. es hieß, man habe alles neu geordnet und nun wurde ich herangewunken und folgte der anweisung wie ein zahmes tierchen. ich sei von heute an sternzeichen "topfig trottelige titten" wurde mir mitgeteilt und müsste meine existenz nach dieser vorgabe neu bestimmen. kurz darauf fuhr ich mit einem auto einen pilz herauf, in dem sich ein multiplex-kino verbarg. ich kann allerdings nicht sagen, ob es für mich und die mitfahrer, die sich im übrigen nicht zu erkennen gaben, noch tickets gab.
1996 wir kamen in den showroom, tröge voller eis und bierflaschen, halbdunkel, aufbauten, das sind also die brillen, die man heute trägt. aha. und das? und das? und er sagte: das sieht ja aus wie "tupper gothic" und man hätte es besser nicht sagen können.
1997 entzückt nahm ich zur kenntnis, dass er zum typus des toxisch-mimetischen trinkers gehört. seine bereitschaft zur anverwandlung nahm minütlich zu, er ähnelte sich seinen jeweiligen vorrednern an, tränkte hin und herschaukelnd einmal die eine, dann die andere seite der kontroverse. ob ich an ihm riechen dürfe, fragte ich. ja. ob ich nochmal an ihm riechen dürfe. ja. kurz bevor ich ihn fragen konnte, ob er mir erlaube seine wimpern zu berühren, entschloss er sich zu gehen und ich wüsste nicht, welche strafe auf das riechen an redakteuren stehen sollte. keine, ganz gewiss.
2000 diesen begriff verdanke ich lorenz wilkens, der mir auch den kontext dazu schenkte: "Der 2000. Begriff - ich muß Sie auf die chiliastische Bedeutung des Augenblicks nicht hinweisen. Für die Begriffe - begriffs - beginnt das Reich des Geistes! Doch stammten sie nicht immer daraus? How to cope with this embarrassment? Ich bin indessen vor allem gespannt, was nun kommt. Den Augenblick selbst kann ich unglücklicherweise nicht miterleben. Das chiliastische Gelächter - Joachim di Fiore versank in dem Ernst seiner Sehnsucht."